Gerresheimer Aktie: Verunsichernde Entwicklungen!

Gerresheimer verschiebt Jahresabschluss nach Bilanzfehlern, was den Ausschluss aus dem SDAX und einen Notverkauf der US-Tochter zur Folge hat. Die BaFin weitet ihre Prüfungen aus.

Die Kernpunkte:
  • Jahresabschluss 2025 auf Juni 2026 verschoben
  • Ausschluss aus dem SDAX ist unvermeidlich
  • BaFin prüft Bilanzfehler und Leasingverbindlichkeiten
  • Notverkauf der profitablen US-Tochter Centor geplant

Der Verpackungsspezialist Gerresheimer manövriert sich immer tiefer in eine existenzielle Vertrauenskrise. Weil externe Sonderprüfer mehr Zeit für die Aufarbeitung fehlerhafter Buchungen benötigen, verschiebt der Konzern seinen Jahresabschluss 2025 bis in den Sommer. Die Konsequenzen für den Kapitalmarkt sind drastisch und gipfeln im unvermeidlichen Ausschluss aus dem SDAX.

Terminchaos und Index-Abstieg

Auslöser der jüngsten Eskalation ist eine Ad-hoc-Mitteilung vom vergangenen Dienstag. Gleich zwei externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchleuchten derzeit die Geschäftsvorgänge der vergangenen zwei Jahre. Die Aufarbeitung dauert länger als geplant, was den gesamten Finanzkalender des Unternehmens umwirft. Folgende Termine sind von den Verschiebungen direkt betroffen:

  • Jahresabschluss 2025: Verschoben auf voraussichtlich Juni 2026
  • Q1-Mitteilung 2026: Ursprünglich 16. April, auf unbestimmte Zeit vertagt
  • Hauptversammlung: Geplant für 3. Juni, wird neu terminiert

Die Verzögerung des testierten Abschlusses führt laut Regelwerk der Deutschen Börse zum Ausschluss der Papiere aus dem SDAX. Indexfonds sind dadurch gezwungen, ihre Positionen umzuschichten, was zusätzlichen Verkaufsdruck generiert.

BaFin weitet Prüfungen aus

Kern des Problems sind fehlerhafte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen aus dem vergangenen Jahr. Mitarbeiter hatten Umsätze verbucht, bevor die Ware physisch das Werk verließ. Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Untersuchungen mittlerweile massiv ausgeweitet und prüft nun den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025. Neben der Umsatzrealisierung stehen potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten im Fokus der Behörden.

Die finanzielle Belastung ist immens. Gerresheimer muss Abschreibungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro vornehmen, die primär die Schweizer Tochter Sensile Medical und einen US-Standort treffen. Infolgedessen sinkt die erwartete EBITDA-Marge für 2025 auf 16,5 bis 17,5 Prozent, während beim Gewinn ein zweistelliger Einbruch oder gar ein Verlust droht.

Notverkauf und Kursverfall

Um die angespannte Bilanz zu entlasten, greift das Management zu drastischen Maßnahmen. Die hochmargige US-Tochter Centor soll noch im laufenden Jahr über Morgan Stanley verkauft werden. Da diese Sparte bisher profitabel arbeitete, dürfte der Verkauf die ohnehin geschwächte Margenstruktur des Gesamtkonzerns zukünftig weiter belasten. Gleichzeitig verhandelt das Unternehmen mit Kreditgebern über eine Fristverlängerung für die Vorlage des Jahresabschlusses, um formale Vertragsbrüche zu vermeiden.

An der Börse hinterlässt die unsichere Lage tiefe Spuren. Mit einem Freitagsschlusskurs von 17,56 Euro hat das Papier seit Jahresbeginn fast 37 Prozent an Wert verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei über 80 Euro im März 2025 ist der Titel mittlerweile rund 78 Prozent entfernt.

Das Management rechnet für 2026 mit einem Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro bei einer schwachen ersten Jahreshälfte. Der nächste zwingende Meilenstein zur Wiederherstellung des Vertrauens ist die Vorlage des testierten Abschlusses im Juni 2026. Bis dahin bestimmen die laufenden BaFin-Ermittlungen und die Verhandlungen mit den Banken das fundamentale Risiko.

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