Gerresheimer: APAS leitet Verfahren gegen KPMG ein
Die Aufsicht prüft KPMG wegen testierter Falschbilanz bei Gerresheimer. Der Aktionärsschutzverband DSW bereitet Klagen gegen Ex-Vorstände vor.

- APAS leitet Verfahren gegen KPMG ein
- DSW prüft Klagen gegen frühere Manager
- Systematische Verstöße bei Umsatzbuchungen
- Centor-Verkauf als Gegenmaßnahme geplant
Der Bilanzskandal bei Gerresheimer wächst sich zu einem juristischen Mehrfrontenkrieg aus. Neben der BaFin ermittelt jetzt auch die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS gegen KPMG — und der Aktionärsschutzverband DSW verschärft seinen Kurs gegen frühere Führungskräfte.
KPMG und Ex-Vorstand im Visier
Der Vorwurf gegen KPMG ist konkret: Der Wirtschaftsprüfer hatte den Jahresabschluss 2024 ohne Einschränkung testiert, obwohl darin fehlerhafte Umsatzbuchungen von 35 Millionen Euro steckten. Pikant: KPMG hatte erst 2024 Deloitte als Prüfer abgelöst — und beglaubigte umgehend einen fehlerbehafteten Abschluss.
Die DSW hat ein Gutachten zur Verantwortlichkeit ehemaliger Führungskräfte eingeholt. Im Visier: Ex-CEO Dietmar Siemssen, Ex-CFO Bernd Metzner sowie Mitglieder des Aufsichtsrats. DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler machte deutlich, dass mit zunehmender Klarheit über die Ansprüche ein Prozessfinanzierer wahrscheinlicher werde. Grant Thornton prüft parallel die Bücher der Jahre 2024 und 2025.
Systematische Verstöße, wachsende Abschreibungen
Im Kern des Skandals stehen sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen: Gerresheimer stellte Kunden Waren in Rechnung, lieferte aber erst später aus — und verbuchte Umsätze entgegen den IFRS-Vorschriften zu früh. Eine unabhängige Anwaltskanzlei bestätigte die systematischen Verstöße, die 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen Euro bereinigtes EBITDA betreffen.
Die BaFin führt zwei parallele Verfahren. Das zweite wurde ausgeweitet, weil möglicherweise Leasingverbindlichkeiten falsch ausgewiesen sind, Nutzungsdauern von Entwicklungskosten im Anhang falsch angegeben wurden und Vermögenswerte des Segments Advanced Technologies wertgemindert waren, ohne dass der Aufwand erfasst wurde. Für das Geschäftsjahr 2025 erwartet Gerresheimer nicht-zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro — hauptsächlich bei der Sensile Medical AG und der Gerresheimer Moulded Glass Chicago Inc.
Centor-Verkauf und Kreditatempause
Als zentrale Gegenmaßnahme treibt Gerresheimer den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. voran, mandatiert von Morgan Stanley. Centor spezialisiert sich auf Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente und stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in den Büchern. Das Dilemma: Die Sparte erwirtschaftet überdurchschnittliche Margen — ein Verkauf belastet die ohnehin gesunkene Profitabilität weiter. Gerresheimer rechnet noch in diesem Jahr mit dem Abschluss der Transaktion.
Auf der Finanzierungsseite haben Schuldschein-Inhaber einer Fristverlängerung bis Ende September 2026 zugestimmt — mit einer Quote von 96 Prozent des Gesamtvolumens von 870 Millionen Euro. Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad sind bis zum dritten Quartal 2026 ausgesetzt. Der gesamte Berichtsrhythmus bleibt eingefroren: Jahresabschluss und Hauptversammlung auf unbestimmte Zeit verschoben, der Halbjahresbericht für den 14. Juli 2026 terminiert.
Die Kursentwicklung spiegelt das Vertrauen der Märkte wider. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 22 Prozent verloren, über zwölf Monate sogar 60 Prozent — von einem 52-Wochen-Hoch von 64,40 Euro auf zuletzt 21,52 Euro.
Für 2026 stellt das Management Umsätze von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht. Der entscheidende Prüfstein ist der Juni 2026: Mit der Vorlage des testierten Abschlusses muss Gerresheimer zugleich belegen, dass die Kreditlinien gesichert sind — andernfalls bleiben auch mögliche Übernahmeszenarien blockiert.
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