Gerresheimer: BaFin prüft 65,5 Millionen Leasingfehler

Trotz Bilanzskandal und behördlicher Ermittlungen erholt sich die Gerresheimer-Aktie deutlich, während der Druck auf das Management wächst.

Die Kernpunkte:
  • Aktie erholt sich trotz Krise
  • BaFin und APAS ermitteln
  • DSW plant Klagen gegen Ex-Vorstände
  • Verkauf von US-Tochter geplant

Auf dem Papier steckt Gerresheimer tief in der Krise. Bilanzskandale, verschobene Berichte und behördliche Ermittlungen belasten den Pharmazulieferer aus Düsseldorf. An der Börse zeichnet sich ein anderes Bild ab. Die Aktie hat sich deutlich vom Rekordtief gelöst und lockt erste Schnäppchenjäger an. Das Fundament dieser Erholung ist extrem fragil.

Aktuell notiert das Papier bei 25,60 Euro. Damit hat der Wert auf Monatssicht fast 38 Prozent zugelegt und den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt hinter sich gelassen. Langfristig orientierte Anleger blicken indes auf ein massives Minus von rund 57 Prozent auf Jahressicht.

Regulatoren und Aktionäre erhöhen den Druck

Die juristische Aufarbeitung des Bilanzskandals nimmt an Schärfe zu. Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS ermittelt gegen KPMG. Der Wirtschaftsprüfer hatte den Jahresabschluss 2024 uneingeschränkt testiert, obwohl systematische Fehler bei der Umsatzrealisierung vorlagen.

Parallel dazu weitet die Finanzaufsicht BaFin ihre Untersuchungen aus. Im Fokus stehen falsche Nutzungsdauerannahmen und nicht erfasste Wertminderungen im Segment Advanced Technologies. Hier geht es um fast 200 Millionen Euro. Auch Leasingverbindlichkeiten von rund 65 Millionen Euro werden geprüft.

Auf Aktionärsseite formiert sich Widerstand. Der Schutzverband DSW bereitet rechtliche Schritte gegen die früheren Vorstände Dietmar Siemssen und Bernd Metzner vor. Ein externes Gutachten soll die Verantwortlichkeiten klären. Ein Prozessfinanzierer steht laut DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler bereit.

Umbau und ein pikanter Interessenkonflikt

Kern der Sanierung ist der geplante Verkauf der US-Tochter Centor Inc. Das Unternehmen liefert Verpackungssysteme für Medikamente und wirft überdurchschnittliche Margen ab. Die Transaktion schwächt die ohnehin gesunkene Profitabilität des Gesamtkonzerns weiter.

Pikant ist dabei die Rolle von Morgan Stanley. Die US-Investmentbank begleitet den Verkaufsprozess beratend. Im gleichen Schritt reduzierte das Institut Ende April seinen Anteil an Gerresheimer auf 4,74 Prozent. Marktbeobachter sehen in dieser Doppelrolle einen klaren Interessenkonflikt.

Operativ zieht das Management Konsequenzen. Das Glaswerk in Chicago Heights soll im September schließen, die Produktion wandert nach Italien und Indien ab. Rund 170 Mitarbeiter verlieren voraussichtlich ihren Arbeitsplatz.

Warten auf belastbare Zahlen

Der fehlende testierte Abschluss blockiert den gesamten Berichtskalender. Das Unternehmen hat den Jahresbericht 2025 auf voraussichtlich Juni verschoben. Hauptversammlung und Quartalszahlen liegen auf Eis. Der Rauswurf aus dem SDAX im April zwang Indexfonds bereits zu unlimitierten Verkäufen.

Für das laufende Jahr peilt der Vorstand einen Umsatz von bis zu 2,4 Milliarden Euro an. Die bereinigte operative Marge soll bei rund 18 Prozent liegen. Diese Ziele stehen unter dem expliziten Vorbehalt erfolgreicher Kreditverhandlungen. Das unklare Bild spaltet Investoren: Während Leerverkäufer auf tiefere Kurse setzen, greifen Adressen wie Deka Investment bereits zu.

Der Juni wird zum Schicksalsmonat für Gerresheimer. Liefert das Unternehmen den testierten Jahresabschluss wie angekündigt, existiert erstmals seit Monaten wieder eine belastbare Datenbasis. Fällt das Zahlenwerk sauber aus, erhält die aktuelle Kursrallye ein fundamentales Fundament. Neue Bilanzlücken dürften die Erholung hingegen abrupt beenden.

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