Gerry Weber: Kampf an mehreren Fronten

Der Modekonzern Gerry Weber sorgte bereits mit den Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15 nicht gerade für Begeisterung unter den Marktteilnehmern. Neben einem deutlichen Gewinnrückgang wurde auch klar, dass der Konzern dringend intern etwas ändern muss, um zu alten Stärken zurückzukommen.

© Pixabay
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„FIT4GROWTH“ heißt nun das Zauberwort, besser gesagt das Programm zur Neuausrichtung, welches der Vorstand Ende Februar vorstellte. Insgesamt beinhaltet dieses Programm vier Bausteine, die nun auf der Agenda von Gerry Weber stehen: Retail optimieren, Strukturen und Prozesse anpassen, Wholesale stärken und die Marken modernisieren.

Klar ist aber auch, dass entsprechende Belastungen in den kommenden Monaten oder Jahren? auf das Ergebnis drücken werden. Notwendig werden diese Maßnahmen dennoch, wie die nun vorgelegten Zahlen für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres eindeutig belegen.

Quartalszahlen lassen das Dilemma erahnen

Der Umsatz konnte in diesem Zeitraum um 11,1% auf 213,7 Mio. Euro gesteigert werden, ist jedoch im Wesentlichen auf die Einbeziehung von Hallhuber mit einem Umsatz von 50,5 Mio. Euro zurückzuführen, was einem Plus von 26% des Vorjahresquartals entsprach.

Das Segment Core-Retail erhöhte den Umsatz um 3,4% auf 109,6 Mio. Euro. Auf vergleichbarer Fläche ging es jedoch um 7,5% abwärts und entwickelte sich damit unterdurchschnittlich. Der Umsatz im Segment Core-Wholesale sank deutlich von 86,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 53,6 Mio. Euro.

Gerry Weber verbucht herben Gewinnrückgang

Entsprechend sank das EBITDA von 24,2 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum auf 14,5 Mio. Euro. Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Abschreibungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6,8 Mio. Euro auf 10,6 Mio. Euro. Dies war bedingt durch die Neueröffnung von eigenen Retail-Verkaufsflächen sowie durchgeführten Geschäftsübernahmen.

Durch die gestiegenen Abschreibungen und außerordentliche Aufwendungen aus den bereits eingeleiteten Maßnahmen des vorgenannten Programms verminderte sich das EBIT auf 3,9 Mio. Euro. Im Vorjahreszeitraum konnte Gerry Weber hier noch 17,4 Mio. Euro vorweisen. Die EBIT-Marge sank entsprechend von zuvor 9,1% auf 1,8%

Verhaltener Ausblick

Auch die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind entsprechend verhalten ausgefallen. Danach wird ein Konzernumsatz von 890 bis 920 Mio. Euro erwartet. Zugleich wies der Vorstand von Gerry Weber darauf hin, dass die Belastungen durch die Neuausrichtung in den nächsten 18 bis 24 Monaten rund 36 Mio. Euro betragen werden. Das EBIT für dieses Geschäftsjahr soll zwischen 10 bis 20 Mio. Euro liegen, wobei Hallhuber hier einen großen Teil beisteuern wird.

Aktie auf Jahressicht mit starkem Verlust

Die Probleme von Gerry Weber lassen sich auch deutlich am Aktienchart ablesen. Hier ging es in den letzten Monaten stetig abwärts, so dass die Aktie fast zwei Drittel ihres Wertes vor einem Jahr eingebüßt hat.

160316 Gerry Weber

Die Umstrukturierung ist der richtige Weg, allerdings wird hier erst geliefert werden müssen, ehe das verloren gegangene Vertrauen des Marktes zurückgewonnen werden kann.

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