Gerry Weber: Schwache Zahlen erhöhen den Druck auf die Aktie

Dieses Geschäftsjahr wird bei Gerry Weber sicher nicht zu den guten Erinnerungen gehören. Neben einem starken Gewinneinbruch im zweiten Quartal ist die kurz vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen herausgegebene Gewinnwarnung den Anlegern noch gut im Gedächtnis.

 

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Gerry Weber erwartet für das EBIT in diesem Geschäftsjahr ein um 20 bis 25% niedrigeres Resultat als im Vorjahr. Darunter hatte auch die Aktie zu leiden, indem die Anleger in Scharen ihre Papiere auf den Markt warfen. In der Folge hat sich die Aktie seit Jahresanfang um mehr als 40% verbilligt. Zuletzt flog das Unternehmen auch noch aus dem MDAX, was die Kurse weiter nach unten drückt.

 

Hallhuber sticht positiv hervor

Blickt man auf die Zahlen für die ersten neun Monate dieses Geschäftsjahres 2014/15 wird deutlich, dass einzig die Akquisition von Hallhuber momentan noch rettet, was zu retten ist. Der Konzernumsatz erreichte in vorgenanntem Zeitraum 630,5 Mio. Euro und lag damit 5,1% über dem des Vorjahreszeitraumes. Auf Hallhuber entfallen in diesem Zeitraum Umsätze von 70,6 Mio. Euro. In den aktuellen Zahlen erfolgte die erstmalige Einbeziehung des Unternehmens.

Dessen Umsätze entwickelten sich auf vergleichbarer Fläche auch deutlich positiver als der Markttrend in Deutschland. Während der deutsche Modeeinzelhandel Umsatzrückgänge von ca. 5% von November 2014 bis Juli 2015 verzeichnen musste, konnte Hallhuber die Umsätze mit einem Plus von 0,1% auf stabilem Niveau halten. Anders läuft es dagegen bei Gerry Weber selbst.

 

Gerry Weber mit sinkenden Umsätzen

Der Retail-Bereich wuchs um 7,7%, was jedoch vorrangig auf die Neueröffnung von Verkaufsflächen in den letzten 2 Jahren zurückzuführen war. Auf vergleichbarer Fläche ging es um 4,2% abwärts. Die Umsätze im Bereich Wholesale sanken dagegen von zuvor 306,4 Mio. Euro auf 243,7 Mio. Euro. Als Gründe gab Gerry Weber die Wetterbedingungen, niedrige Kundenfrequenzen in den Innenstädten und auch den Rubelverfall an. Gleichzeitig wirkte sich die Erhöhung der Endverbraucherpreise in Russland negativ auf die Umsatzentwicklung mit den Handelspartnern in Russland und den Anrainerstaaten aus.

Gestiegene Personalkosten, auch bedingt durch die im Februar übernommene Hallhuber, und ein Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen ließ das EBITDA von 84,5 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 63,0 Mio. Euro sinken.

 

Gewinn weiterhin rückläufig

Abschreibungen mit einem Plus von 6,0 Mio. Euro und damit insgesamt 25,0 Mio. Euro wirkten negativ auf das operative Ergebnis. Das EBIT sank dadurch von 65,5 Mio. Euro im Jahr zuvor auf 38,0 Mio. Euro. Die EBIT-Marge erreichte danach 6% nach 10,9% im Jahr zuvor. Der Periodenüberschuss lag bei 22,2 Mio. Euro nach 43,0 Mio. Euro im Vorjahr.

 

Vorstand mit vielen Baustellen

Der Vorstand von Gerry Weber zeigte sich mit der Umsatzentwicklung nicht zufrieden, bestätigte jedoch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Besonderes Augenmerk liegt hier auf den Monaten September und Oktober, da in diesen Monaten die margenstarke Herbst-/Winterware zum vollen Endkundenpreis in die Läden kommt. Zugleich wies der Konzern darauf hin, dass man sich weiter in einer Art Umbruchphase befindet.

Der Abbau von Arbeitsplätzen war ja bereits im Gespräch. Zugleich soll der Vertrieb mit den Handelspartnern neu strukturiert werden. Dies dauere jedoch länger als vom Management bisher erwartet. Gerry Weber rechnet damit, dass man sich in den nächsten 1,5 bis 2 Jahren noch voll diesen Transformations- und Konsolidierungsprozessen widmen muss.

Zugleich wurden bereits Maßnahmen eingeleitet, um mittel- bis langfristig wieder Umsatzsteigerungen zu erreichen und insgesamt profitabler zu werden. Erste Effekte aus diesen Maßnahmen erwartet der Konzern im 4. Quartal des laufenden Geschäftsjahres.

 

Aktie gerät weiter unter Druck

Die Anleger dürften die Zahlen nicht begeistert aufnehmen, auch wenn im Vorfeld sicher schon einige Daten in den Kurs eingepreist waren. Dennoch ist damit zu rechnen, dass es heute zu weiteren Kursrücksetzern kommen könnte.

Analysten sind sich in ihrer Beurteilung nicht einig. Während die Experten der Commerzbank ihre Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 25,00 Euro bestätigten, wurden die Papiere von Gerry Weber von den Analysten von Warburg Research weiterhin zum Kauf mit einem Kursziel von 29,00 Euro belassen.

150911 Gerry Weber

Die Aktie liegt derzeit nicht weit entfernt von der äußerst wichtigen Unterstützung bei 18,00 Euro. Würde diese durchbrochen werden, dann wäre der freie Fall wohl nicht mehr aufzuhalten.

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