Getrennte Wege: Bloom Energy jubelt, Nel ASA stagniert

Bloom Energy profitiert von Indexaufnahme und Kurszielanhebungen, während Nel ASA schwächelt. Ballard, Plug und Primary stehen vor eigenen Prüfsteinen.

Die Kernpunkte:
  • Bloom Energy erhält mehrere Kurszielanhebungen
  • Nel ASA nahe dem Jahrestief
  • Ballard präsentiert neuen Brennstoffzellenantrieb
  • Primary Hydrogen plant erstes Bohrprogramm

Fünf Wasserstoff-Werte, fünf völlig unterschiedliche Wochen. Während ein kanadischer Explorer auf den ersten Bohrmeter wartet, feiert ein Brennstoffzellen-Hersteller seinen Aufstieg in den S&P 500. Parallel kämpfen zwei etablierte Namen mit stagnierenden Umsätzen, ein Dritter ringt mit einem tückischen Chartmuster. Der Sektor hat sich sichtbar in getrennte Erzählstränge aufgespalten — Exploration, Mobilität und KI-Stromversorgung folgen jeweils ihrer eigenen Logik.

Primary Hydrogen: Zählt die Tage bis zum ersten Bohrloch

Bei Primary Hydrogen laufen die Vorbereitungen für den bislang wichtigsten Meilenstein des Unternehmens. Zum 1. Oktober soll das erste Bohrprogramm am Projekt Wicheeda North in British Columbia starten, rund 1.500 Bohrmeter sind geplant, abgeschlossen werden soll die Kampagne bis Anfang November. Vorab fliegt Precision GeoSurveys eine großflächige luftgestützte Radiometrie-Vermessung, deren erste Ergebnisse noch im September erwartet werden.

CEO David Jackson erklärte die Reihenfolge der Arbeitsschritte: Da Resultate der zweiten Bodenprobenkampagne nicht rechtzeitig vor Ankunft des Bohrgeräts vorliegen würden, dienten das erste Messraster, die Luftvermessung und Daten aus dem Vorjahr zur Standortbestimmung der ersten Löcher. Das Unternehmen hält eine Option auf 75 Prozent an der Liegenschaft, die eine bis 2031 gültige Genehmigung für bis zu 70 Bohrstandorte umfasst.

Der Kurs reagierte deutlich: Heute sprang die Aktie um 26 Prozent auf 0,9550 Euro. Über sieben Tage steht dennoch ein Minus von 16 Prozent zu Buche, während sich der 30-Tage-Trend mit plus 12 Prozent positiv zeigt. Zum 52-Wochen-Tief von 0,45 Euro beträgt der Abstand inzwischen 112 Prozent. Als vorbörsliches Explorationsunternehmen bleibt Primary Hydrogen ohne Umsätze — der Kurs wird in den kommenden Wochen an den Bohrergebnissen hängen, nicht an der allgemeinen Sektorstimmung.

Plug Power: Bessere Zahlen, aber das Chartbild bleibt Sorgenkind

Operativ hat sich bei Plug Power zuletzt einiges verbessert. Der Umsatz übertraf die Erwartungen der Analysten um 5,6 Prozent, das Unternehmen hob seine Wachstumsprognose für 2026 an. Die Bruttomarge näherte sich der Nulllinie, nachdem sie im Vorjahresquartal noch deutlich negativ war.

Die Charttechnik erzählt eine andere Geschichte. Analysten sehen ein bärisches Kopf-Schulter-Muster, nachdem die Aktie deutlich von ihrem Jahreshoch gefallen ist. Die Konsensmeinung der Wall Street lautet „Hold“, das durchschnittliche Kursziel liegt spürbar über dem aktuellen Niveau — was auf eine gespaltene Meinungslage hindeutet.

Aktuell notiert die Aktie bei 1,95 Euro, heute leicht im Plus. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich ein Anstieg von 7,6 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 16 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 4,04 Euro fehlen der Aktie aber weiterhin 52 Prozent. Der nächste konkrete Test folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal, für die Analysten einen deutlich geringeren Verlust je Aktie erwarten als im Vorjahr.

Ballard Power: Neue Technik feiert Premiere in Hannover

Ballard Power nutzt diese Woche eine der größten Branchenbühnen überhaupt. Auf der IAA Transportation in Hannover, die noch bis zum 20. September läuft, stellt das Unternehmen seinen neuen FCmove-XD-Antrieb erstmals vor — gemeinsam mit einem neuen Lifecycle-Serviceangebot namens Fleet360°. Die neue Antriebsgeneration bietet eine um mehr als 90 Prozent gesteigerte volumetrische Leistungsdichte gegenüber den Vorgängermodellen.

Der Messeauftritt markiert zugleich einen strategischen Wendepunkt. Er findet nur wenige Wochen nach Abschluss der GeoPura-Übernahme statt und ist damit die erste große internationale Präsentation des erweiterten Geschäftsmodells, das nun auch Wasserstoffproduktion, Logistik und Betankung umfasst. Operativ kann sich Ballard auf einen soliden Track Record berufen: mehr als 300 Millionen gefahrene Kilometer im Schwerlastverkehr und eine Verfügbarkeit der Brennstoffzellenmodule von 98 Prozent.

Auch finanziell ging es zuletzt aufwärts. Der Umsatz mit Brennstoffzellenprodukten und -services legte im ersten Quartal um 26 Prozent zu, die Bruttomarge drehte von negativ auf 14 Prozent. Mit einem Kassenbestand von gut einer halben Milliarde Dollar verfügt das Unternehmen über einen komfortablen Finanzierungspuffer.

Am Markt zeigt sich das in einer moderaten Erholung: Die Aktie steht heute bei 2,12 Euro, ein Plus von 3,0 Prozent. Über sieben Tage beträgt der Zuwachs 9,2 Prozent, auf Jahressicht sogar 31 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 5,62 Euro liegt aber weiterhin eine Lücke von 62 Prozent.

Nel ASA: Kurs verharrt nahe dem Mehrjahrestief

Bei Nel ASA bleibt die fundamentale Lage angespannt. Der Umsatz im zweiten Quartal fiel deutlich unter das Vorjahresniveau, das operative Ergebnis blieb negativ — belastet auch durch eine Vergleichszahlung im Zusammenhang mit dem Iwatani-Fall. Immerhin zog der Auftragseingang gegenüber den schwachen Vorquartalen wieder an, der Auftragsbestand liegt bei umgerechnet über 100 Millionen Euro.

Die Hoffnung ruht auf einer neuen Technologieplattform. Das neue druckalkalische Elektrolyseur-Design soll den Platzbedarf um 80 Prozent und die Investitionskosten um bis zu 60 Prozent senken. Erste Aufträge werden in den kommenden Monaten erwartet, unterstützt von EU-Fördermitteln in Höhe von 135 Millionen Euro für die neue Produktlinie.

Die Analystenmeinung bleibt skeptisch: Von den erfassten Experten empfiehlt keiner einen Kauf, während sieben zum Verkauf raten — macht in Summe ein „Sell“-Rating. Das durchschnittliche Kursziel liegt kaum über dem aktuellen Niveau.

Der Kurs selbst tritt seit Monaten auf der Stelle. Aktuell notiert die Aktie bei 0,1962 Euro, nahezu unverändert gegenüber gestern. Zum 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro fehlen 46 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief nur noch 13 Prozent beträgt — die Aktie bewegt sich also näher am unteren als am oberen Ende ihrer Handelsspanne. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 21. Oktober terminiert.

Bloom Energy: Kursziel-Rallye nach dem S&P-500-Coup

Kaum ein anderer Wasserstoff-Wert erlebt derzeit eine ähnliche Dynamik wie Bloom Energy. Die bevorstehende Aufnahme in den S&P 500 hat binnen weniger Tage gleich mehrere Kurszielanhebungen ausgelöst. UBS erhöhte sein Ziel auf 325 Dollar von zuvor 300 Dollar, Clear Street zog nach und hob sein Kursziel sogar auf 330 Dollar an. Ein Analyst sprach von einer Doppel-Hochstufung zu „Strong Bullish“, getrieben von beschleunigtem Wachstum, institutioneller Nachfrage und dem Index-Effekt — nach Monaten voller Leerverkäufer-Vorwürfe ein deutliches Vertrauenssignal.

Auch operativ liefert das Unternehmen Argumente für die Euphorie. Die Umsatzprognose für das laufende Kalenderjahr wurde auf 4,1 Milliarden Dollar angehoben, verbunden mit der Aussicht auf eine operative Marge von 21 Prozent. Eine viel beachtete Bewertungsanalyse verweist zudem auf Spielraum nach oben, sollte sich das aktuelle Bewertungsniveau dem höheren Multiplikator vergleichbarer Wachstumswerte annähern.

Der breite Analystenkonsens bleibt bullish: 29 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 275,08 Dollar, wobei die Spanne zwischen Bullen und Bären mit Werten von 97 bis 390 Dollar erheblich auseinanderklafft. Ein Risiko bleibt allerdings bestehen: Eine Sammelklage betrifft Investoren, die zwischen Ende Februar 2025 und Anfang Juli 2026 Bloom-Aktien erworben haben, betroffene Anleger haben noch bis Ende September Zeit, sich zu melden.

Am Markt zeigt sich die Euphorie in beeindruckenden Zahlen. Der Kurs steht bei 235,50 Euro, nach einem Anstieg von 26 Prozent über sieben und 29 Prozent über 30 Tage. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie mehr als verdreifacht, auf Zwölfmonatssicht beträgt das Plus 401 Prozent. Mit einem RSI von 67,3 nähert sich der Titel technisch überkauftem Terrain, zum 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro fehlen aktuell noch 24 Prozent.

Sektordynamik im Überblick

  • Primary Hydrogen: Vorbörsliches Explorationsunternehmen, Kurs reagiert auf Drill-News statt auf Makro-Stimmung
  • Nel ASA: Reifes Elektrolyseur-Geschäft mit rückläufigem Kerngeschäft, Hoffnungsträger ist die neue Produktplattform
  • Ballard Power: Mittelfeld zwischen Hardware-Innovation und neuem Servicegeschäft nach der GeoPura-Übernahme
  • Plug Power: Fundamentale Fortschritte treffen auf ein skeptisches Chartbild
  • Bloom Energy: Momentum-Champion des Sektors, getrieben von Rechenzentrums-Nachfrage und Index-Aufnahme, mit Rechtsrisiko im Hintergrund

Wasserstoff-Aktien vor terminierten Wendepunkten

Die kommenden Wochen liefern für jeden der fünf Werte konkrete, datierte Prüfsteine. Bei Primary Hydrogen entscheidet sich mit den Luftvermessungsergebnissen Ende September und dem Bohrstart am 1. Oktober, ob die jüngste Kursrallye fundamental untermauert wird. Ballard Power dürfte aus der laufenden Hannover-Messe erste Anschlussaufträge für den neuen FCmove-XD-Antrieb ziehen können.

Plug Power steht vor der Frage, ob sich die operative Verbesserung im dritten Quartal auch charttechnisch niederschlägt. Nel ASA braucht dringend die ersten bestätigten Aufträge für die neue Elektrolyseur-Plattform, um die Stimmung vor den Zahlen am 21. Oktober zu drehen. Bloom Energy muss die gestiegenen Erwartungen nun auch mit der formalen Index-Aufnahme rechtfertigen — während die laufende Klage als Risiko im Hintergrund bestehen bleibt, unabhängig vom operativen Momentum.

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