Globale Märkte im Iran-Bann
Die Blockade der Straße von Hormuz treibt den Ölpreis, während Zentralbanken und der Dollar unter Druck geraten. Chinas Industrie zeigt sich robust, Japans Konjunktur schwächelt.

- Straße von Hormuz blockiert
- Ölpreis steigt um 30 Prozent
- Dollar-Index unter Druck
- China-Industrie überrascht positiv
Der Nahostkonflikt bestimmt das Bild an den Finanzmärkten zum Start in den Juni. Während Anleger weltweit auf Signale aus Teheran und den wichtigsten Zentralbanken warten, verdichten sich die Spuren, die der Iran-Krieg in der Weltwirtschaft hinterlässt — von Tokio bis Mumbai, von Peking bis Washington.
Die Straße von Hormuz als globales Nadelöhr
Seit dem 28. Februar ist die Straße von Hormuz weitgehend gesperrt. Das Ergebnis: Der Brent-Rohölpreis hat sich seitdem um mehr als 30 Prozent verteuert. Normalerweise fließt durch diese enge Meerenge ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen — die Blockade wirkt wie ein Schlag ins Fundament der globalen Versorgungskette.
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Zwar berichteten Quellen gegenüber Reuters, ein Abkommen zur Verlängerung des US-Iran-Waffenstillstands um 60 Tage sei nah, doch US-Präsident Donald Trump zögerte am Freitag noch mit einer finalen Entscheidung. Israel wiederum ordnete unterdessen den Vormarsch seiner Truppen im Libanon gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah an — ein Signal, das die Ölpreise am Montagmorgen erneut nach oben trieb und die Hoffnung auf eine baldige Entspannung dämpfte.
Dollar im Wartezustand
Die Devisenmärkte spiegeln die kollektive Unsicherheit wider. Der Dollar-Index notiert bei rund 99, nachdem er in der Vorwoche um 0,4 Prozent nachgegeben hatte. Ein klarer Kurs fehlt. „Der Dollar wird stark von den Entwicklungen im US-Iran-Krieg und den US-Arbeitsmarktdaten für Mai beeinflusst“, erläutert Joseph Capurso von der Commonwealth Bank of Australia. Sobald die Meerenge wieder öffne, werde der Ölpreisdruck nachlassen — und Zinsspekulationen rücken wieder in den Vordergrund, so Capurso.
Der Yen steht derweil unter Beobachtung. Japan hat im vergangenen Monat umgerechnet rund 73 Milliarden US-Dollar aufgewendet, um die eigene Währung zu stützen — ein Eingriff, den Marktteilnehmer schon länger vermuteten, den das Finanzministerium in Tokio nun offiziell bestätigte. Der Yen handelt bei knapp 159 je Dollar, gefährlich nah an der psychologisch bedeutsamen Marke von 160. BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda spricht am Mittwoch — seine Worte dürften richtungsweisend dafür sein, ob die Bank of Japan kurz darauf die Zinsen anhebt.
Zentralbanken unter Druck
Die Geldpolitik ist das zweite große Thema der Woche. In den USA signalisieren die Finanzmärkte, dass die Fed die Zinsen noch bis Jahresende anheben wird — aktuell liegt die Leitzinsspanne bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Das klingt widersprüchlich: Die US-Inflation ist im April auf den höchsten Stand seit drei Jahren gestiegen, doch der Dollar reagiert kaum. „Es gibt nichts am Horizont als potenzielle Zinserhöhungen. Und trotzdem steigt der Dollar nicht“, fasst Joseph Trevisani von FXStreet das Dilemma treffend zusammen.
Ex-Fed-Chef Jerome Powell meldete sich am Wochenende ebenfalls zu Wort — nicht zu Zinsfragen, sondern zur Unabhängigkeit der Notenbank. Bei der Entgegennahme des John-F.-Kennedy-Mutpreisträgerpreises warnte er: „Wenn eine Regierung es schafft, Fed-Beamte wegen politischer Meinungsverschiedenheiten abzusetzen, werden künftige Regierungen das ebenfalls tun.“ Ein ungewöhnlich offenes Statement, das die anhaltenden Spannungen zwischen Trump und der Zentralbank beleuchtet. Powells Amtszeit als Fed-Vorsitzender endete am 15. Mai, doch er bleibt bewusst als Gouverneur im Amt — ein institutioneller Schutzwall, so sehen es Beobachter.
In Indien richtet sich der Blick auf Donnerstag. Die Reserve Bank of India entscheidet am 5. Juni über ihren Leitzins. Rund 80 Prozent der Ökonomen in einer Reuters-Umfrage erwarten keine Änderung — doch der Druck wächst. Gestiegene Ölpreise und eine schwächere Rupie erhöhen die Inflation und belasten das Leistungsbilanzdefizit. Banken wie Standard Chartered und Capital Economics zählen zu den Ausreißern, die eine Zinserhöhung fordern. Die Rendite der zehnjährigen Referenzanleihe pendelt vorerst um die 7-Prozent-Marke.
China: Robuster als erwartet — aber mit Warnsignalen
Mitten in der globalen Unsicherheit überrascht China positiv. Der private RatingDog-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel im Mai zwar leicht von 52,2 auf 51,8 Punkte, übertraf aber die Erwartungen von 51,6. Sechs Monate in Folge zeigt das chinesische Industriebarometer Wachstum — ein deutlicher Kontrast zum offiziellen PMI, der mit 50,0 nur hauchdünn über der Wachstumsschwelle liegt. Der Unterschied erklärt sich strukturell: Die staatliche Erhebung fokussiert auf große Staatsunternehmen im Norden, RatingDog hingegen auf kleinere Privatbetriebe im Süden.
Bedenklich stimmt allerdings ein Detail: Exportaufträge gingen im Mai erstmals seit fünf Monaten zurück. Firmen machen gestiegene Energiepreise für die schwächere Auslandsnachfrage verantwortlich — ein früher Fingerzeig, dass der Krieg auch Chinas Exportmotor bremst.
Parallel dazu treibt Peking ein anderes strategisches Projekt voran: den digitalen Yuan. Die Volksbank Chinas weitet dessen Einsatz systematisch aus — von Lotteriezahlungen über Staatsausgaben bis hin zu Pilotprojekten entlang der Belt-and-Road-Routen. Banken werden angehalten, die e-CNY-Nutzung im Auslandsgeschäft auszubauen. Der Hintergedanke ist klar: Der Krieg hat die Risiken einer Abhängigkeit vom dollardominierten Zahlungssystem schonungslos offengelegt.
Japan bremst — trotz positiver Vorzeichen
Während Chinas Industrie wächst, zeigt Japan erste Risse. Die Kapitalausgaben japanischer Unternehmen stiegen im ersten Quartal 2026 nur noch um 0,05 Prozent im Jahresvergleich — nach einem Plus von 6,5 Prozent im Vorquartal. Auf Quartalsbasis schrumpften sie sogar um 2 Prozent. Als Bremsen gelten gestiegene Energiekosten und Lieferkettenprobleme infolge des Iran-Kriegs. Trotzdem sind die Fundamentaldaten noch intakt: Die Gesamtwirtschaft wuchs im ersten Quartal mit annualisiert 2,1 Prozent, Unternehmensgewinne legten um 14,6 Prozent zu.
Die entscheidende Frage bleibt, ob sich diese Robustheit im zweiten Quartal hält — oder ob der anhaltende Energieschock die Konjunktur stärker ausbremst als bislang eingepreist.
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