Gold: 160-Dollar-Einbruch nach Warsh-Statement

Gold erholt sich von heftigem Einbruch nach Fed-Sitzung. Zentralbanken stützen den Markt trotz Zinswende und halten strukturelle Nachfrage hoch.

Die Kernpunkte:
  • Fed überrascht mit Zinserhöhungssignalen
  • Gold stürzt um 160 Dollar ab
  • Edelmetall erholt sich teilweise wieder
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold

Fed-Chef Kevin Warsh hat in seinem ersten FOMC-Meeting die Zinsen stabil gehalten – und gleichzeitig eine klare Botschaft gesendet: Die Lockerungsphase ist vorbei. Gold reagierte mit einem brutalen Intraday-Einbruch. Inzwischen hat das Edelmetall einen Teil der Verluste aufgeholt.

Warsh dreht den Ton um

Am 17. Juni beließ die Fed den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der vierte Hold in Folge war erwartet worden. Was die Märkte überraschte: Das Statement strich jeden Hinweis auf künftige Zinssenkungen – vollständig.

Neun von 18 FOMC-Mitgliedern projizieren nun eine Zinserhöhung bis Ende 2026. Der Median-Dot kletterte auf 3,8 Prozent – nach 3,4 Prozent im März. Fünf Mitglieder wollen 50 Basispunkte anheben, eines sogar 75.

Warshs Statement umfasste nur rund 130 Wörter. Üblich sind mehr als 300. Der Kommunikationswandel ist damit kaum zu übersehen.

Der Hintergrund ist ein hartnäckiges Inflationsproblem. Der Mai-CPI lag bei 4,2 Prozent – der dritte Monat in Folge mit beschleunigter Kerninflation. Energiepreise stiegen um 23,5 Prozent im Jahresvergleich, getrieben durch den Iran-Konflikt und Störungen rund um die Straße von Hormus.

160-Dollar-Einbruch, dann Gegenbewegung

Gold hatte kurz vor der Fed-Entscheidung ein Tageshoch nahe 4.382 Dollar erreicht. Danach folgte ein scharfer Ausverkauf bis auf 4.218,99 Dollar – eine Intraday-Spanne von über 160 Dollar. Die Gewinne mehrerer Handelssitzungen waren ausgelöscht.

Am Donnerstag zog der Preis in der asiatischen Sitzung wieder an. Der gestrige Schlusskurs lag bei 4.378,50 Dollar; auf Sieben-Tage-Sicht steht Gold mit rund 3,5 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 Dollar ist das Edelmetall allerdings noch rund 22 Prozent entfernt.

Rückenwind kommt aus einer unerwarteten Quelle: Das unterzeichnete US-Iran-Friedensabkommen belastet den Dollar, weil es die Straße von Hormus wieder öffnet. Das stützt Gold als Gegengewicht zur US-Währung.

Zentralbanken kaufen weiter

Kurzfristiger Zinsdruck ändert nichts an der strukturellen Nachfrageseite. Zentralbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold – drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Allein im April kamen weitere 17 Tonnen hinzu. Polen erwarb 14 Tonnen und hält nun 595 Tonnen in seinen Reserven. China kaufte 8 Tonnen – der größte Einzelkauf seit Dezember 2024 – und verlängert damit seine Kaufserie auf 18 aufeinanderfolgende Monate.

Großbanken halten ihre Ziele

Goldman Sachs strich im Juni alle verbleibenden Zinssenkungen für 2026 aus seiner Prognose. Das Goldziel von 5.400 Dollar ließ die Bank unverändert. J.P. Morgan erwartet einen Durchschnittspreis von 6.000 Dollar im vierten Quartal 2026 und 6.300 Dollar bis Ende 2027.

Fed-Funds-Futures implizieren inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent für eine Zinserhöhung bis Dezember – vor einem Monat waren es 24 Prozent. Dass die großen Häuser ihre Jahresziele trotzdem halten, zeigt, worauf die Bullen-These wirklich beruht: nicht auf günstigen Zinsen, sondern auf anhaltender Zentralbanknachfrage und geopolitischer Unsicherheit.

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