Gold: 172.000 Jobs dämpfen Fed-Hoffnung
Starke US-Arbeitsmarktdaten lassen Zinserhöhungserwartungen steigen und drücken den Goldpreis deutlich unter die 4.400-Dollar-Marke.

- Gold verliert über drei Prozent an einem Tag
- US-Jobdaten verschieben Fed-Zinserwartungen
- Dollarstärke und Renditen belasten Edelmetalle
- ETF-Zuflüsse können Abwärtstrend nicht stoppen
Gold bekommt die harte Seite der Zinsdebatte zu spüren. Ein stärker als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht hat die Hoffnung auf baldige Lockerungen der Federal Reserve gedämpft und den Dollar sowie die Renditen nach oben getrieben. Für das zinslose Edelmetall ist das eine ungünstige Kombination.
Am Freitag schloss Gold bei 4.364,00 Dollar, ein Minus von 3,09 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich der Rückgang auf 4,51 Prozent, über einen Monat steht ein Minus von 6,79 Prozent.
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Arbeitsmarkt nimmt der Fed den Druck
Der Auslöser kam aus den USA. Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft stieg im Mai um 172.000 Stellen, die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3 Prozent. Das ist robust genug, um die geldpolitische Debatte neu zu sortieren.
Für Gold zählt dabei weniger die einzelne Jobzahl als ihre Wirkung auf die Fed-Erwartungen. Ein widerstandsfähiger Arbeitsmarkt gibt der Notenbank Spielraum, die Zinsen länger hoch zu halten. Steigende Energiepreise und geopolitische Risiken halten die Inflationsfrage parallel auf der Agenda.
Der Markt reagierte schnell. Die über CME FedWatch abgeleitete Wahrscheinlichkeit mindestens einer Zinserhöhung bis Jahresende stieg auf 67 Prozent, nach 45 Prozent in der Vorwoche. Damit verschiebt sich die Debatte weg von Zinssenkungen und hin zu einem restriktiveren Fed-Pfad.
Dollar und Renditen drücken
Gold leidet in solchen Phasen über zwei Kanäle. Ein festerer Dollar verteuert das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums. Höhere Renditen machen verzinsliche Anlagen im Vergleich attraktiver, weil Gold keine laufenden Erträge abwirft.
Kein Wunder, dass der Verkaufsdruck nicht auf Gold beschränkt blieb. Auch Silber, Platin und Palladium gaben deutlich nach, wobei Silber im Reuters-Bericht als stärkster Verlierer genannt wurde. Die Bewegung traf also den gesamten Edelmetallkomplex.
Technisch sieht das Bild angeschlagen aus. Der Schlusskurs liegt 5,94 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI beträgt 35,0. Das signalisiert Druck, aber noch keinen klaren Bruch in eine extreme Überverkauft-Zone.
ETF-Nachfrage stützt nur begrenzt
Das Nachfragebild ist nicht einseitig negativ. Der World Gold Council meldete für den jüngsten Berichtsmonat Zuflüsse in globale physisch besicherte Gold-ETFs von 6,6 Milliarden Dollar; die Bestände stiegen um 45 Tonnen auf 4.137 Tonnen. Institutionelle Nachfrage war also vorhanden.
Diese Stütze reicht kurzfristig aber nicht aus, wenn der Zinsmarkt gegen Gold läuft. Die Europäische Zentralbank verweist in ihrem Bericht zur internationalen Rolle des Euro auf die strukturellen Grenzen von Gold als Reserveanlage: hohe Schwankungen, keine Verzinsung und Lagerkosten bei physischer Haltung. Genau diese Punkte werden bei steigenden Renditen wieder wichtiger.
Der nächste Prüfpunkt ist der US-Verbraucherpreisindex für Mai. Er wird am 10. Juni um 8:30 Uhr Ortszeit veröffentlicht. Die Fed-Sitzung folgt am 16. und 17. Juni; bis dahin dürfte Gold stark daran hängen, ob Inflationsdaten und Renditen den Druck weiter erhöhen oder dem Markt Luft verschaffen.
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