Gold: 2 Milliarden aus ETFs abgezogen

Gold verzeichnet Wochenverlust, da ETF-Abflüsse und hohe Ölpreise den Edelmetallmarkt belasten.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt unter 4.450 Dollar
  • Milliardenabflüsse aus Gold-ETFs im Mai
  • Hohe Ölpreise schüren Inflationsängste
  • Private Nachfrage stützt den Markt

Der klassische Krisenschutz leidet ausgerechnet unter den Nebenwirkungen der Krise. Ölpreise bleiben hoch, Zinssorgen steigen, der Dollar hält dagegen. Parallel ziehen institutionelle Investoren Geld aus Gold-ETFs ab. Das macht die Lage heikel: Der politische Stress hilft Gold weniger als sonst.

Nahost-Konflikt belastet über Öl

Gold notierte am Freitag unter 4.450 Dollar je Unze. Damit steuert das Metall auf einen Wochenverlust von mehr als zwei Prozent zu. Der Auslöser liegt weniger in sinkender Unsicherheit. Er liegt in der Art, wie der Konflikt die Märkte trifft.

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Irans Außenminister Abbas Araghchi meldete keine nennenswerten Fortschritte in den Gesprächen. Die vom Iran unterstützte Hisbollah lehnte einen von den USA vermittelten Waffenstillstandsvorschlag ab. Das schwächt die Hoffnung auf schnelle Entspannung zwischen Israel und dem Libanon.

Die Störungen der Energieströme durch die Straße von Hormus halten Ölpreise oben. Höhere Energiepreise schüren Inflationserwartungen und machen Zinssenkungen weniger wahrscheinlich. Für Gold ist das unbequem. Das Metall zahlt keine laufenden Erträge und verliert bei steigenden Realrenditen an Reiz.

ETF-Ströme kippen ins Minus

Der zweite Druckpunkt kommt aus den Fondsströmen. Daten des World Gold Council zeigen für Mai klare Abflüsse aus physisch hinterlegten Gold-ETFs. Weltweit zogen Investoren 2 Milliarden US-Dollar ab.

Die Abflüsse konzentrierten sich auf Asien mit 1,2 Milliarden Dollar und Nordamerika mit 1,1 Milliarden Dollar. Europa stemmte sich mit Zuflüssen von 334 Millionen Dollar dagegen.

Der Trend zeigt Zurückhaltung. Seit dem Rücksetzer im März fehlt ein klarer Katalysator. US-Dollarstärke, höhere Zinsen und ein strafferer Fed-Pfad erhöhen die Kosten des Goldhaltens.

Das verwaltete Vermögen globaler Gold-ETFs sank im Mai um zwei Prozent auf 604 Milliarden Dollar. Damit drücken nicht nur Terminmarkt und Dollar auf den Preis. Auch echte Fondsabflüsse hinterlassen Spuren.

Beim SPDR Gold Shares wird der Druck sichtbar. Zum 3. Juni 2026 lag der Goldbestand bei 1.026,86 Tonnen.

Das waren 8,00 Tonnen weniger als eine Woche zuvor. Seit Jahresbeginn sanken die Bestände um 43,70 Tonnen.

Relativ entspricht das einem Minus von 4,08 Prozent. In den vergangenen fünf Handelstagen flossen netto 1,14 Milliarden Dollar ab.

Physische Nachfrage stützt

Die Nachfrage außerhalb der ETFs fällt robuster aus. Im ersten Quartal 2026 stieg die Goldnachfrage auf 1.231 Tonnen. Der Wert erreichte mit 193 Milliarden Dollar ein Rekordhoch.

Barren- und Münzkäufe trieben den Anstieg. ETF-Käufe verloren dagegen an Tempo. Das zeigt eine gespaltene Nachfrage: private Käufer bleiben aktiv, große Fonds agieren vorsichtiger.

Zentralbanken kauften im ersten Quartal netto 244 Tonnen Gold. Das entsprach einem Plus von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings nahmen auch Verkaufsaktivitäten im Quartal sichtbar zu.

Metals Focus erwartet, dass 2026 die Investmentnachfrage erstmals die weltweite Schmucknachfrage übertrifft. Für den gesamten Goldbedarf rechnet die Firma mit einem Rückgang um zwei Prozent. Dahinter stehen zweistellige Rückgänge bei Schmuck und Zentralbankkäufen.

Der Hormuz-Faktor bleibt zentral

Der WGC beschreibt das kurzfristige Umfeld als schwierig. Gold bewegt sich an der 200-Tage-Linie und in einem fallenden Kanal. Der stärkste Impuls kommt derzeit nicht aus Schmuckläden oder Tresoren. Er kommt vom Energiemarkt.

Der US-Iran-Militärkonflikt eskalierte Ende Februar 2026. Seitdem treiben Ölpreise die Inflationserwartungen und die Anleiherenditen. Die Märkte haben Fed-Zinssenkungen ausgepreist.

Laut WGC liegt die Wahrscheinlichkeit für mindestens eine Zinserhöhung bis Jahresende bei rund 50 Prozent. Das ist der Kern des Paradoxons. Mehr geopolitischer Stress bedeutet hier nicht automatisch höhere Goldpreise.

Metals Focus traut Gold in der zweiten Jahreshälfte eine Wiederaufnahme der Hausse zu. Kurzfristig zählt vor allem, ob ETF-Abflüsse nachlassen und Öl den Zinsdruck entschärft. Unter 4.450 Dollar bleibt der Markt angeschlagen. Ein Ende der Abflüsse wäre das erste klare Signal für eine Entlastung.

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