Gold: 25 Prozent unter Januarhoch

Schwache Schmucknachfrage, ETF-Abflüsse und eine straffe Fed setzen den Goldpreis massiv unter Druck. Der Kurs liegt 25 Prozent unter dem Januar-Hoch.

Die Kernpunkte:
  • Schmucknachfrage bricht um 23 Prozent ein
  • Gold-ETFs verzeichnen Milliardenabflüsse
  • Geopolitische Entspannung reduziert Krisennachfrage
  • Fed-Politik treibt Realzinsen und Dollar nach oben

Der Goldpreis steht unter Druck — und das von mehreren Seiten gleichzeitig. Schwache Konsumnachfrage, ETF-Abflüsse, geopolitische Entspannung und eine restriktive Fed bilden zusammen ein ungünstiges Umfeld. Der Preis liegt aktuell rund 25 Prozent unter dem Januarhoch von 5.626,80 USD.

Schmucksektor bricht ein

Der größte Bremsklotz sitzt auf der Nachfrageseite. Im ersten Quartal 2026 brach die weltweite Goldnachfrage im Schmuckbereich um mehr als 23 Prozent ein. Das hohe Preisniveau der vergangenen Monate schreckt private Käufer ab. Die Folge: Ein strukturelles Loch, das auch die Zentralbanken nicht schließen können.

Zentralbanken der BRICS-Staaten kaufen zwar weiterhin Gold — zur Diversifizierung ihrer Reserven. Aber dieser institutionelle Support reicht kurzfristig nicht aus, um den Einbruch im Konsumbereich aufzufangen.

ETF-Anleger ziehen Kapital ab

Finanzinvestoren verstärken den Druck. Laut World Gold Council verzeichneten physisch besicherte Gold-ETFs im Mai 2026 Nettoabflüsse von rund 2 Milliarden USD. Das verwaltete Vermögen sank auf 604 Milliarden USD. Die globalen ETF-Goldbestände gingen auf 4.121 Tonnen zurück.

Auf dem aktuellen Kursniveau agieren Anleger selektiver. Das erschwert eine technische Erholung — der RSI liegt bei 38,4 und zeigt damit bereits überverkaufte Tendenzen an.

Geopolitik und Geldpolitik als Doppelbelastung

Ein weiterer Faktor ist die Entspannung im Energiesektor. Die USA haben eine Lizenz für iranische Ölverkäufe erteilt, gültig bis zum 21. August 2026. Das reduziert die geopolitische Risikoprämie im Ölmarkt — und damit auch einen klassischen Treiber für Goldinvestments. Gold verliert einen Teil seiner Funktion als Krisenabsicherung, wenn die Lage sich normalisiert.

Hinzu kommt die Fed. Unter Jerome-Nachfolger Kevin Warsh hat die US-Notenbank klargemacht: Inflationsbekämpfung hat Vorrang, Zinssenkungen rücken in weite Ferne. Hohe Realzinsen erhöhen die Opportunitätskosten für das unverzinsliche Metall. Der Dollar-Index bewegt sich nahe eines 13-Monats-Hochs — das verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollar-Raums zusätzlich. UBS und Goldman Sachs haben ihre kurzfristigen Prognosen bereits nach unten angepasst.

Mit minus 6,93 Prozent in den vergangenen 30 Tagen und minus 3,04 Prozent seit Jahresanfang zeigt die Richtung klar nach unten. Solange Fed-Chef Warsh keine Lockerungssignale sendet und die Schmucknachfrage auf hohem Preisniveau schwächelt, fehlt dem Markt ein überzeugender Katalysator für eine Trendwende.

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