Gold: 26,82 Prozent unter Rekordhoch
Gold schwankt zwischen geopolitischen Spannungen und Zinserwartungen. Großbanken senken ihre Kursziele für das Edelmetall.

- Gold notiert leichter bei 4.117 Dollar
- Nahost-Konflikt treibt die Nachfrage
- Fed-Zinserhöhung im September erwartet
- HSBC und Goldman senken Goldprognosen
Gold pendelt zwischen zwei Kräften, die in entgegengesetzte Richtungen ziehen. Auf der einen Seite heizen militärische Spannungen im Nahen Osten die Nachfrage nach dem sicheren Hafen an. Auf der anderen Seite drücken restriktive Zinserwartungen der US-Notenbank den Preis.
Das Edelmetall notiert am Freitag bei 4.117,70 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,36 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 4.132,40 Dollar. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,66 Prozent zu Buche. Der Monatsvergleich fällt mit einem leichten Plus von 0,57 Prozent dagegen versöhnlich aus.
Hormuz-Konflikt trifft auf Friedensgespräche
Die USA und der Iran wollen ihre Gespräche fortsetzen, trotz einer jüngsten Eskalation der Feindseligkeiten. US-Streitkräfte griffen an zwei Tagen Ziele im Iran an. Grund waren Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormuz.
Teheran reagierte mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte in der Region. Diese Mischung aus anhaltenden Kämpfen und gleichzeitiger diplomatischer Annäherung sorgt für kräftige Ausschläge im Goldhandel. Innerhalb weniger Handelstage bewegte sich der Kurs mehrfach um mehr als 40 Dollar je Feinunze.
Fed-Zinspolitik bleibt zweite Baustelle
Die Notenbank sorgt für zusätzliche Unsicherheit. Märkte erwarten weiterhin mindestens eine Zinserhöhung in diesem Jahr, auch wenn der geldpolitische Kurs unklar bleibt. New-York-Fed-Präsident John Williams nannte die durch künstliche Intelligenz getriebene Nachfrage als seinen größten Inflationstreiber.
Bereits die jüngsten Fed-Protokolle hatten für Nervosität gesorgt. Mehrere Entscheidungsträger hielten demnach einen Zinsschritt für angebracht, ließen die Sätze im Vormonat aber unverändert. Aktuell preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein.
Großbanken korrigieren ihre Prognosen
Vor diesem Hintergrund senken mehrere Institute ihre Zielmarken für Gold. HSBC kappte die Durchschnittsprognose für 2026 von 4.864 auf 4.560 Dollar. Für 2027 rutschte das Ziel von 5.000 auf 4.925 Dollar.
Goldman Sachs zog nach und senkte die Prognose für Ende 2026 auf 4.900 Dollar. Die Kurskorrekturen ändern nichts an der grundsätzlichen Marktlage. Nahost-Konflikt und Fed-Kurs bleiben die zentralen Preistreiber.
Der langfristige Chart zeigt die Schwäche der vergangenen Monate deutlich. Gold liegt aktuell 26,82 Prozent unter seinem Rekordhoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.539,06 Dollar beträgt der Abstand 9,28 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 5,16 Prozent zu Buche.
Der RSI von 43,3 deutet auf keine überverkaufte Lage hin, die Volatilität von gut 27 Prozent auf Jahresbasis bleibt aber hoch. Solange sich Eskalation und Deeskalation im Nahen Osten abwechseln, dürfte diese Schwankungsbreite bestehen bleiben.
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