Gold: 27 Prozent unter 52-Wochen-Hoch
Die Feinunze steigt auf 4.080 Dollar, getrieben von der Fed-Politik und geopolitischen Spannungen. Banken senken ihre Jahresendprognosen.

- Gold notiert bei rund 4.080 US-Dollar
- Fed belässt Zinsen unverändert
- Nahost-Konflikt treibt Sicherheitsnachfrage
- Banken senken Gold-Jahresendziele
Der Goldpreis erholt sich. Am Donnerstag notiert die Feinunze bei rund 4.080 US-Dollar. Zwei Kräfte ziehen dabei in dieselbe Richtung: die Zinspolitik der US-Notenbank und ein eskalierender Konflikt im Nahen Osten.
Fed hält still, aber nicht geschlossen
Die Federal Reserve lässt ihre Zinsen unverändert. Für Goldanleger ist das eine gute Nachricht, denn hohe Zinsen machen zinslose Anlagen wie Gold weniger attraktiv. Ganz einig war sich der Offenmarktausschuss aber nicht.
Drei FOMC-Mitglieder stimmten für eine Zinserhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh warnte zudem, dass anhaltend hohe Inflation höhere Zinsen rechtfertigen könnte. Die Zinspause ist damit keine Blaupause für die kommenden Monate.
Der Goldpreis hatte Mitte Juli ein Neun-Monats-Tief bei 3.975 Dollar markiert. Von dort ging es wieder nach oben. Selbst als die USA und der Iran ihre Angriffe wieder aufnahmen, hielt sich der Kurs bemerkenswert stabil knapp unter der 4.100-Dollar-Marke.
Nahost-Konflikt schürt die Nachfrage nach Sicherheit
Die geopolitische Lage hat sich in den vergangenen Tagen weiter zugespitzt. Der Iran griff US-Streitkräfte im Persischen Golf an. Zusätzlich traf es Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien.
US-Präsident Donald Trump kündigte nach einem Angriff auf US-Truppen in Jordanien eine harte Reaktion an. Beide Seiten ringen weiterhin um eine Einigung. Teheran beharrt dabei auf der Kontrolle über die Straße von Hormuz und lehnte einen Vorschlag Omans für eine gemeinsame regionale Verwaltung ab.
Das dämpft Hoffnungen auf Entspannung. Nach gemeinsamen US-saudischen Angriffen im Irak zogen zudem die Ölpreise an. Der Krieg wirkt damit auf zwei Wegen auf Gold: Hohe Ölpreise erhöhen die Wahrscheinlichkeit künftiger Zinserhöhungen, während geopolitische Unsicherheit Anleger klassisch in sichere Häfen treibt.
Auch außerhalb der USA bleibt die Geldpolitik vorsichtig. Bank of England und Bank of Japan dürften ihre Zinsen diese Woche ebenfalls unverändert lassen. Diese synchron abwartende Haltung der großen Notenbanken hält Gold als Absicherung gegen geldpolitische Unsicherheit gefragt.
Banken kappen ihre Jahresend-Ziele
Trotz der jüngsten Erholung schrauben mehrere Institute ihre Erwartungen zurück. Die Commerzbank senkte ihre Jahresend-Prognose für Gold auf 4.500 Dollar je Unze, für Silber erwartet sie einen Anstieg auf 67 Dollar.
Auch andere große Häuser zeigen sich zurückhaltender als zu Jahresbeginn. Goldman Sachs, HSBC, J.P. Morgan und StoneX haben ihre Ziele für Ende 2026 auf eine Spanne von 4.000 bis 4.900 Dollar gesenkt. Der Hauptgrund: Die US-Notenbank dürfte 2026 wahrscheinlich keine Zinssenkungen vornehmen.
Der aktuelle Kurs zeigt, wie stark diese Skepsis bereits eingepreist ist. Mit 4.080 Dollar liegt Gold gut 27 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 Dollar aus dem Januar. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt fast zehn Prozent — ein Zeichen, dass der langfristige Aufwärtstrend derzeit unter Druck steht.
Für den weiteren Verlauf zählen zwei Fragen. Spitzt sich die Lage an der Straße von Hormuz weiter zu, oder rückt eine diplomatische Lösung näher? Parallel bleibt der Blick auf die nächsten Fed-Sitzungen gerichtet — der interne Dissens im Offenmarktausschuss zeigt, dass die aktuelle Zinspause jederzeit kippen kann.
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