Gold: 27 Prozent unter Allzeithoch
Trotz geopolitischer Spannungen fällt der Goldpreis deutlich. Steigende US-Zinsen und Inflation setzen dem Edelmetall massiv zu.

- Feinunze fällt auf 4.098 Dollar
- Zentralbanken kaufen, Investoren fliehen
- US-Renditen steigen stark an
- Gold technisch stark überverkauft
Krieg im Nahen Osten und hartnäckige Inflation. Eigentlich ist das ein klassisches Umfeld für steigende Goldpreise. Aktuell passiert genau das Gegenteil. Die US-Notenbank Fed dominiert den Markt und zwingt das Edelmetall in die Knie.
Am Donnerstag notiert die Feinunze bei knapp 4.098 US-Dollar. Auf Monatssicht verzeichnet das Edelmetall ein zweistelliges Minus. Der Abstand zum Allzeithoch wächst damit auf 27 Prozent.
Zentralbanken kaufen, Investoren fliehen
Hinter den Kulissen spaltet sich die Nachfrage. Weltweite Zentralbanken greifen weiterhin massiv zu. Die Polnische Nationalbank sicherte sich zuletzt rund 14 Tonnen. Chinas Notenbank verlängerte ihre Kaufserie im Mai auf nunmehr 19 Monate.
Westliche Finanzinvestoren ziehen parallel dazu massiv Kapital ab. Der SPDR Gold Trust verzeichnete jüngst einen Rückgang seiner Bestände auf knapp 930 Tonnen. Der weltgrößte goldgedeckte ETF leidet unter dem aktuellen Zinsumfeld. Zinslose Anlagen verlieren schlichtweg an Attraktivität.
Zinsen schlagen Krisenangst
Die traditionelle Absicherungslinie funktioniert derzeit nicht. Selbst die Eskalation zwischen den USA und dem Iran treibt keine Käufer in den Markt. Die Folge: Makroökonomie schlägt Geopolitik.
Der Hauptgrund liegt am US-Rentenmarkt. Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen steigen stark an. Zusätzlich kletterte die US-Inflation im Mai auf 4,2 Prozent. Das treibt die Erwartung an, dass die Federal Reserve die Zinsen weiter anhebt.
Höhere Zinsen machen festverzinsliche Papiere lukrativer als Gold. Händler preisen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent für einen weiteren Zinsschritt bis Dezember ein. Das liefert ein klares Verkaufssignal für das Edelmetall.
Der Markt ignoriert geopolitische Risiken und fokussiert sich voll auf die Geldpolitik. Mit einem RSI-Wert von 24 gilt Gold technisch als stark überverkauft. Die bisherige Auffangzone bei 4.150 US-Dollar hat der Preis bereits nach unten durchbrochen. Hält der Abwärtsdruck der US-Anleiherenditen an, rückt ein direkter Test der Marke von 4.000 US-Dollar näher.
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