Gold: 27 Prozent unter Januar-Hoch von 5.627 Dollar

Gold etabliert sich über 4.000 Dollar, während Zentralbanken Rekordmengen kaufen. Fed-Kurs und Schuldenrisiken prägen die weitere Preisentwicklung.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis hält 4.000-Dollar-Marke
  • Zentralbanken kaufen Rekordmengen Gold
  • Tether stockt Goldreserven deutlich auf
  • Fed-Kurswechsel sorgt für Unsicherheit

Der Goldpreis hat in der vergangenen Woche den stärksten Monatsanstieg seit dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran verzeichnet, der Anfang Februar begonnen hatte. Die Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze hat sich dabei als Verteidigungslinie etabliert, an der sich Käufer und Verkäufer seit Wochen reiben. Zum Wochenschluss kostete die Feinunze 4.098,60 US-Dollar, nach einem Tagesverlust von 1,54 Prozent. Damit bleibt Gold rund 27 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar, das Ende Januar erreicht wurde.

Der Rückgang am Freitag fiel in eine Phase, in der sich der US-Dollar wieder festigte und damit klassisch auf den in Dollar notierten Goldpreis drückte. Bereits im Juli war das Edelmetall erstmals seit Oktober unter die 4.000-Dollar-Schwelle gerutscht, konnte sich seither aber stabilisieren. Auf Wochensicht steht dennoch ein moderates Plus von rund einem Prozent zu Buche, auch der 30-Tage-Trend zeigt mit 1,35 Prozent leicht nach oben. Der gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.199,84 US-Dollar – der aktuelle Kurs notiert gut zwei Prozent darunter, ein Zeichen dafür, dass die kurzfristige Erholung noch nicht in eine klare Aufwärtsbewegung gemündet ist.

Zentralbanken kaufen so viel Gold wie nie

Während der Preis schwankt, bleibt die strukturelle Nachfrageseite robust. Die Netto-Goldkäufe der Zentralbanken sprangen im zweiten Quartal auf 288,9 Tonnen – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Polen führte die Käufe mit 51 Tonnen an, während Russland in dem Zeitraum 22 Tonnen abgab. Laut einer Umfrage des World Gold Council rechnen 89 Prozent der befragten Zentralbanken damit, ihre Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken. Damit hat Gold nach Angaben mehrerer Auswertungen die US-Staatsanleihen als größte Reserveposition der Notenbanken weltweit überholt und liegt nun bei rund 27 Prozent der globalen Reserven, vor Treasuries mit etwa 22 Prozent.

Auch abseits der Notenbanken wächst die Nachfrage aus unerwarteter Richtung: Der Stablecoin-Emittent Tether hat im zweiten Quartal 14 Tonnen Gold zugekauft und hält damit inzwischen mehr als 146 Tonnen im Bestand, was rund zehn Prozent seiner Gesamtreserven entspricht. Auf der anderen Seite schwächelt die klassische Schmucknachfrage deutlich – sie fiel im Jahresvergleich um 17 Prozent, während die industrielle Nachfrage mit rund 80 Tonnen leicht zulegte.

Fed-Kurs unter Warsh sorgt für Unsicherheit

Für zusätzliche Nervosität am Anleihemarkt sorgt der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh. Er hat die bisherige Forward Guidance der Notenbank fallen lassen und meidet öffentliche Stellungnahmen zur Inflationsbekämpfung, was Bank of America als „Inflation Credibility Shock“ bezeichnet. Zudem bringt Warsh eine Reduzierung der Fed-Sitzungen von acht auf sechs oder vier pro Jahr ins Spiel – nach Einschätzung von Beobachtern die größte operative Änderung im Notenbankbetrieb seit 1981. Die Fed selbst beließ den Leitzins zuletzt bei 3,50 bis 3,75 Prozent, drei Mitglieder hatten sich jedoch für eine Erhöhung ausgesprochen. Parallel kletterten die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen auf 5,2 Prozent, den höchsten Stand seit 2007.

Ray Dalio von Bridgewater warnte zudem, die US-Wirtschaft nähere sich angesichts einer jährlichen Lücke von zwei Billionen Dollar zwischen Staatsausgaben und -einnahmen einem „Punkt ohne Wiederkehr“ bei der Verschuldung – ein Umfeld, das Gold als Absicherung gegen Schulden- und Inflationsrisiken traditionell zugutekommt.

Analysten uneins über die nächsten Wochen

Unter Marktbeobachtern herrscht derzeit keine klare Richtung: In einer Umfrage sahen 29 Prozent der Experten weiter steigende Preise, 35 Prozent erwarteten einen Rückgang, der Rest rechnete mit einer Seitwärtsbewegung. Raiffeisen hält an einer Jahresendprognose von 4.500 US-Dollar fest, was gegenüber dem aktuellen Niveau einen Anstieg von rund zehn Prozent voraussetzen würde. Der World Gold Council sieht ein Niveau über 4.500 Dollar dagegen nur bei einer deutlichen globalen Konjunkturabkühlung als wahrscheinlich. Für Anleger bleibt damit die 4.000-Dollar-Marke der entscheidende Referenzpunkt, an dem sich in den kommenden Wochen zeigen dürfte, ob die jüngste Stabilisierung Bestand hat.

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