Gold: 27 Prozent unter Warsh-Hoch

Gold fällt auf 4.091 Dollar, belastet durch hawkishe Fed-Signale und sinkende Risikoprämien, während Zentralbanken weiter kaufen.

Die Kernpunkte:
  • Goldkurs fällt auf 4.091 Dollar
  • Fed signalisiert mögliche Zinserhöhung
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold
  • Banken sehen langfristig höhere Kurse

Gold schloss die Woche bei 4.091 Dollar je Unze — und damit gut 27 Prozent unter dem Januar-Hoch von 5.627 Dollar. Auf Monatssicht liegt das Minus bei acht Prozent. Das Edelmetall kämpft gerade auf zwei Fronten: eine hawkischere Fed und nachlassende geopolitische Risikoprämien.

Warsh-Ära verändert den Zins-Ausblick

Die erste FOMC-Sitzung unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh am 17. Juni war ein Wendepunkt. Die Notenbank hob ihre PCE-Inflationsprognose für 2026 von 2,7 auf 3,6 Prozent an. Der Dot Plot signalisiert erstmals eine Zinserhöhung statt der zuvor erwarteten Senkung.

Die Abstimmung war knapp: Neun von 18 Fed-Mitgliedern wollen die Zinsen im zweiten Halbjahr anheben. Die anderen neun präferieren unveränderte oder sinkende Sätze. Kein klares Mandat — aber genug Unsicherheit, um Gold unter Druck zu halten.

Die Märkte haben diese Unsicherheit bereits eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember liegt bei 80 Prozent, für September bei 63 Prozent. Der RSI fiel auf 36 — technisch nahe dem überverkauften Bereich, aber noch kein klares Kaufsignal.

Arbeitsmarktdaten werden zur Nagelprobe

Die kommende Woche bringt die nächste Bewährungsprobe. Auf dem Kalender stehen der PMI für Juni, JOLTS-Stellenangebote, der ISM-Fertigungsindex und die US-Arbeitslosenquote für Juni.

Entscheidend sind die Non-Farm-Payrolls. Ein Wert um 110.000 neue Stellen würde die Zinserhöhungserwartungen stützen — ohne spektakulär zu wirken. Jedes stärkere Beschäftigungswachstum erhöht den Druck auf Gold weiter. Sinkende Energiepreise könnten in den Folgemonaten die Inflation dämpfen — das wäre das einzige kurzfristige Entlastungssignal.

Die nächste FOMC-Sitzung findet am 28. und 29. Juli statt.

Strukturelle Käufer halten dagegen

Trotz des Gegenwinds aus der Geldpolitik bleibt die strukturelle Nachfrage intakt. Die People’s Bank of China kaufte im Mai knapp zehn Tonnen Gold — der 19. Monat in Folge mit Zentralbankkäufen.

Laut World Gold Council wollen 45 Prozent der Zentralbanken ihre Reserven in den nächsten zwölf Monaten aufstocken. Das ist der höchste je gemessene Wert. 89 Prozent erwarten steigende globale Goldbestände der Notenbanken. Hintergrund: Die Einfrierung russischer Zentralbankguthaben von rund 300 Milliarden Dollar im Jahr 2022 hat das Reservemanagement vieler Staaten dauerhaft verändert. Gold liegt physisch im eigenen Land und lässt sich nicht per Dekret sperren.

Auch im physischen Handel belebt sich das Geschäft. Der Kursrückgang lockt Käufer zurück — vor allem kleinere Barren und Anlagemünzen sind gefragt. Die Aufgelder bleiben moderat.

Banken sehen langfristig deutlich höhere Kurse

Charttechnisch liegen die Schlüsselmarken bei 3.820 Dollar als Unterstützung und 4.114 Dollar als Widerstand. Der Kurs notiert rund neun Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt — ein Zeichen, wie stark die jüngste Korrektur war.

Der Banken-Konsens für Jahresende 2026 bleibt trotzdem bullish. Goldman Sachs (revidiert am 20. Juni) sieht 4.900 Dollar, Morgan Stanley 5.200 Dollar, UBS 5.500 Dollar. Bank of America und J.P. Morgan nennen 6.000 Dollar, Wells Fargo sogar 6.100 bis 6.300 Dollar. Der Abstand zwischen aktuellem Kurs und diesen Zielen ist erheblich — er zeigt, wie stark der Zinsausblick die kurzfristige Stimmung von den langfristigen Fundamentaldaten entkoppelt hat.

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