Gold: 27,75 Prozent unter dem Jahreshoch
Steigende Ölpreise und Inflationsängste treiben Zinserwartungen an, was den Goldpreis auf wichtige Unterstützungszonen fallen lässt.

- Gold fällt auf 4.065 Dollar
- Ölpreise heizen Inflationssorgen an
- Zentralbanken kaufen trotz Kursrutsch
- Charttechnik zeigt Abwärtstrend
Gold gilt als sicherer Hafen. Ausgerechnet jetzt, während der Konflikt zwischen den USA und dem Iran eskaliert, fällt der Preis. Der Grund: Die Angst vor mehr Inflation treibt die Erwartung höherer US-Zinsen an.
Der Goldpreis notiert aktuell bei 4.065,50 US-Dollar. Das sind 1,5 Prozent weniger als der Freitagsschluss von 4.127,60 US-Dollar. Zum Jahreshoch von 5.626,80 US-Dollar aus Ende Januar fehlen dem Edelmetall inzwischen 27,75 Prozent.
Die Korrektur zieht sich schon länger hin. Auf Sieben-Tage-Sicht verliert Gold 2,66 Prozent, auf Monatssicht 4,11 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 6,36 Prozent.
Öl treibt die Zinserwartung
Berichte über erneute US-Angriffe auf iranische Ziele und mutmaßliche Vergeltungsschläge Teherans schieben die Ölpreise nach oben. Im Zentrum der Sorge steht die Straße von Hormus. Eine Blockade dieser Meerenge würde die globale Energieversorgung empfindlich stören.
Steigende Ölpreise nähren Inflationssorgen. Das stärkt die Erwartung, dass die US-Notenbank Federal Reserve an ihrem restriktiven Kurs festhält. Die Märkte preisen sogar weitere Zinserhöhungen vor Jahresende ein, falls die Inflation hartnäckig bleibt.
Höhere Zinsen schaden Gold direkt. Das Edelmetall wirft keine Zinserträge ab. Ein stärkerer Dollar und attraktivere verzinste Anlagen erhöhen die Opportunitätskosten fürs Halten von Gold. Das drückt den Preis.
Zentralbanken kaufen weiter
Trotz der Verkaufswelle bei privaten Anlegern bleibt eine Käufergruppe treu: Zentralbanken. Der World Gold Council meldete für Mai Netto-Käufe von 41 Tonnen Gold durch offizielle Institutionen. Polen und China zählen laut Bericht zu den aktivsten Käufern.
Diese Institutionen nutzen die niedrigeren Preise gezielt, um ihre Reserven aufzustocken. Die souveräne Nachfrage bleibt damit ein Gegengewicht zum Verkaufsdruck aus den Zinserwartungen.
Auch die Fed selbst ist sich nicht einig. Die Protokolle der Juni-Sitzung zeigten Uneinigkeit unter den Notenbankern über weitere Zinsschritte. Einigkeit besteht aber bei den Risiken: Energiepreise, KI-Investitionen und Zölle könnten die Inflation weiter anschieben.
Charttechnik zeigt Schwäche
Der Chart bestätigt den Abwärtstrend. Gold bildet seit Wochen tiefere Hochs und tiefere Tiefs – ein klassisches Bärensignal. Der Kurs liegt aktuell 6,67 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.356,15 US-Dollar.
Noch deutlicher fällt der Abstand zum langfristigen Trend aus. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 4.539,41 US-Dollar fehlen 10,44 Prozent. Der RSI von 40 zeigt: Verkäufer dominieren, überverkauft ist Gold aber noch nicht.
Die annualisierte Volatilität von 27,21 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt aktuell handelt. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar aus Ende Oktober fehlen nur noch 4,21 Prozent. Genau in dieser Zone verläuft laut Marktbeobachtern eine wichtige Unterstützung.
Wichtige Woche für Inflationsdaten
Diese Woche liefert die nächsten Weichenstellungen. Anleger blicken auf die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex und des Erzeugerpreisindex in den USA. Hinzu kommt die Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh vor dem Kongress.
Fallen die Inflationsdaten stärker aus als erwartet, dürfte das die Zinserwartung weiter befeuern – und den Goldpreis zusätzlich belasten. Schwächere Werte oder ein zurückhaltender Ton von Warsh könnten dem Edelmetall dagegen etwas Luft verschaffen.
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