Gold: 27,92 Prozent unter Rekordhoch

Gold erholt sich leicht von seiner scharfen Korrektur, bleibt aber deutlich unter dem Rekordhoch. Analysten sehen strukturelle Unterstützung intakt.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt 27,9 Prozent vom Hoch
  • Notenbanken kaufen weiter große Mengen
  • Analystenziele reichen von 4.300 bis 5.400 Dollar
  • Geopolitische Spannungen treiben Ölpreis

Nach dem Rekordlauf zu Jahresbeginn steckt Gold mitten in einer scharfen Korrektur – doch die Marke von 4.000 Dollar hält bislang. Zum Wochenschluss notierte die Feinunze bei 4.055,70 US-Dollar, ein moderates Plus von 0,08 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 6,40 Prozent zu Buche – ein deutlicher Kontrast zu den Rekordständen, die Gold Ende Januar erreicht hatte.

Vom bisherigen 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 Dollar, aufgestellt am 29. Januar, trennen das Edelmetall inzwischen 27,92 Prozent. Ein Kursverfall dieser Größenordnung lässt viele Anleger fragen, ob der langfristige Aufwärtstrend gebrochen ist oder ob sich hier lediglich eine überfällige Verschnaufpause vollzieht.

Fondsmanager sieht strukturelle Unterstützung intakt

Brad Dunkley von Waratah Capital ordnet den Rückgang von mehr als 1.500 Dollar seit dem Rekordhoch als Korrektur innerhalb eines intakten Aufwärtszyklus ein. Aus seiner Sicht bleiben die fundamentalen Treiber des Goldpreises bestehen. Zu diesen zählt er insbesondere die anhaltenden Käufe der Notenbanken: Allein im ersten Quartal 2026 erwarben Zentralbanken weltweit rund 244 Tonnen Gold – ein Volumen, das die physische Nachfrage strukturell stützt, selbst wenn die Spotpreise kurzfristig nachgeben.

Die Bandbreite der Analystenprognosen für die kommenden Jahre bleibt weit gefächert. Goldman Sachs traut dem Edelmetall bis zu 5.400 Dollar zu, Morgan Stanley nennt ein Ziel von 5.200 Dollar. Konservativere Häuser wie Deutsche Bank und ING siedeln ihre Erwartungen deutlich niedriger an, bei rund 4.300 Dollar. Die Spanne zeigt, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die Kombination aus geopolitischem Risiko, Zinspolitik und Zentralbanknachfrage gewichten.

Physischer Markt reagiert auf die Schwäche

Die Korrektur zeigt sich auch im physischen Handel. In Vietnam gaben SJC-Goldbarren binnen einer Woche um 7 Millionen Dong je Unze im Ankauf und 6 Millionen Dong im Verkauf nach, nachdem die Preise dort zuvor monatelang mit dem Weltmarkt mitgezogen waren. Inländische Händler notierten SJC-Barren zuletzt zwischen 137,5 und 141,5 Millionen Dong je Unze – ein Rückgang, der die Verunsicherung nach dem starken Rücksetzer vom Rekordhoch widerspiegelt. Experten raten Anlegern in diesem Umfeld zu einer klaren Portfoliostrategie statt reinem Herdenverhalten.

Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen: Der Relative-Stärke-Index von 44,7 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustände, und Gold notiert unterhalb sämtlicher gleitender Durchschnitte der vergangenen 50, 100 und 200 Tage. Das deutet auf eine fortgesetzte Konsolidierung hin, ohne dass ein klarer Trend erkennbar wäre.

Geopolitik und Fed als kurzfristige Treiber

Die eigentliche Unsicherheit kommt derzeit nicht aus der Geldpolitik, sondern aus dem Nahen Osten. Die USA griffen nach Angaben mehrerer Berichte gezielt Ziele im Iran an, nachdem Teheran einen zuvor vereinbarten Waffenstillstand für gescheitert erklärt hatte. Huthi-Rebellen bedrohen zusätzlich die Straße von Bab al-Mandab, während der Ölpreis im Zuge der Eskalation auf rund 100 Dollar je Barrel kletterte. Normalerweise würde ein solches Szenario Gold als sicheren Hafen beflügeln – bislang bleibt der erhoffte Kaufschub jedoch aus, echte Käufer halten sich laut Marktbeobachtern zurück.

Zusätzliche Spannung liefert die anstehende Fed-Sitzung am Mittwoch. Der Markt preist aktuell nur eine geringe Wahrscheinlichkeit für eine sofortige Zinserhöhung ein, rechnet aber zunehmend mit einem Schritt im September. Sollte die Notenbank restriktiver auftreten als erwartet, dürfte das den Dollar stützen und Gold kurzfristig zusätzlich belasten. Für Anleger bleibt die Gemengelage aus geopolitischem Risiko, Zentralbanknachfrage und Zinsentscheid damit der entscheidende Faktor für die nächste Richtungsentscheidung des Goldpreises.

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