Gold: 3,4 Prozent Wochenminus
Steigende Ölpreise durch den Iran-Konflikt schüren Inflationssorgen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit höherer US-Zinsen, was Gold belastet.

- Gold fällt um 3,4 Prozent in der Woche
- Ölpreise treiben Inflationsängste an
- Fed-Vertreter fordern Zinserhöhungen
- Geopolitische Spannungen belasten Edelmetalle
Gold verbucht die schwächste Woche seit sechs Wochen. Der Grund liegt nicht bei Gold selbst, sondern bei Öl. Steigende Ölpreise wecken neue Inflationssorgen. Diese Sorgen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für höhere US-Zinsen. Für zinsloses Gold ist das Gift.
Am Freitag notierte Spot-Gold bei 3.980,64 US-Dollar je Feinunze. Das entspricht einem Plus von 0,3 Prozent im frühen Handel. Zuvor hatte das Metall den tiefsten Stand seit dem 1. Juli erreicht.
Auf Wochensicht steht trotzdem ein Minus von 3,4 Prozent. Das ist der stärkste wöchentliche Rückgang seit dem 1. Juni. Die US-Goldfutures für August gaben um 0,2 Prozent auf 3.984,10 US-Dollar nach.
Fed-Vertreter fordern höhere Zinsen
Innerhalb der US-Notenbank mehren sich Stimmen für eine straffere Geldpolitik. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan forderte als erste aus dem neuen Fed-Team unter Kevin Warsh offen eine Zinserhöhung. Fed-Vizechef Philip Jefferson signalisierte ebenfalls Offenheit für höhere Zinsen, falls sich die Inflation nicht bald abschwächt.
Die Markterwartungen reagierten prompt. Laut CME FedWatch Tool preisen Händler aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 73 Prozent für eine Zinserhöhung im Dezember ein. Ein Umfeld mit höheren Zinsen belastet Gold generell, weil Anleger dann eher zu verzinsten Alternativen greifen.
Iran-Konflikt treibt Ölpreise
Der Auslöser der Bewegung liegt am Golf. Die USA griffen in dieser Woche mehrfach Ziele im Iran an. Präsident Donald Trump warnte zudem, die USA könnten kommende Woche die iranische Infrastruktur angreifen, sollten diplomatische Gespräche scheitern.
Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Nachbarländern. Das schürt Sorgen vor einer weiteren Eskalation. Eine längere Störung der Energieversorgung aus der Region rückt damit näher.
Steigende Ölpreise wirken sich direkt auf die Zinserwartungen aus. Sie bergen das Risiko, Inflationssorgen neu zu entfachen. Genau das erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen — und schwächt zinsloses Gold zusätzlich.
Tim Waterer, Chefmarktanalyst bei KCM Trade, bringt es auf den Punkt: „Selbst mit gedämpfteren CPI- und PPI-Daten bedeutete der Ölpreisanstieg dieser Woche, dass Händler die kühleren Inflationszahlen schlicht nicht feiern konnten.“ Geopolitische Risiken im Nahen Osten blieben präsent, so Waterer. Inflations- und Renditesorgen dominierten weiterhin und hielten Gold zurück.
Auch andere Edelmetalle geben nach
Die Schwäche trifft nicht nur Gold. Spot-Silber fiel um 0,6 Prozent auf 55,20 US-Dollar je Unze. Platin verlor 1,1 Prozent auf 1.599,17 US-Dollar, Palladium gab um 0,4 Prozent auf 1.244,16 US-Dollar nach.
Alle drei Metalle steuern auf einen Wochenverlust zu.
Gute Inflationsdaten reichen nicht
Zu Wochenbeginn hatten US-Konjunkturdaten noch kurz Entlastung gebracht. Am Mittwoch zeigten Zahlen, dass die US-Erzeugerpreise im Juni erstmals seit fast einem Jahr unerwartet zurückgingen. Niedrigere Energiekosten trieben diesen Rückgang, nachdem bereits der Verbraucherpreisbericht vom Dienstag schwächer als erwartet ausgefallen war.
Der neue Schub bei den Ölpreisen überlagerte diese positiven Signale jedoch rasch. Zwei Kräfte ziehen aktuell in entgegengesetzte Richtungen: Die geopolitische Eskalation am Golf treibt klassischerweise die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold an. Steigende Ölpreise schrauben gleichzeitig die Zinserwartungen nach oben und setzen dem Edelmetall zu.
Solange sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nicht entschärft, dürfte dieses Kräfteverhältnis bestehen bleiben. Trumps Ankündigung möglicher Angriffe auf iranische Infrastruktur in der kommenden Woche macht die nächsten Tage zum entscheidenden Testfall für die Ölpreise — und damit auch für Gold.
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