Gold: 38.600 Kontrakte zur Auslieferung
Trotz eines Kursrückgangs von neun Prozent steigt die Nachfrage nach physischem Gold stark an. Zentralbanken und asiatische Akteure treiben diesen Trend voran.

- Rekordhohe Anträge auf Goldauslieferung
- Zentralbanken kaufen 244 Tonnen Gold
- Asien plant eigene Handelsinfrastruktur
- Fed-Politik belastet den Goldpreis
An den Rohstoffmärkten baut sich ein starker Kontrast auf. Während spekulative Anleger ihre Goldpositionen räumen, greifen industrielle Käufer massiv zu. Der heutige Verfall der Juni-Kontrakte an der COMEX bringt diese Divergenz ans Licht.
Für den laufenden Liefermonat liegen Anträge auf physische Auslieferung für gut 38.600 Kontrakte vor. Das entspricht rund 120 Tonnen Gold. Einen höheren Wert gab es zuletzt im Februar. Offenbar sichern sich langfristige Investoren lieber das echte Material, statt auf einen Barausgleich zu setzen.
Dieser physische Hunger trifft auf einen schwächelnden Kurs. Aktuell notiert die Feinunze bei 4.064,80 US-Dollar. Auf Sicht von 30 Tagen verlor das Edelmetall rund neun Prozent an Wert. Der Abstand zum Rekordhoch aus dem Januar beträgt mittlerweile fast 28 Prozent.
Asien baut eigene Infrastruktur
Staatliche Akteure stützen den Markt massiv. Im ersten Quartal kauften Zentralbanken netto 244 Tonnen Gold. Vor allem Polen und China diversifizieren ihre Währungsreserven.
Parallel dazu formiert sich Asien neu. Singapur plant bis Jahresende ein eigenes Clearing-System für physisch gelagertes Gold. Hongkong bereitet einen ähnlichen Schritt vor. Das Ziel: Die Region will sich von den traditionellen Handelsplätzen in London und New York abnabeln. Immerhin stammen 70 Prozent der weltweiten Nachfrage aus asiatischen Ländern.
Zinsdruck aus Washington
Dem physischen Kaufinteresse steht eine harte US-Geldpolitik gegenüber. Fed-Chef Kevin Warsh setzt den Kampf gegen die Inflation fort. Er verweist auf den robusten Arbeitsmarkt und hält weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr für möglich.
Diese hawkishe Rhetorik stärkt den US-Dollar. Das macht das zinslose Edelmetall für Anleger teurer. Entsprechend trennten sich viele Spekulanten von ihren Beständen. Obendrein dämpfen Berichte über ein nahendes Ende der Auseinandersetzungen im Iran die Nachfrage nach sicheren Häfen. Eine Entspannung an der Straße von Hormus entzieht dem Markt eine wichtige Risikoprämie.
Technisch ist die Lage angespannt. Nach dem jüngsten Abverkauf gilt das Edelmetall als überverkauft. Der Relative-Stärke-Index liegt aktuell bei 34,3 Punkten. Historisch betrachtet leitete dieses Niveau oft eine kurzfristige Bodenbildung ein. Hält das massive Auslieferungsvolumen an der COMEX an, federt dies den Zinsdruck der US-Notenbank ab.
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