Gold: 4.000-Dollar-Marke verteidigt

Gold verteidigt die 4.000-Dollar-Marke, während Zentralbanken weiter kaufen. Analysten sehen Erholungspotenzial, falls die Unterstützung hält.

Die Kernpunkte:
  • Gold hält knapp über 4.000 US-Dollar
  • Zentralbanken stocken Goldreserven auf
  • China kauft deutlich mehr als offiziell gemeldet
  • Fed-Politik bleibt entscheidend für Richtung

Nach einem Rückgang von 2,58 Prozent binnen einer Woche verteidigt das Edelmetall die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze – bereits die zweite Verlustwoche in Folge. Zum Wochenschluss notierte Gold bei 4.021,30 US-Dollar, nachdem der Preis zwischenzeitlich stärker unter Druck geraten war. Ein starker US-Dollar, steigende Anleiherenditen und anhaltende Unsicherheit über den Kurs der US-Notenbank belasten das zinslose Edelmetall seit Wochen.

Technisches Bild bleibt angeschlagen

Der Abstand zum gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 4.304,16 US-Dollar beträgt aktuell 6,57 Prozent – ein Signal dafür, dass sich der kurzfristige Trend eingetrübt hat. Analysten stufen die 4.000-Dollar-Marke als entscheidenden Wendepunkt ein: Fällt der Kurs nachhaltig darunter, gilt ein Rutsch auf 3.900 bis 3.950 US-Dollar als wahrscheinlich. Hält die Unterstützung, rechnen Marktbeobachter mit einer Erholung in Richtung 4.100 US-Dollar. Nach oben markiert dieses Niveau zugleich den nächsten nennenswerten Widerstand.

Weiter gefasste Prognosen bleiben optimistischer. Nach Einschätzung von Barron’s ist der langfristige Aufwärtstrend trotz des Rückgangs von rund 30 Prozent seit dem Rekordhoch im Januar intakt. Technische Indikatoren wie eine Doji-Kerze und eine RSI-Divergenz deuteten auf eine mögliche Bodenbildung hin, heißt es dort. Als Kursziel für das dritte Quartal 2026 werden 4.500 US-Dollar genannt – vorausgesetzt, die aktuelle Schwächephase erweist sich tatsächlich als gesunde Korrektur und nicht als Trendbruch.

Zentralbanken kaufen trotz fallender Preise weiter

Während der Preis nachgibt, bauen Zentralbanken ihre Bestände weiter aus. China erhöhte seine offiziell gemeldeten Goldreserven im Mai um 9,95 Tonnen und im Juni um 14,93 Tonnen – der 20. Monat in Folge mit Zuwächsen. Nach Schätzungen von Goldman Sachs kaufte die Volksrepublik im Mai allerdings schätzungsweise 48 Tonnen über den Londoner OTC-Markt – deutlich mehr als die offiziell ausgewiesenen 10 Tonnen und der höchste Monatswert seit über einem Jahr. Die tatsächlichen chinesischen Goldreserven könnten damit weit über den offiziellen Angaben liegen, mancherorts werden bis zu 5.500 Tonnen vermutet, mehr als das Doppelte der gemeldeten Bestände. Als Motiv gilt eine Strategie der Diversifizierung weg von Dollar-Anlagen.

Fed-Politik und Datenkalender im Blick

Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass die US-Inflation ihr Zwei-Prozent-Ziel erst Anfang 2027 erreicht – ein Umstand, der Zinssenkungen der Fed verzögern dürfte. Bei den Markterwartungen für 2026 gehen die Einschätzungen auseinander: Barclays sieht zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im März und Juni, Moody’s rechnet mit drei Schritten in der ersten Jahreshälfte wegen eines schwächeren Arbeitsmarkts. Die Fed selbst signalisiert in ihren Projektionen bislang nur eine Senkung im laufenden Jahr.

Für die kommenden Tage rücken mehrere Termine in den Fokus, die die Richtung am Goldmarkt mitbestimmen dürften: die britischen Verbraucherpreise am 22. Juli, die EZB-Zinsentscheidung am 23. Juli sowie globale Einkaufsmanagerindizes am 24. Juli. Steigende Ölpreise infolge der Spannungen im Nahen Osten sorgen zusätzlich für ein komplexes Umfeld, in dem sich Gold zwischen seiner Rolle als Krisenwährung und der Belastung durch einen starken Dollar und hohe Realzinsen behaupten muss. Ob die 4.000-Dollar-Marke hält, dürfte sich in den kommenden Handelstagen entscheiden.

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