Gold: 4.000er-Marke auf dem Prüfstand

Schwache US-Inflationsdaten und Nahost-Eskalation treiben den Goldpreis. Die 4.000er-Marke rückt in den Fokus der Anleger.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt auf 4.037 Dollar
  • Nahost-Krise treibt Ölpreis
  • US-Inflation schwächt sich ab
  • Charttechnik zeigt Abwärtstrend

Gold kämpft am Donnerstag um seine wichtigste psychologische Linie. Der Goldpreis notiert bei 4.037,40 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,73 Prozent zum Vortag. Zwei gegensätzliche Kräfte ziehen am Markt: schwache US-Inflationsdaten einerseits, eine militärische Eskalation im Nahen Osten andererseits.

Öl treibt die Zinssorgen an

Die Lage im Nahen Osten hat sich innerhalb von 24 Stunden deutlich zugespitzt. Die USA verhängten eine Seeblockade gegen den Iran. Berichten zufolge folgten zwei Angriffswellen auf iranische Küstenverteidigungsanlagen und Raketenstellungen.

Der Ölpreis reagierte prompt und kletterte auf über 86 US-Dollar je Barrel. Normalerweise würde Gold von solchen Krisen als sicherer Hafen profitieren. Diesmal bremst die Angst vor energiegetriebener Inflation den Effekt aus.

Steigende Energiekosten könnten die Federal Reserve zwingen, die Zinsen länger hoch zu halten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen verharrt bei rund 4,58 Prozent. Das hält die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall hoch.

Schwache Inflationsdaten stützen dagegen

Auf der anderen Seite stehen überraschend schwache US-Konjunkturdaten. Der Verbraucherpreisindex für Juni sank im Monatsvergleich um 0,4 Prozent. Die Jahresrate rutschte auf 3,5 Prozent.

Auch die Erzeugerpreise bestätigten den Trend mit einem Rückgang um 0,3 Prozent. Die Markterwartung für eine Zinserhöhung Ende Juli fiel daraufhin von knapp 40 Prozent auf nur noch 16 bis 22 Prozent. Diese Aussicht auf eine lockerere Geldpolitik stützt Gold in einem sonst schwierigen Umfeld.

Charttechnik bleibt angeschlagen

Der übergeordnete Trend zeigt weiter nach unten. Seit dem Rekordhoch von 5.626,80 US-Dollar im Januar hat Gold rund 28 Prozent verloren. Auf Monatssicht steht ein Minus von 7,25 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 7,01 Prozent.

Der Kurs notiert aktuell 11,07 Prozent unter der 200-Tage-Linie bei 4.540,18 US-Dollar. Auch zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.319,28 US-Dollar fehlen 6,53 Prozent. Der RSI liegt bei 40,1 – noch kein Überverkauft-Signal, aber klar schwach.

Analysten sehen in der Zone um 4.000 US-Dollar eine Schicksalsmarke. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 3.901,30 US-Dollar, nur 3,49 Prozent entfernt. Ein nachhaltiger Bruch der 4.000er-Marke könnte den Weg dorthin öffnen. Erst ein Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 4.200 und 4.330 US-Dollar würde das Bild deutlich aufhellen.

ETF-Bilanz bleibt trotz Abflüssen positiv

Die Nachfrageseite zeigt ein gemischtes Bild. Der World Gold Council registrierte für Juni Abflüsse aus Gold-ETFs von 8,9 Milliarden US-Dollar. Für das erste Halbjahr insgesamt blieb die Bilanz mit einem Zufluss von rund 8 Milliarden US-Dollar dennoch positiv.

Im Tagesverlauf richten sich die Blicke auf die US-Einzelhandelsumsätze und den Philadelphia-Fed-Index. Deuten auch diese Daten auf eine Abkühlung der Konjunktur hin, könnte das die Zinswende-Hoffnung stärken und Gold über 4.000 US-Dollar halten. Hält die Seeblockade dagegen an oder folgen weitere militärische Aktionen, dürfte die Volatilität schnell zurückkehren.

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