Gold: 4.017 Dollar trotz Nahost-Eskalation
Trotz eskalierender Gewalt im Nahen Osten bleibt der Goldpreis stabil. Zinserwartungen der Anleger dominieren das Geschehen und verhindern eine klassische Fluchtreaktion.

- Goldpreis verharrt nahe 4.000 Dollar
- Ölpreis steigt deutlich stärker an
- Fed-Zinserwartungen belasten Gold
- Großbanken senken Goldprognosen
Krieg im Nahen Osten, Öl über 90 Dollar, doch der Goldpreis zuckt kaum. Was normalerweise als sicherer Hafen gilt, bleibt am Montagmorgen erstaunlich unbewegt. Die Zinserwartungen der Anleger wiegen offenbar schwerer als jedes geopolitische Risiko.
Stabile Notierungen trotz Kriegsrisiko
Der Goldpreis kämpft sich am Montagmorgen zurück über die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze. Der meistgehandelte Future (August) notierte gegen 7:25 Uhr MESZ bei 4.017,40 Dollar, ein minimales Minus von 1,40 Dollar.
Der Ölmarkt reagiert deutlich heftiger. Brent-Rohöl legte um 7:00 Uhr um fast 3 Prozent auf 90,71 Dollar je Barrel zu, WTI stieg um 2,55 Prozent auf 84,59 Dollar. In der vergangenen Woche kletterten beide Ölsorten bereits um rund 16 Prozent.
Militärische Lage spitzt sich weiter zu
Der Grund für den Ölsprung: Die USA griffen den Iran in der vergangenen Nacht bereits zum neunten Mal in Folge an. Die Verbündeten Kuwait und Bahrain meldeten zusätzliche iranische Angriffe.
Beide Seiten nehmen mittlerweile den Schiffsverkehr ins Visier. Die USA sprechen von einer Seeblockade iranischer Häfen. Der Iran gibt an, Schiffe anzugreifen, die seine Regeln für die Straße von Hormus verletzen.
Trotz dieser Zuspitzung bleibt die klassische Fluchtreaktion in Gold aus. Weder die geopolitische Krise noch die ölpreisbedingten Inflationssorgen wirken derzeit als Kaufargument. Stattdessen gelten die gestiegenen Anleihe-Renditen als Grund, Gold zu meiden und stattdessen Anleihen zu bevorzugen.
Zinserwartungen bestimmen das Bild
Die Markterwartung einer Fed-Zinserhöhung hat sich zuletzt leicht entspannt. Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für eine Zinserhöhung am 16. September. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 70 Prozent – schwächere US-Konsumenten- und Produzentenpreise dürften dazu beigetragen haben.
Gespaltenes Bild bei den Großbanken
Die Wall-Street-Banken haben ihre Goldprognosen seit Ende Juni durchweg nach unten korrigiert. Allerdings unterscheiden sich Ausmaß und Begründung deutlich.
Goldman Sachs senkte sein Kursziel für Ende 2026 bereits Mitte Juni. Die Bank erwartet nun 4.900 Dollar statt zuvor 5.400 Dollar. Goldman-Ökonomen rechnen inzwischen nicht mehr mit einer Fed-Zinssenkung in diesem Jahr.
JPMorgan zog Anfang Juli die schärfste Korrektur durch. Das Kursziel für das vierte Quartal 2026 fiel um etwa 25 Prozent auf 4.500 Dollar, zuvor lag es bei rund 6.000 Dollar. Als Grund nennt die Bank eine schwächere Nachfrage aus den wichtigsten Käufergruppen.
Bank of America reduzierte ihren Ausblick für 2026 am 8. Juli um 14 Prozent auf 4.360 Dollar. Die Bank verweist auf die restriktivere Fed-Politik. Ihr langfristiges Ziel von 6.000 Dollar bleibt aber bestehen, sobald der Straffungszyklus endet.
HSBC senkte seine Prognose für 2026 von 4.864 auf 4.560 Dollar. Bemerkenswert: Das Kursziel für Ende 2026 bleibt bei 4.750 Dollar unverändert.
Die grundlegenden Argumente für Gold bleiben laut JPMorgan gültig: hohe Staatsschulden, Kaufkraftverluste, geopolitische Spannungen und die Diversifizierung der Zentralbankreserven. Die steigende Wahrscheinlichkeit höherer US-Zinsen verzögert die erwartete Erholung aber vorerst.
Ausblick: Öl und Fed-Protokoll im Fokus
Zwei Faktoren dürften die kommenden Handelstage prägen: die Ölpreisentwicklung infolge der Nahost-Eskalation und neue Signale zur Fed-Zinspolitik. Spitzt sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter zu und treibt die Ölpreise zusätzlich an, dürfte der Goldpreis dennoch in einer engen Spanne um die 4.000-Dollar-Marke verharren. Der Widerspruch zwischen geopolitischem Risiko und Zinssorgen hält das Edelmetall vorerst in der Schwebe.
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