Gold: 4.017 Dollar zum 17. Juli
Trotz Nahost-Eskalation fällt der Goldpreis. Inflationsangst und Zinssorgen überlagern die klassische Fluchtreaktion der Anleger.

- Gold verliert trotz geopolitischer Spannungen
- Inflationsangst schwächt sicheren Hafen
- Starker Dollar belastet Gold zusätzlich
- Charttechnik zeigt Abwärtstrend an
Eigentlich müsste Gold in solchen Zeiten glänzen. Krieg im Nahen Osten, ein eskalierender Konflikt zwischen den USA und dem Iran, ein Ölpreis, der binnen einer Woche um bis zu 14 Prozent hochschießt. Trotzdem verliert das Edelmetall an Wert. Der Grund dafür liegt tiefer als die Schlagzeilen aus der Straße von Hormus.
Gold schloss die Woche zum 17. Juli bei rund 4.017 US-Dollar pro Feinunze. Auf Wochensicht bedeutet das ein Minus von etwa 2,6 Prozent. Seit Jahresbeginn steht sogar ein Rückgang von 7,2 Prozent zu Buche.
Wenn Inflationsangst den sicheren Hafen schlägt
US-Streitkräfte griffen zuletzt eine sechste Nacht in Folge iranische Ziele an. Der Iran weitete seinerseits seine Angriffe aus. Diese Eskalation gefährdet den Tankerverkehr durch eine der wichtigsten Öl-Passagen der Welt — und genau das treibt den Brent-Preis in die Höhe.
Normalerweise würde ein solches Szenario Anleger in Gold treiben. Diesmal überwiegt eine andere Sorge: Steigende Ölpreise heizen die Inflation an. Das erhöht das Risiko einer restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank. Die Angst vor höheren Zinsen schlägt die klassische Fluchtreaktion in Edelmetalle.
Fed-Chef Kevin Warsh befeuerte diese Sorge mit klaren Worten. Er betonte, der Offenmarktausschuss dulde keine dauerhaft erhöhte Inflation. Solche Aussagen dämpfen die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen und machen zinslose Anlagen wie Gold weniger attraktiv.
Der Dollar profitierte von der Aussicht auf höhere Zinsen und legte gegenüber anderen Währungen zu. Ein stärkerer Dollar verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums zusätzlich. Selbst schwächere US-Erzeugerpreise für Juni, die um 0,3 Prozent sanken, konnten diesen Effekt nicht ausgleichen.
Charttechnik zeigt Warnsignale
Die Marktdaten untermauern das eingetrübte Bild. Mit einem RSI von 40,6 nähert sich Gold der überverkauften Zone, ohne sie bereits erreicht zu haben. Der Kurs liegt 6,6 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.304 US-Dollar — ein Zeichen, dass der kurzfristige Trend klar nach unten zeigt.
Charttechnisch gilt die Marke von 4.000 US-Dollar als psychologisch wichtig. Der Schlusskurs darunter hat das Bild verschlechtert. Analysten blicken nun auf die Unterstützungszone zwischen 3.930 und 3.950 US-Dollar. Bricht Gold diesen Bereich nachhaltig, könnte der Preis bis in den Bereich um 3.701 US-Dollar fallen.
Für eine Erholung braucht es mehr. Gold müsste die SMA20 bei 4.072 US-Dollar per Tagesschluss überwinden. Ein Sprung über den monatlichen Pivotpunkt bei 4.163 US-Dollar würde das technische Bild für Käufer wieder aufhellen.
Die kommende Handelswoche dürfte weiterhin vom Nahost-Konflikt und dessen Auswirkungen auf den Ölmarkt geprägt sein. Am 28. und 29. Juli tagt die Fed — Kommentare von Notenbankvertretern zu Inflationsrisiken könnten dabei richtungsweisend für den Goldpreis werden. Aktuelle Prognosen für die Woche ab dem 20. Juli sehen mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit ein leicht bärisches Szenario voraus.
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