Gold: 4.022 Dollar nahe Tief
Steigende Energiepreise und Inflationssorgen setzen Gold zu, während der physische Markt stabil bleibt.

- Gold nahe 9-Monats-Tief
- Ölpreisanstieg treibt Inflationssorgen
- Fed-Zinserhöhung im September wahrscheinlich
- Physischer Handel zeigt sich widerstandsfähig
Ein Krieg zwischen den USA und Iran müsste den Goldpreis eigentlich beflügeln. Genau das Gegenteil passiert: Das Edelmetall klebt nahe seinem tiefsten Stand seit neun Monaten. Der Grund liegt nicht im fehlenden Krisenbedarf, sondern in einem anderen Übertragungsweg – steigenden Energiepreisen.
Am Dienstag kostet eine Feinunze rund 4.022 US-Dollar. Das liegt nur 2,93 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von Ende Oktober. Über die vergangenen 30 Tage hat Gold 4,61 Prozent verloren.
Öl statt Angst treibt den Markt
Normalerweise gilt Gold als Fluchtwährung in Kriegszeiten. Diesmal dominiert ein anderer Mechanismus: Die US-Angriffe auf Iran laufen bereits seit zehn Tagen. Sie treiben die Ölpreise nach oben und schüren damit Inflationssorgen.
Die Ölpreise sind seit ihren Juli-Tiefständen um rund 30 Prozent gestiegen. Höhere Energiekosten bedeuten höhere Inflation. Und höhere Inflation bedeutet für die Fed: mehr Druck, die Zinsen anzuheben.
Genau das belastet Gold als zinsloses Asset. Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent für eine Fed-Zinserhöhung im September ein, einen Tag zuvor lag der Wert noch bei 51 Prozent. Für Dezember liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei 80 Prozent. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack hat sich einem wachsenden Kreis von Notenbankern angeschlossen, die weitere Zinsschritte gegen die Inflation für nötig halten.
Huthi-Embargo und Diplomatie im Widerspruch
Die militärische Lage bleibt angespannt. Am Wochenende starben drei US-Soldaten – zwei bei einem iranischen Angriff in Jordanien, ein weiterer bei einer Drohnen-Sprengung im Norden Irans. Iran-nahe Huthi-Milizen kündigten zudem ein Seeembargo gegen Saudi-Arabien an. Das schürt zusätzliche Sorgen um Energielieferungen durch das Rote Meer.
Parallel gibt es erste Signale für eine Deeskalation. Iran erklärte, Vermittler hätten Vorschläge zur Entspannung der Spannungen mit den USA vorgelegt. Berichte deuten auf einen möglichen zehntägigen Waffenstillstand hin. US-Außenminister Marco Rubio betonte, Washington bleibe offen für Diplomatie. Die USA fordern aber weiterhin, dass Iran die Straße von Hormuz wieder öffnet – deren Sperrung gilt als zentraler Treiber der höheren Gaspreise.
Physischer Markt tickt anders als der Terminmarkt
Während der Terminmarkt unter Druck steht, zeigt sich der physische Handel widerstandsfähiger. Münz- und Barrenaufschläge bleiben stabil. Nach Marktbeobachtungen werten viele Käufer das aktuelle Niveau als Kaufgelegenheit, nicht als Ausstiegssignal.
Die Ratio-Kompression zwischen Silber und Gold deutet in dieselbe Richtung. Sammler und Industrieverarbeiter behandeln Silber unter 57 Dollar und Gold unter 4.050 Dollar demnach als Akkumulationszone. Der Papiermarkt und der physische Handel senden derzeit unterschiedliche Signale.
Für die kurzfristige Richtung dürfte entscheidend sein, ob sich die diplomatischen Bemühungen zwischen Washington und Teheran verfestigen. Ein nachhaltiger Rückgang der Ölpreise würde die Inflationssorgen dämpfen und der Fed weniger Druck für Zinserhöhungen machen – ein Szenario, das Gold nach den jüngsten Verlusten Auftrieb geben könnte. Bleibt die Straße von Hormuz blockiert, dürften Energiepreise und Zinssorgen den Goldpreis trotz des Konflikts weiter unter Druck halten.
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