Gold: 4.055 Dollar am Wochentief
Steigende US-Anleiherenditen setzen Gold zu. Trotz geopolitischer Spannungen fällt der Kurs auf Wochentief. Notenbankkäufe bieten etwas Unterstützung.

- Goldpreis fällt auf Wochentief
- Renditeanstieg erhöht Opportunitätskosten
- Geopolitische Risiken verpuffen als Preistreiber
- Chinas Notenbank stockt Goldreserven auf
Gold kämpft um Stabilität. Trotz Krieg im Nahen Osten und Angriffen auf Handelsschiffe im Roten Meer bleibt der Preis am Freitagmittag bei rund 4.055 US-Dollar je Feinunze. Der Kurs klebt am Wochentief. Festverzinsliche Anleihen werden für Anleger gerade deutlich attraktiver.
Arbeitsmarkt und Zinsangst belasten
Der Grund für den Rutsch unter 4.100 Dollar liegt in den USA. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind auf 187.000 gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit 1969.
Ein robuster Arbeitsmarkt nährt Erwartungen an straffe Zinsen. Marktteilnehmer preisen eine Zinserhöhung im September inzwischen mit rund 82 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte daraufhin auf etwa 4,71 Prozent, den höchsten Stand seit anderthalb Jahren.
Gold zahlt keine Zinsen. Steigende Anleiherenditen erhöhen deshalb die Opportunitätskosten fürs Halten von Gold spürbar. Anleger schichten aktuell in Richtung Rentenmarkt um.
Geopolitik verliert ihre Schutzwirkung
Normalerweise würde Krieg den Goldpreis treiben. Diesmal reicht die Risikoprämie nicht aus, um den Renditedruck auszugleichen.
Die Eskalation im Iran-Konflikt und erneute Houthi-Angriffe auf saudische Öltanker haben die Ölpreise der Sorte Brent über 100 Dollar je Barrel getrieben. Analysten bewerten die hohen Energiepreise aber vor allem als Inflationstreiber. Das könnte Notenbanken zu langfristig hohen Zinsen zwingen.
Dieser Mechanismus neutralisiert den klassischen Fluchtreflex ins Edelmetall. US-Präsident Trump kündigte zudem als Reaktion auf die Seeblockaden neue Zölle zwischen 10 und 12,5 Prozent für zahlreiche Handelspartner an. Das stärkt den Dollar zusätzlich und verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums.
Notenbanken kaufen weiter
Auf der Nachfrageseite zeichnen sich trotzdem stützende Faktoren ab. Die chinesische Zentralbank hat ihre Goldreserven im ersten Halbjahr 2026 bereits um 40 Tonnen aufgestockt. Das übertrifft die Käufe des kompletten Vorjahres von 27 Tonnen deutlich.
Auch institutionelle Investoren nutzen das aktuelle Kursniveau offenbar für gezielte Zukäufe. Hedgefonds-Manager John Paulson bekräftigte kürzlich seine bullishe Einschätzung. Er sieht den Markt lediglich in einer frühen Phase eines langfristigen Aufwärtstrends und begründet dies mit schwindendem Vertrauen in Papierwährungen.
Charttechnisch gilt die Zone um 4.000 Dollar nun als entscheidende Unterstützung. Hält diese Marke, könnte Gold den seit Juni bestehenden Abwärtstrend noch brechen. Rutscht der Kurs darunter, dürfte der Verkaufsdruck aus dem Anleihemarkt weiter dominieren.
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