Gold: 4.055,70 Dollar am Freitag
Die Feuerpause zwischen USA und Iran stützt den Goldpreis, während die Fed-Sitzung am Mittwoch neue Impulse für das Edelmetall liefern könnte.

- Nahost-Waffenstillstand treibt Goldkurs
- Ölpreis bricht nach Feuerpause ein
- Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch erwartet
- Zentralbanken stocken Goldreserven auf
Der Goldpreis bewegt sich am Montag in einem angespannten, aber vorsichtig optimistischen Marktumfeld. Nachdem die USA am Wochenende ihre Angriffe auf den Iran nach 13 Tagen ausgesetzt hatten und auch Teheran seine Vergeltungsschläge einstellte, reagierten die Rohstoffmärkte prompt: Der Ölpreis brach deutlich ein, während das Edelmetall von der nachlassenden Kriegsprämie und einem schwächeren Dollar profitierte. Am Freitag schloss Gold bei 4.055,70 Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,08 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 1,09 Prozent zu Buche.
Nahost-Deeskalation drückt Ölpreis, stützt Gold
Die Feuerpause zwischen Washington und Teheran markiert eine überraschende Wende in einem Konflikt, der seit dem 28. Februar für Nervosität an den Märkten gesorgt hatte. Oman vermittelt inzwischen in der heiklen Frage der Straße von Hormus, während Berichte darauf hindeuten, dass das Weiße Haus einen größeren Militärschlag gegen den Iran verworfen hat – dem Vernehmen nach auch wegen schwindender Luftabwehr-Bestände. Ganz beruhigt hat sich die Lage dennoch nicht: Huthi-Angriffe auf saudische Anlagen im Roten Meer nehmen laut Berichten zu, ein formeller Waffenstillstand steht weiterhin aus.
Für den Goldpreis bedeutete die Nachricht zunächst einen kräftigen Schub am Montagmorgen, nachdem der Ölpreis um teils mehr als fünf Prozent nachgegeben hatte. Ein schwächerer Dollar-Index verstärkte die Kaufbereitschaft zusätzlich. Am Terminmarkt bauten Investoren ihre Netto-Long-Positionen an der COMEX zuletzt um mehrere Tausend Kontrakte aus – ein Signal, dass spekulatives Kapital trotz der jüngsten Korrektur an der grundsätzlichen Aufwärtsstory festhält. Silber, Platin und Palladium zogen im selben Umfeld ebenfalls an.
Fed-Sitzung diese Woche im Fokus
Anleger richten den Blick nun auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank, die für Mittwoch erwartet wird. Die Bank Citi rechnet trotz des zwischenzeitlichen Ölpreisanstiegs mit einer unveränderten Leitzinsspanne und einem insgesamt taubenhaften Ton der Fed – der Markt überschätze die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung, die Citi-Analysten bei lediglich rund 30 Prozent verorten. Begründet wird die Einschätzung mit einer schwächeren Kerninflation im Juni und nachlassendem Lohnwachstum. Dissens innerhalb des Offenmarktausschusses gilt als möglich, Beobachter erwarten abweichende Stimmen der Notenbanker Hammack und Logan. Citi geht zudem davon aus, dass die Fed ihren Zinssenkungszyklus ab Oktober wieder aufnehmen könnte.
Eine als „dovish“ interpretierte Fed-Entscheidung würde tendenziell Anleiherenditen und Dollar drücken – ein Umfeld, das zinslosem Gold traditionell in die Karten spielt. Umgekehrt bliebe bei einer restriktiveren Tonlage kurzfristig Gegenwind für den Goldpreis zu erwarten, zumal die japanische Dienstleistungspreisentwicklung im Juni durch anhaltend hohe Frachtkosten infolge des Nahost-Konflikts bereits Inflationsdruck signalisiert.
Zentralbanken kaufen weiter, Analystenziele bleiben hoch gesteckt
Strukturelle Unterstützung erhält der Goldpreis von der Nachfrage der Notenbanken. Nach korrigierten Angaben der chinesischen Zentralbank erwarb das Institut im Mai rund 9,95 Tonnen Gold – ein weiterer Baustein in einer mehrjährigen Serie offizieller Aufstockungen, mit denen Peking seine Devisenreserven diversifiziert. Der Anteil von Gold an den globalen offiziellen Währungsreserven liegt Berichten zufolge inzwischen bei rund 27 Prozent.
Die Kursziele der großen Häuser für Gold reichen weiterhin von vorsichtig bis sehr optimistisch. Während Citi mittelfristig eine Marke von 4.300 Dollar für realistisch hält, sehen andere Institute deutlich höhere Notierungen im weiteren Jahresverlauf. Nach dem Rekordhoch von 5.626,80 Dollar Ende Januar hat sich der Preis spürbar zurückgebildet – der aktuelle Stand liegt 27,92 Prozent darunter. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 Dollar Ende Oktober besteht dagegen nur noch ein geringer Abstand von knapp vier Prozent, was die jüngste Stabilisierung unterstreicht. Charttechnisch gilt ein nachhaltiger Sprung über die Widerstandszone bei rund 4.350 Dollar als Signal für eine Fortsetzung der langfristigen Aufwärtsbewegung, während ein Verbleib darunter die laufende Korrekturphase bestätigen würde.
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