Gold: 4.068 Dollar unter Zins-Druck
Trotz geopolitischer Spannungen fällt der Goldpreis. Steigende US-Inflation und Zinserhöhungen belasten das Edelmetall.

- Goldpreis fällt trotz Nahost-Krise
- Hohe Inflation zwingt Fed zu Zinserhöhung
- Zentralbanken kaufen günstiges Gold
- Starker Dollar bremst Erholung
Krisen im Nahen Osten treiben normalerweise den Goldpreis. Aktuell passiert das genaue Gegenteil. Die Blockade der Straße von Hormuz drückt massiv auf die Notierungen. Am Donnerstagmorgen pendelte der Spotpreis bei rund 4.068 US-Dollar je Feinunze. Das ist weit entfernt vom Januar-Rekord. Damals kratzte das Edelmetall an der Marke von 5.600 Dollar.
Teures Öl zwingt Fed zum Handeln
Der Grund für diesen Druckaufbau liegt in der Energiekrise. Der Iran blockiert seit Februar die wichtigste Öl-Handelsroute. Parallel dazu schießen die weltweiten Energiepreise nach oben. Das treibt die US-Inflation. Sie kletterte im Juni auf 4,2 Prozent.
Für Goldanleger wird diese Teuerung zum Problem. Das Edelmetall gilt zwar als klassischer Inflationsschutz. Allerdings zwingen die hohen Raten die US-Notenbank zu einem harten Kurs. Die Folge: Zinsdruck. Fed-Chef Kevin Warsh beharrt eisern auf dem Inflationsziel von 2,0 Prozent.
Marktbeobachter erwarten deshalb im September eine weitere Zinserhöhung. Das macht zinslose Anlagen wie Gold im direkten Vergleich zu Staatsanleihen unattraktiv.
Zentralbanken greifen zu
Trotz der Preiskorrektur bleibt ein Segment stark. Zentralbanken nutzen die günstigeren Kurse gezielt aus. Allein im ersten Quartal kauften sie netto 244 Tonnen Gold. Vor allem Polen, Kasachstan und Brasilien bauten ihre Reserven massiv auf.
Finanzinvestoren ziehen sich indes zurück. Aus Gold-ETFs flossen im Mai rund 16 Tonnen Kapital ab. Dieser Negativtrend setzte sich im Juni fort. Viele Anleger rotieren stattdessen in Technologiewerte. Rund 298 Tonnen des ETF-Goldes stecken derzeit unterhalb der 4.000-Dollar-Marke in der Verlustzone. Das baut bei Erholungsversuchen einen massiven technischen Widerstand auf.
Harter Widerstand im Dollarraum
Der starke US-Dollar bremst einen Kurswechsel zusätzlich aus. Da internationale Goldkäufe in Dollar abgerechnet werden, verteuert der feste Wechselkurs das Edelmetall. Dennoch bleibt die Volatilität extrem hoch. Beim Broker Capital.com machte Gold im zweiten Quartal mehr als 42 Prozent des gesamten Handelsvolumens aus.
Große Banken positionieren sich nun für das Jahresende. JPMorgan erwartet im vierten Quartal einen Kurs von 4.500 US-Dollar. Goldman Sachs senkte seine Prognose hingegen auf 4.900 US-Dollar ab.
Eine Rückkehr zum Aufwärtstrend knüpfen Analysten an eine klare Bedingung. Erst eine Entspannung im Iran-Konflikt kann die Energiepreise drücken. Fällt dieser Preistreiber weg, nimmt das den Druck von der restriktiven US-Zinspolitik.
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