Gold: 4.320 Dollar je Feinunze
Steigende US-Anleiherenditen und Zinserwartungen belasten Gold trotz anhaltender Rekordkäufe durch Zentralbanken.

- Goldpreis fällt auf tiefsten Stand seit zwei Monaten
- US-Renditen steigen und erhöhen Opportunitätskosten
- Zentralbanken kaufen weiter, ETF-Anleger verkaufen
- Inflationsdaten aus USA als nächster wichtiger Test
Der Goldpreis steht unter Druck — und das trotz rekordhoher Käufe durch Zentralbanken. Was fehlt, ist die Unterstützung der westlichen Finanzinvestoren. Steigende US-Anleiherenditen machen das zinslose Edelmetall gerade unattraktiv.
Am Dienstag fiel der Spotpreis um 0,2 Prozent auf rund 4.320 Dollar je Feinunze. Bereits am Montag hatte Gold den tiefsten Stand seit mehr als zwei Monaten markiert. Der Schlusskurs lag bei 4.281,80 Dollar — rund 7,5 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Mit einem RSI von knapp 31 nähert sich das Metall überverkauftem Terrain.
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Renditen als Hauptbelastung
Die zehnjährige US-Staatsanleihe erreichte ein Zwei-Wochen-Hoch bei der Rendite. Das erhöht die Opportunitätskosten für Gold direkt. Wer festverzinsliche Papiere hält, bekommt mehr — wer Gold hält, bekommt nichts.
Händler preisen laut CME FedWatch eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent für eine weitere Zinserhöhung bis Dezember ein. Für Gold ist das ein klares Gegenwind-Signal. Höhere Zinsen stützen den Dollar und machen Anleihen attraktiver.
Heute Mittag folgt der nächste Test: Das US Bureau of Labor Statistics veröffentlicht um 8:30 Uhr New Yorker Zeit den Inflationsbericht für Mai. Im April lagen die Verbraucherpreise 3,8 Prozent über dem Vorjahr. Energiepreise trieben dabei mit einem Plus von fast 18 Prozent besonders stark an.
Zentralbanken kaufen, ETF-Anleger verkaufen
Das Nachfragebild ist gespalten. Der SPDR Gold Trust, der weltgrößte goldgedeckte ETF, meldete zuletzt einen Rückgang seiner Bestände um 0,5 Prozent auf knapp 930 Tonnen. Westliche Finanzinvestoren ziehen sich zurück.
Chinas Zentralbank kauft dagegen unverdrossen. Im Mai erhöhte sie ihre Goldreserven um rund zehn Tonnen auf fast 2.332 Tonnen. Es war der 19. Monat in Folge mit Zukäufen. Kein Wunder, dass strukturelle Bullen auf diese Zahl verweisen.
Das World Gold Council bestätigt das Bild für das erste Quartal: Die globale Goldnachfrage erreichte 1.231 Tonnen — zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Zentralbanken bauten Reserven netto um 244 Tonnen aus. Die Minenproduktion erzielte einen Rekord für ein erstes Quartal.
Geopolitik reicht nicht als Gegengewicht
Der fragile Waffenstillstand zwischen Israel und Iran liefert zwar einen Grund zur Absicherung. Aber er reicht nicht, um den Renditedruck zu neutralisieren. Das liegt an einer unangenehmen Mechanik: Steigende Energiepreise können Inflationserwartungen und US-Renditen nach oben treiben. Damit schadet der gleiche Schock, der Gold stützen sollte, dem Metall über den Zinskanal.
Der Mai-Inflationsbericht wird zeigen, wie stark dieser Mechanismus gerade wirkt. Fällt die Inflation überraschend hoch aus, dürften Zinserhöhungserwartungen weiter steigen — und Gold weiter unter Druck geraten. Ein schwächerer Wert könnte die Dynamik drehen und die strukturelle Zentralbanknachfrage wieder stärker in den Vordergrund rücken.
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