Gold: 45 Prozent der Notenbanken planen Käufe

Trotz deutlicher Kursverluste beim Goldpreis stocken Zentralbanken weltweit ihre Reserven auf. Polen und China treiben die Nachfrage an.

Die Kernpunkte:
  • Notenbanken kaufen 41 Tonnen Gold im Mai
  • Polen akkumuliert 82 Tonnen im ersten Halbjahr
  • Goldpreis fällt 26,8 Prozent vom Rekordhoch
  • Analysten uneins über kurzfristige Kursentwicklung

Während der Goldpreis seit seinem Rekordhoch Ende Januar kräftig nachgegeben hat, bauen Notenbanken weltweit ihre Bestände weiter aus. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken im Mai 2026 netto 41 Tonnen Gold hinzu. China erwarb im Juni 15 Tonnen und setzte damit seine Käufe den 20. Monat in Folge fort. Polens Notenbank NBP akkumulierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 82 Tonnen, davon rund 19 Tonnen allein im Juni. Notenbankgouverneur Glapiński bezeichnete das Vorgehen als bewusstes Kaufen der Korrektur und nannte als Ziel einen Gesamtbestand von 700 Tonnen – aktuell hält Polen 632,4 Tonnen. Eine Umfrage des World Gold Council ergab zudem einen Rekordwert: 45 Prozent der befragten Notenbanken planen, ihre Reserven in den kommenden zwölf Monaten weiter aufzustocken.

Auch Indien meldete zuletzt steigende Goldreserven. Die Devisenreserven des Landes legten in der Woche zum 3. Juli um 7,26 Milliarden US-Dollar auf 674,193 Milliarden US-Dollar zu, der Goldanteil daran stieg um 2,669 Milliarden auf 105,205 Milliarden US-Dollar.

Kursbild: Konsolidierung nahe Jahrestief

Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.118,80 US-Dollar je Feinunze und gab dabei um 0,33 Prozent nach. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,64 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein leichtes Plus von 0,60 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Preis 5,14 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 US-Dollar, erreicht am 29. Januar 2026, trennen den Goldpreis inzwischen 26,80 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 US-Dollar vom 28. Oktober 2025 beträgt der Abstand dagegen nur noch 5,58 Prozent. Damit bewegt sich Gold spürbar unter seinen gleitenden Durchschnitten: Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 4.365,31 US-Dollar, der 100-Tage-Durchschnitt bei 4.599,25 US-Dollar und der 200-Tage-Durchschnitt bei 4.539,07 US-Dollar – letzterer wird um 9,26 Prozent unterschritten. Der RSI notiert mit 43,4 im neutralen Bereich, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 27,01 Prozent auf weiterhin nervöse Handelsbedingungen hindeutet.

Parallel zur physischen Nachfrage der Notenbanken zeigte sich bei börsengehandelten Goldfonds ein gegenläufiges Bild: Gold-ETFs verwalteten Ende Juni weltweit rund 526 Milliarden US-Dollar, nach einem Rückgang von 6 Prozent im ersten Halbjahr. Der physische Bestand wuchs dennoch um 18 Tonnen, getragen von starken Zuflüssen aus Asien. Der World Gold Council rechnet mit einer insgesamt stabilen Entwicklung.

Analysten uneins über kurzfristigen Kurs

Die Einschätzungen der Investmentbanken zur weiteren Richtung gehen auseinander. Bernstein hob sein Kursziel für 2026 auf 4.533 US-Dollar an, für das zweite Halbjahr wird ein Zielwert von 4.375 US-Dollar genannt. Die Analysten verweisen auf die Korrektur im zweiten Quartal, die den Preis von rund 4.650 auf etwa 4.000 US-Dollar drückte – ein Rückgang von 14 Prozent vom Hoch zum Tief. Als Ursache nennt Bernstein den Anstieg der Realrenditen von 2,00 auf 2,28 Prozent. Für die kommenden zwölf Monate erwartet das Haus null bis zwei Zinserhöhungen der US-Notenbank. Notenbankkäufe und begrenzte ETF-Abflüsse gelten als stützende Faktoren.

Bank of America senkte dagegen ihr kurzfristiges Kursziel, verweist dabei auf einen stärkeren Dollar und veränderte Zinserwartungen. An der langfristig bullischen Einschätzung hält das Institut jedoch fest: Notenbankkäufe, geopolitische Risiken und strukturelle geldpolitische Trends blieben intakt, die Korrektur sei in einem laufenden Aufwärtstrend normal.

Hintergrund der Zinsdiskussion ist der halbjährliche Geldpolitikbericht der Federal Reserve vom 10. Juli, dem ersten unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Darin bezeichnet die Notenbank die Inflation als erhöht, getrieben durch Zölle, den Nahost-Konflikt und den Ausbau der KI-Infrastruktur. Der Arbeitsmarkt gilt mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent als stabil.

Saisonales Muster und Zyklen

Eine Analyse von GoldSilver ordnet die aktuelle Schwäche in ein längerfristiges Zyklusmodell ein: Neben einem 40- bis 60-jährigen Strukturzyklus und einem rund 16-jährigen monetären Zyklus verweisen die Autoren auf ein saisonales Muster, wonach die Monate Juni und Juli traditionell die schwächste Phase markieren, während August bis Februar historisch die stärkste Periode bilden. Das Verhältnis von Dow Jones zu Gold liegt aktuell bei etwa 11 und damit unter dem langfristigen Durchschnitt von 15 – aus Sicht der Analysten ein Hinweis darauf, dass Gold im Vergleich zu Aktien historisch nicht überbewertet ist. Die anhaltenden Käufe der Notenbanken werden dabei als struktureller Unterbau des laufenden Zyklus gewertet.

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