Gold: 4,51 Prozent Wochengewinn
Gold steigt auf 4.160 US-Dollar, getrieben von geopolitischen Spannungen und einem schwächeren Dollar. Analysten uneins über weiteres Potenzial.

- Goldpreis steigt auf 4.160 US-Dollar
- Iran-Konflikt und schwacher Dollar als Treiber
- Analysten uneins über weiteres Potenzial
- Zentralbanken bleiben strukturelle Käufer
Der Goldpreis hat seine Erholung fortgesetzt und sich deutlich von der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar je Feinunze entfernt. Am Mittwoch schloss die Feinunze bei 4.159,80 US-Dollar, ein Plus von 1,91 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht seit sieben Handelstagen ein Zuwachs von 4,51 Prozent zu Buche. Getrieben wird die Bewegung von einer eskalierenden Lage im Nahen Osten und einem schwächelnden US-Dollar, der Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger macht.
Iran-Konflikt und schwacher Dollar treiben den Kurs
Die USA griffen Ende Juli bereits die elfte Nacht in Folge Ziele im Iran an, erstmals auch die Hauptstadt Teheran. Präsident Trump drohte zusätzlich mit Angriffen auf Brücken und Kraftwerke, sollte der Iran weiter Schiffe in der Straße von Hormus beschießen. Die Ölpreise reagierten kräftig, Brent stieg auf über 95 US-Dollar je Barrel und damit auf den höchsten Stand seit Juni. Diese geopolitische Anspannung stützte die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen, auch wenn die hohen Ölpreise laut dem Analysten Ricardo Evangelista von ActivTrades zugleich die Aufwärtsbewegung begrenzen, weil sie Inflationssorgen schüren und die Zinspolitik der Notenbanken verkomplizieren. Evangelista sieht die Marke von 4.000 US-Dollar als starke Unterstützung, seit Gold Ende Juni kurzzeitig darunter gerutscht war.
Parallel dazu fiel der US-Dollar nach vier Tagen mit Gewinnen zurück, was laut Reuters auch den japanischen Yen nahe seinem 40-Jahres-Tief hielt. Der Analyst Lukman Otunuga von FXTM verwies darauf, dass der Ausbruch über die Marke von 4.140 US-Dollar zusätzliche technische Käufe auslöste. Im Blick der Marktteilnehmer steht nun die kommende Sitzung der US-Notenbank: Umfragen zufolge dürfte die Fed die Zinsen im laufenden Jahr zunächst unverändert lassen, während Markterwartungen einer Erhebung zufolge mit rund 76 Prozent Wahrscheinlichkeit auf eine Zinserhöhung im September setzen. Der Kursverlauf bleibt damit an technischen Marken orientiert: Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.265,93 US-Dollar, aktuell notiert Gold noch rund 2,49 Prozent darunter – ein Hinweis darauf, dass die Erholung von den jüngsten Tiefs zwar Fahrt aufgenommen hat, aber noch nicht abgeschlossen ist.
Analysehäuser uneinig über weiteren Kursverlauf
Nach dem kräftigen Rückgang vom Rekordhoch bei rund 5.600 US-Dollar Ende Januar bis in den Bereich um 4.000 US-Dollar zeigen sich die großen Häuser gespalten. Wells-Fargo-Stratege Sameer Samana warnte vor kurzfristigem Abwärtsrisiko bis 3.500 US-Dollar, sieht aber ein deutlich attraktiveres Chance-Risiko-Verhältnis: Einem möglichen Rückschlag von 500 Dollar stehe ein Aufwärtspotenzial von 1.500 Dollar gegenüber, mit einem Jahresendziel 2026 zwischen 5.300 und 5.500 US-Dollar und einer weiteren Anhebung auf 5.800 bis 6.000 Dollar im Jahr 2027. Deutsche Bank kalkuliert für 2026 mit 4.800 US-Dollar, Goldman Sachs mit 4.900 Dollar, ANZ mit 5.600 Dollar zum Jahresende. Die Vermögensverwaltung Schroders sieht kurzfristigen Druck durch die Fed-Politik, erwartet aber, dass der Markt binnen drei bis sechs Monaten die negativen Faktoren verarbeitet und die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken wieder in den Vordergrund rückt.
Ein deutliches Stimmungssignal lieferte zudem eine Umfrage von Bank of America unter Fondsmanagern: Netto sechs Prozent der Befragten halten Gold für unterbewertet – die erste negative Messung seit März 2023, ein Kontraindikator, der historisch oft auf einen nahenden Boden hindeutet. Der frühere BlackRock-Manager Ed Dowd geht sogar davon aus, dass Gold im Zuge einer heraufziehenden Kreditkrise bis 2030 die Marke von 10.000 US-Dollar erreichen könnte.
Zentralbanken bleiben Käufer trotz Gegenwind
Strukturell bleibt die Nachfrage der Notenbanken die wichtigste Stütze. Die chinesische Notenbank kauft weiterhin Gold, ihr Anteil an den Gesamtreserven gilt als noch vergleichsweise niedrig. Einer Umfrage des World Gold Council zufolge planen zahlreiche Zentralbanken weitere Zukäufe. Bemerkenswert: Gold hat US-Staatsanleihen als größten offiziellen Reservewert der Notenbanken weltweit überholt, mit einem Anteil von 27 Prozent gegenüber 22 Prozent für Treasuries. In China allerdings ist die Nachfrage nach physischen Anlagebarren zuletzt spürbar zurückgegangen, während der Schmuckpreis nachgab – ein Zeichen dafür, dass private Anleger nach der Kurskorrektur vorsichtiger geworden sind, während institutionelle und staatliche Käufer weiter zugreifen.
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