Gold: 4,91 Prozent Wochengewinn auf 4.300 Dollar

Gold notiert nahe Wochendurchbruch, getragen von Hormus-Konflikt und Rekord-Nachfrage der Zentralbanken. Analysten sehen weiteres Potenzial.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis steigt um fast fünf Prozent
  • Hormus-Krise treibt sichere Anlage
  • Zentralbanken kaufen 289 Tonnen Gold
  • Analysten erwarten weitere Kursgewinne

Der Goldpreis hält sich am Freitag in unmittelbarer Nähe seines höchsten Niveaus seit Wochen. Nach einem Schlusskurs von 4.299,70 US-Dollar am Donnerstag notiert das Edelmetall damit deutlich über dem Niveau von vor einer Woche – binnen sieben Tagen hat der Preis um 4,91 Prozent zugelegt. Zum im Januar markierten Rekordhoch fehlen dem Metall dennoch gut 23 Prozent, was zeigt: Trotz der jüngsten Stärke ist von der Euphorie des Jahresbeginns wenig übrig geblieben.

Hormus-Spannungen treiben die sichere Anlage

Auslöser der jüngsten Nachfrage nach dem sicheren Hafen sind die Spannungen rund um die Straße von Hormus. Berichte über eine mögliche Einigung zwischen Iran und Oman zur Wiederöffnung der Schifffahrtsroute wechselten sich in den vergangenen Tagen mit Meldungen ab, wonach Iran „feindliche Ziele“ in der Meerenge angegriffen und eine Sperrung für US-amerikanische sowie israelische Schiffe erwogen habe. Die Unsicherheit trieb zugleich den Ölpreis nach oben – Brent-Rohöl legte in diesem Umfeld deutlich zu – und hielt die Nachfrage nach Gold als Absicherung hoch, obwohl ein fester US-Dollar und steigende Fed-Zinserwartungen normalerweise gegen den Goldpreis sprechen würden.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht heute der US-Arbeitsmarktbericht für Juli, der am Nachmittag veröffentlicht wird. Ökonomen rechnen laut einer Reuters-Umfrage mit einem Zuwachs von rund 80.000 Stellen und einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im September wird an den Terminmärkten derzeit bei etwas über 50 Prozent gesehen – eine Zahl, die sich in den vergangenen Tagen mehrfach verschoben hat, je nachdem, wie sich die geopolitische Lage und die Konjunkturdaten entwickelten. Fed-Chef Kevin Warsh hält die Tür für eine Zinsanhebung im September weiterhin offen, was Gold tendenziell belastet, aber die Nahost-Risiken bislang überkompensiert wurden.

Zentralbanken kaufen so viel wie seit Jahren nicht

Strukturelle Unterstützung erhält der Goldpreis vom anhaltenden Kaufinteresse der Notenbanken. Laut dem World Gold Council kauften Zentralbanken im zweiten Quartal netto 289 Tonnen Gold – ein Sprung von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und deutlich mehr als die 56 Tonnen aus dem ersten Quartal. Für das erste Halbjahr summieren sich die Nettokäufe auf 345 Tonnen, was zwar rund ein Fünftel unter dem Vorjahreswert liegt, aber dennoch den höchsten Halbjahreswert seit 2022 markiert. Größte Käufer waren Polen mit 51 Tonnen und China, das seine Reserven bereits den 20. Monat in Folge aufstockt. Bemerkenswert: 45 Prozent der befragten Reservemanager planen laut World Gold Council weitere Goldkäufe – ein Rekordwert in der Umfrage.

Diese offizielle Nachfrage steht im Kontrast zu einem eher verhaltenen privaten Anlegerinteresse. Zwar verzeichneten chinesische Gold-ETFs zuletzt 14 Tage in Folge Zuflüsse, doch auf Quartalsebene meldete der World Gold Council für Anlageprodukte insgesamt Abflüsse von 45 Tonnen. Auch die Schmucknachfrage schwächelte mengenmäßig deutlich, obwohl sie wertmäßig wegen der hohen Preise stieg.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Mit Blick nach vorn zeigen sich mehrere Häuser optimistisch. BCA Research argumentiert, die jüngste Korrektur beim Gold sei ausgestanden, weil die realen Zinsen ihren Höhepunkt erreicht hätten – nicht die Inflation, sondern die Realzinsentwicklung sei der entscheidende Preistreiber. Das Analysehaus empfiehlt den Kauf von Gold mit einem Stop-Loss bei 3.900 US-Dollar je Feinunze und verweist auf die strukturelle Unterstützung durch anhaltende Notenbankkäufe und einen tendenziell schwächeren Dollar. Deutsche Bank geht noch weiter und erwartet bis zum Jahresende einen Goldpreis von 4.700 US-Dollar je Unze; andere Häuser wie State Street halten sogar eine Marke von 5.000 Dollar für möglich.

Für Anleger bleibt der heutige Handelstag richtungsweisend. Fällt der Arbeitsmarktbericht schwächer als erwartet aus, dürften die Zinserhöhungserwartungen für September weiter sinken und Gold zusätzlichen Rückenwind erhalten. Ein überraschend robuster Bericht könnte hingegen den Dollar stärken und kurzfristig Gegenwind für das Edelmetall bedeuten – während die geopolitische Lage rund um die Straße von Hormus die grundsätzliche Nachfrage nach dem sicheren Hafen vorerst hoch halten dürfte.

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