Gold: 5,2 Milliarden Dollar Abflüsse seit Jahresbeginn
Trotz anhaltender Goldkäufe von Zentralbanken verzeichnet der größte Gold-ETF massive Abflüsse. Der Goldpreis fällt unter 4.500 Dollar und entfernt sich vom Allzeithoch.

- 290 Millionen Dollar Abfluss in fünf Tagen
- Goldpreis fällt auf Zweimonatstief
- Chinesische Zentralbank kauft weiter Gold
- US-Inflation dämpft Zinssenkungshoffnungen
Der weltgrößte Gold-ETF SPDR Gold Shares hat erneut Bestände abgebaut. Per 27. Mai 2026 hielt der Fonds 1.034,85 Tonnen — zwei Tonnen weniger als in der Vorwoche. In den vergangenen fünf Handelstagen flossen 290 Millionen US-Dollar ab. Seit Jahresbeginn summieren sich die Abflüsse auf 5,2 Milliarden US-Dollar.
Die Kapitalbewegungen spiegeln die Schwäche beim Goldpreis. Der Kurs fiel zuletzt unter 4.500 US-Dollar und markierte ein Zweimonatstief. Am Freitag schloss Gold bei 4.569,90 US-Dollar, rund 16 Prozent unter dem Allzeithoch vom 28. Januar 2026.
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April-Erholung verpufft im Mai
Global zogen Gold-ETFs im April 6,6 Milliarden US-Dollar an — eine Erholung nach dem März-Rekordabfluss von 12 Milliarden US-Dollar. Europa führte mit 3,7 Milliarden, gefolgt von Asien mit 1,8 Milliarden und Nordamerika mit 1,0 Milliarden US-Dollar.
Diese Erholung verstetigt sich im Mai nicht. Die jüngsten Abflüsse beim SPDR Gold Shares deuten auf anhaltende Zurückhaltung westlicher ETF-Anleger hin. Seit Jahresbeginn liegt der Goldpreis nur noch 5,25 Prozent im Plus — weit entfernt von der Rekordperformance des Vorjahres.
64 Prozent im Vorjahr, Korrektur in 2026
Zwischen Mai 2025 und Mai 2026 stieg der Goldpreis von 3.335 auf 4.732 US-Dollar je Feinunze — ein Plus von 41 Prozent. Das Allzeithoch erreichte das Edelmetall am 28. Januar 2026 bei 5.589 US-Dollar.
2025 verzeichnete Gold mit 64,4 Prozent die stärkste Jahresperformance seit 1979. Die aktuelle Konsolidierung folgt auf diese außergewöhnliche Rally.
Zentralbanken kaufen weiter
Während westliche ETF-Anleger zögern, kaufen Zentralbanken weiter. Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2026 erreichte 1.231 Tonnen mit einem Rekordwert von 193 Milliarden US-Dollar — 74 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.
Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen stieg um 42 Prozent auf 474 Tonnen. Die Goldkäufe der Zentralbanken erreichten im ersten Quartal 244 Tonnen.
Die Volksbank Chinas kaufte im April über 8 Tonnen Gold — die größten monatlichen Zukäufe seit Dezember 2024. Damit verlängerte die PBoC ihre Kaufserie auf 18 aufeinanderfolgende Monate. Die Gesamtbestände liegen bei rund 2.322 Tonnen.
Goldman Sachs erwartet, dass die Zentralbankkäufe 2026 im Durchschnitt auf 60 Tonnen pro Monat steigen werden.
Inflation dämpft Zinssenkungshoffnungen
Ein Energieschock trieb die US-Inflation im April auf 3,8 Prozent — den höchsten Wert seit Mai 2023 und über der Prognose von 3,7 Prozent. Händler haben Zinssenkungen bis Jahresende vollständig aus ihren Erwartungen gestrichen.
Höhere Inflationsrisiken könnten Zentralbanken zwingen, eine restriktive Geldpolitik länger aufrechtzuerhalten. Das erhöht die Anleiherenditen und die Opportunitätskosten des zinslosen Goldes.
Charttechnik: 200-Tage-Linie im Fokus
Kurzfristig steht der Goldpreis unter Korrekturdruck. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 4.639 US-Dollar deckelt aktuell. Bricht der Kurs nachhaltig unter 4.500 US-Dollar, rückt die 200-Tage-Linie in den Fokus.
Notierungen unter diesem langfristigen gleitenden Durchschnitt würden aus charttechnischer Sicht eine negative Signallage bilden. Ziele im Bereich von 3.500 US-Dollar wären dann aktiviert.
Das Analysehaus Incrementum prognostiziert für den Frühsommer 2026 eine volatile Konsolidierung zwischen 4.500 und 4.950 US-Dollar je Unze. Die Kombination aus gestiegener Zentralbanknachfrage und verstärkter privater Nachfrage stützt den Goldpreis fundamental — anhaltende Zins- und Liquiditätsentwicklungen könnten kurzfristig aber zu Volatilität führen.
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