Gold: 52-Wochen-Tief bei 3.901,30 Dollar

Geopolitische Spannungen und Zinsängste drücken den Goldpreis unter die 4.000-Dollar-Marke. Analysten zeigen sich uneins über die weitere Entwicklung.

Die Kernpunkte:
  • Gold fällt unter 4.000 Dollar
  • Geopolitische Spannungen belasten
  • Ölpreisanstieg verstärkt Inflationssorgen
  • Zentralbanken bleiben strukturelle Käufer

000 US-Dollar gefallen. Zum Handelsstart notierte das Edelmetall bei 3.996,40 Dollar je Feinunze, ein Plus von 0,40 Prozent im Tagesverlauf – die Erholung bleibt jedoch zaghaft. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,18 Prozent zu Buche, laut Reuters der größte Wochenverlust seit sechs Wochen. Vom 52-Wochen-Tief bei 3.901,30 Dollar, erreicht am 28. Oktober 2025, trennen den Kurs damit nur noch 2,44 Prozent.

Auslöser der Schwäche ist eine brisante Mischung aus geopolitischer Eskalation und Zinssorgen. Die USA fliegen inzwischen die sechste Nacht in Folge Luftangriffe auf Iran, iranische Medien meldeten getroffene Brücken in der Provinz Hormozgan und einen zerstörten Turm in Chabahar. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist laut Berichten stark eingebrochen, Iran hat die Huthi-Miliz angewiesen, im Gegenzug das Rote Meer für den Handel zu sperren, sollte die US-Infrastruktur angegriffen werden. Das Weiße Haus betonte zwar, der Dialogkanal mit Teheran bleibe offen und Iran strebe ein neues Abkommen an, von einer Entspannung ist an den Märkten aber wenig zu spüren.

Ölpreis trifft Gold gleich zweifach

Die Konsequenz der Eskalation zeigt sich vor allem am Ölmarkt: Brent-Rohöl legte am Freitag um 1,25 Prozent auf 85,28 Dollar zu, WTI stieg um 1,3 Prozent auf 79,98 Dollar – auf Wochensicht summiert sich der Anstieg auf rund 12 Prozent. Das trifft Gold gleich doppelt, wie Marktbeobachter festhalten: Höhere Energiepreise schüren Inflationssorgen und nähren die Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen länger hoch hält, was Gold als zinslose Anlage unattraktiver macht. Gleichzeitig verteuern steigende Ölpreise die Förderkosten der Minenbetreiber und drücken deren Margen.

Von der Fed kommen entsprechend restriktive Signale. Fed-Vorsitzender Warsh bekräftigte das Inflationsziel von 2 Prozent und mahnte vor verfrühter Euphorie, Fed-Vizevorsitzender Jefferson zeigte sich offen für eine weitere Zinserhöhung, sollte sich die Teuerung als hartnäckig erweisen. Auch aus der Dallas-Fed kamen Rufe nach „moderat höheren Zinsen“. Am Terminmarkt wird eine Zinserhöhung im Dezember mittlerweile mit 73 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist.

Analysten uneins zwischen 3.500 und 6.000 Dollar

Die Bandbreite der Prognosen für den weiteren Kursverlauf ist ungewöhnlich groß. Bank of America warnt, die Korrektur sei „noch lange nicht vorbei“ und zieht historische Parallelen zu den Goldbaissen von 1980 und 2011 – volle Kaufbereitschaft empfiehlt das Institut erst zwischen 3.450 und 3.250 Dollar. UBP senkte sein Jahresendziel auf 4.800 Dollar und fährt die Goldallokation im Portfolio auf neutrale 5 Prozent zurück, wartet aber auf eine Waffenruhe im Nahen Osten und klarere Zinssignale, um wieder aufzustocken. Ähnlich vorsichtig positionieren sich Deutsche Bank und Commerzbank mit Jahresendzielen von jeweils 4.800 Dollar, während Citigroup für die kommenden drei Monate sogar nur 4.300 Dollar für realistisch hält. ANZ bleibt mit einem Jahresendziel von 5.600 Dollar demgegenüber optimistischer. Im ungünstigsten Szenario, sollte die Marke von 4.000 Dollar nachhaltig brechen, sehen Marktbeobachter sogar einen Rückfall auf 3.500 Dollar als möglich an, kurzfristig wird aber auch eine technische Erholung in Richtung 4.100 bis 4.150 Dollar nicht ausgeschlossen.

Zentralbanken bleiben strukturelle Käufer

Trotz der kurzfristigen Verkaufswelle bleibt die langfristige Nachfrageseite intakt. Notenbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold, Polen stockte im April um 14 Tonnen auf, China baute seine Bestände laut Berichten den 19. Monat in Folge aus. Einer Umfrage des World Gold Council zufolge planen 83 Prozent der befragten Zentralbanken, ihre Goldreserven binnen zwölf Monaten weiter aufzustocken – ein Anstieg gegenüber 76 Prozent im Vorjahr. Ein Bericht der Europäischen Zentralbank hält zudem fest, dass der Anteil von Gold an den globalen offiziellen Reserven Ende 2025 erstmals seit 1996 den Anteil von US-Staatsanleihen übertraf. Diese strukturelle Nachfrage dürfte den Goldpreis stützen, dürfte den kurzfristigen Druck aus Nahost-Eskalation und Zinserwartungen aber kaum vollständig auffangen.

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