Gold: 60 Prozent weniger Barren-Käufer in Peking

Gold steigt binnen 30 Tagen um neun Prozent, bleibt aber 21 Prozent unter dem Rekordhoch. Banken korrigieren Prognosen, während Notenbanken weiter kaufen.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis erholt sich trotz Korrekturprognosen
  • Chinas Investmentnachfrage bricht um 60 Prozent ein
  • Notenbanken stocken Goldreserven weiter auf
  • Hormus-Krise treibt Ölpreise und Nervosität

Gold notiert am Samstag bei 4.435,00 US-Dollar je Feinunze, nach einem Plus von 0,6 Prozent am Freitag. Über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kurs um 9,0 Prozent verteuert – Anleger reagieren damit spürbar stärker als der Wochenblick von 0,8 Prozent vermuten lässt. Vom Allzeithoch bei 5.586,20 US-Dollar aus Ende Januar bleibt das Edelmetall jedoch 21 Prozent entfernt.

Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Stärke und langfristiger Konsolidierung prägt derzeit die Einschätzungen großer Häuser. Fünf internationale Großbanken haben ihre Goldprognosen zuletzt nach unten korrigiert. Die Commerzbank rechnet für das Jahresende 2026 nur noch mit 4.800 US-Dollar, Citi sieht das Metall auf Sicht von null bis drei Monaten sogar bei 4.300 US-Dollar.

JPMorgan hält im Jahresdurchschnitt 2026 an 5.243 US-Dollar fest, Morgan Stanley erwartet für das zweite Halbjahr 5.200 US-Dollar, ANZ bleibt mit 5.600 US-Dollar zum Jahresende am optimistischsten. Die Bandbreite der Prognosen zeigt, wie uneinig die Analysten über die weitere Richtung sind.

Physische Nachfrage in China bricht ein

Die skeptischeren Einschätzungen finden ihre Entsprechung in der physischen Nachfrage. In Peking ist die Zahl der Käufer von Investmentbarren um rund 60 Prozent zurückgegangen, wie Berichte aus China zeigen.

Der Goldschmuckpreis dort liegt inzwischen bei 1.340 bis 1.370 Yuan je Gramm – etwa 300 Yuan unter dem Niveau vom Jahresanfang. Der Rückgang folgt auf den kräftigen Anstieg der vergangenen Monate und deutet darauf hin, dass private Käufer bei den aktuellen Preisniveaus zurückhaltender werden.

Ganz anders das Bild bei den Notenbanken: Laut Berichten zur chinesischen Zentralbank hat diese ihre Goldreserven im Mai um 32 Millionen Unzen aufgestockt – der 19. Monat in Folge mit Zukäufen. Der Goldanteil an Chinas Reserven liegt inzwischen bei 8,8 Prozent.

Auf globaler Ebene hat Gold laut einem Bericht der Europäischen Zentralbank vom Juni erstmals US-Staatsanleihen als größten Bestandteil der offiziellen Reserven überholt: 27 Prozent entfallen auf Gold, 22 Prozent auf US-Staatsanleihen.

Geopolitik als zusätzlicher Treiber

Neben der Zentralbanknachfrage sorgt die Eskalation um die Straße von Hormus für zusätzliche Nervosität an den Märkten. US-Präsident Trump kündigte an, die Meerenge nach einem Sieg über den Iran zum US-Territorium erklären zu wollen, während der Iran eine Kontrolle durch Teheran reklamiert.

Nur zwei Schiffe passierten die Straße am Freitag, wie Daten von Kpler zeigen. Die Ölpreise reagierten mit deutlichen Aufschlägen, was die Nervosität an den Rohstoffmärkten insgesamt erhöht.

Charttechnisch bleibt das Bild uneinheitlich: Der Kurs notiert 6,3 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.170,72 US-Dollar, liegt aber noch 2,4 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 4.544,58 US-Dollar.

Für Anleger bedeutet das eine Gemengelage aus struktureller Nachfrage durch Notenbanken, nachlassender privater Kauflust in China und geopolitischen Risikoprämien – ein Umfeld, in dem die Prognosespanne der Großbanken vorerst bestehen bleiben dürfte.

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