Gold: 7,35 Prozent in sieben Tagen

Schwache US-Jobdaten senken Zinserwartungen und treiben Gold auf 4.399 Dollar. Zentralbanken, allen voran China, stützen den Preis weiter.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis springt um 2,33 Prozent
  • US-Jobbericht enttäuscht Erwartungen deutlich
  • Fed-Zinserhöhungsrisiko sinkt auf 44 Prozent
  • Chinas Notenbank kauft 20 Tonnen Gold

Der Goldpreis hat am Freitag einen kräftigen Sprung hingelegt. Auslöser war ein enttäuschender US-Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen an eine geldpolitische Straffung der Federal Reserve deutlich dämpfte. Zum Handelsschluss stand die Feinunze bei 4.399,80 US-Dollar, ein Plus von 2,33 Prozent auf Tagesbasis. Damit setzt das Edelmetall seine Erholung der vergangenen Woche fort: Binnen sieben Tagen kletterte der Preis um 7,35 Prozent.

Schwacher Jobbericht befeuert Rally

Das US-Arbeitsministerium meldete für Juli einen Stellenabbau außerhalb der Landwirtschaft von 23.000 Jobs – Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von rund 80.000 Stellen gerechnet. Zusätzlich wurden die Werte für Mai und Juni um insgesamt etwa 100.000 Stellen nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote fiel dennoch überraschend auf 4,1 Prozent, die Erwerbsquote sank laut Berichten auf den niedrigsten Stand seit 50 Jahren ohne Corona-Effekt. Die Stundenlöhne legten nur um 0,1 Prozent zum Vormonat zu, im Jahresvergleich um 3,2 Prozent.

Die Fed hält ihren Leitzins derzeit bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Zuletzt hatten Protokolle der US-Notenbank gezeigt, dass einzelne Mitglieder angesichts anhaltender Inflationssorgen sogar für eine sofortige Zinserhöhung plädierten. Der schwache Jobbericht kühlte diese Erwartungen jedoch merklich ab: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September fiel dem CME-FedWatch-Indikator zufolge auf 44 Prozent, nachdem sie zuvor noch bei 55 Prozent gelegen hatte. Sinkende Zinserhöhungswahrscheinlichkeiten gelten traditionell als stützend für Gold, das keine laufenden Zinsen abwirft.

Die Reaktion an den Finanzmärkten fiel insgesamt risikofreudig aus: Der S&P 500 schloss am Freitag auf einem Rekordhoch von 7.757,64 Punkten, der Nasdaq gewann 1,30 Prozent. Parallel dazu flossen an einem einzigen Tag rund 15,3 Milliarden US-Dollar in Indexfonds, wobei sowohl der S&P-500-Tracker SPY als auch der Gold-ETF GLD zu den größten Gewinnern zählten – ein Hinweis darauf, dass Anleger sowohl in Aktien als auch in Absicherungen investierten.

Zentralbanken bauen Goldreserven weiter aus

Neben der Zinsdebatte stützt strukturelle Nachfrage von Notenbanken den Goldpreis. Die chinesische Zentralbank PBOC hat ihre Goldreserven im Juli um rund 20 Tonnen aufgestockt – die größte monatliche Erhöhung seit Oktober 2023 und bereits der 21. Monat in Folge mit Zukäufen. Die Gesamtbestände erreichten damit rund 2.366 Tonnen, seit Jahresbeginn kamen netto etwa 60 Tonnen hinzu. Berichten zufolge verlagert die PBOC zudem Teile ihrer Reserven von London nach Hongkong. Auch die tschechische Notenbank und Kasachstan bauten ihre Bestände zuletzt aus, um 1,7 Tonnen beziehungsweise 1 Tonne. Südkorea wolle laut Berichten erstmals seit 13 Jahren wieder Gold kaufen – der Goldanteil an den Reserven der Bank of Korea liegt mit rund 8 Prozent deutlich unter dem globalen Durchschnitt von etwa 27 Prozent, was Nachholpotenzial signalisiert.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Trotz der jüngsten Kursgewinne bleibt der Goldpreis noch klar unter seinem Rekordhoch. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 US-Dollar aus Ende Januar beträgt aktuell 21,24 Prozent. Analysten von StoneX und der Deutschen Bank sehen den Preis dennoch auf dem Weg zu 4.600 US-Dollar. Der aktuelle RSI-Wert von 66,4 signalisiert eine dynamische, aber noch nicht überkaufte Marktlage. Gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt notiert der Preis bereits deutlich höher, während der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt noch leicht negativ ist – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Erholung erst begonnen hat, den mittelfristigen Abwärtstrend seit dem Januar-Hoch aufzuholen.

Für die kommenden Wochen dürfte der Blick der Anleger auf weiteren US-Konjunkturdaten sowie auf den nächsten Zinsentscheiden der Fed liegen. Sollten sich die Signale einer schwächeren Konjunktur verdichten, könnte die Kombination aus sinkenden Zinserwartungen und anhaltenden Notenbankkäufen dem Goldpreis weiteren Rückenwind verschaffen.

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