Gold: 89 Prozent der Notenbanken kaufen weiter

Trotz schwachem Goldpreis und stärkstem Quartalsminus seit 13 Jahren stocken Notenbanken weltweit ihre Reserven massiv auf.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis fällt unter 4.000 Dollar
  • Notenbanken kaufen 41 Tonnen im Mai
  • China erhöht Reserven 20. Monat in Folge
  • Starker Dollar belastet kurzfristige Stimmung

Der Goldpreis kämpft mit Schwäche, während Zentralbanken weltweit so viel Gold kaufen wie selten zuvor. Diese Diskrepanz prägt die neue Handelswoche.

Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.127,60 US-Dollar. Auf Wochensicht bedeutet das ein Minus von 1,43 Prozent, auf Monatssicht steht dagegen ein Plus von 0,81 Prozent. Seit Jahresbeginn hat Gold trotzdem 4,93 Prozent verloren, die Marke von 4.000 Dollar hält sich aber weiterhin.

Zentralbanken auf Rekordkurs

Während der Kurs schwächelt, kaufen Notenbanken weiter kräftig zu. Im Mai 2026 stockten sie ihre Reserven netto um 41 Tonnen auf, gegenüber 17 Tonnen im Vormonat. Polen, China und Chile führen den Trend an.

Besonders auffällig ist China. Peking erhöhte seine Reserven im Mai um 15 Tonnen. Das ist bereits der 20. Monat in Folge mit Zukäufen.

Auch kleinere Notenbanken folgen dem Muster. Die Bank of Tanzania kaufte innerhalb von 18 Monaten rund 28 Tonnen Gold, im Gegenwert von etwa 3,68 Milliarden US-Dollar.

Der Trend zieht sich über Kontinente hinweg. Indien meldete für die Woche zum 4. Juli 2026 einen Anstieg seiner Goldreserven um 2,67 Milliarden auf 105,21 Milliarden US-Dollar. Auch die gesamten Devisenreserven des Landes legten in dieser Woche kräftig zu.

Der World Gold Council bestätigt den Trend in einer aktuellen Umfrage. 89 Prozent der befragten Notenbanken erwarten weiter wachsende Goldreserven. Ein Rekordanteil von 45 Prozent plant sogar zusätzliche Käufe im kommenden Jahr.

Schwächstes Quartal seit 13 Jahren

Trotz der robusten Notenbanknachfrage steckt der Goldpreis in einer schwachen Phase. Erst kürzlich fiel die Feinunze erstmals seit November 2025 unter die 4.000-Dollar-Marke.

Am 9. Juli erholte sich der Kurs um 1,3 Prozent. Trotzdem markierte das zweite Quartal 2026 das schwächste Quartal seit 13 Jahren.

Die Gemengelage zeigt ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite untermauert die Kauflust der Notenbanken das langfristige Nachfragefundament. Auf der anderen Seite belasten ein starker Dollar und steigende Anleiherenditen die kurzfristige Stimmung.

Charttechnik: Marken für die neue Woche

Für die neue Woche rücken klar definierte Marken in den Fokus. Als Unterstützung gilt die Zone zwischen 4.000 und 4.050 US-Dollar.

Der Widerstand am Terminmarkt liegt bei 4.200 bis 4.230 US-Dollar.

Die gleitenden Durchschnitte signalisieren weiterhin Abwärtsdruck. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.365,48 US-Dollar, das sind 5,45 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Auch der 200-Tage-Durchschnitt bei 4.539,11 US-Dollar wird verfehlt, der Abstand beträgt 9,07 Prozent.

Der Momentum-Indikator liefert dagegen ein neutrales Bild. Der RSI notiert bei 44,0 und zeigt damit weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei 27,01 Prozent und deutet auf anhaltende Nervosität hin.

Die Handelsspanne des laufenden Zyklus bleibt beträchtlich. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 3.901,30 US-Dollar, erreicht am 28. Oktober 2025.

Das 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar datiert vom 29. Januar 2026.

Die Unterstützungszone zwischen 4.000 und 4.050 US-Dollar dürfte in der neuen Woche erneut auf die Probe gestellt werden. Dann zeigt sich, ob die Käufe aus China, Polen und Tansania den Boden halten. Der starke Dollar und die steigenden Anleiherenditen bleiben der Gegenspieler.

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