Gold: ADP-Schock treibt Preis 2,5 Prozent hoch
Schwache US-Arbeitsmarktdaten treiben Gold auf 4.497,48 Dollar. Zentralbankkäufe stützen den Markt, während Schmucknachfrage und Recycling sinken.

- Gold verteuert sich um 2,5 Prozent
- Zentralbanken kaufen 289 Tonnen
- Polen stockt Goldreserven weiter auf
- Schmucknachfrage fällt um 17 Prozent
Der Goldpreis legt heute kräftig zu und steigt um 2,5 Prozent auf 4.497,48 Dollar je Feinunze. Auslöser der Bewegung sind schwächer als erwartete US-Arbeitsmarktdaten: Der ADP-Bericht vom Mittwoch zeigte für August lediglich 38.000 neue Stellen im Privatsektor — den schwächsten Zuwachs seit Januar und deutlich unter den erwarteten 47.000. Das nährt Spekulationen auf sinkende Zinsen und macht das zinslose Edelmetall für Anleger attraktiver.
Parallel dazu ziehen sich Dollar und US-Staatsanleiherenditen zurück, was Gold zusätzlichen Rückenwind verschafft. New-York-Fed-Präsident John Williams erklärte am Donnerstag, der Inflationsdruck durch Zölle lasse nach, während höhere Energiepreise bislang nicht auf andere Dienstleistungsbereiche übergreifen. Diese Einschätzung dürfte die Erwartung stützen, dass die Fed geldpolitischen Spielraum hat.
Notenbanken kaufen in bisher nie gesehenem Tempo
Hinter der aktuellen Tagesbewegung steht ein strukturelles Muster, das den Goldmarkt seit Monaten prägt: Notenbanken kaufen so aggressiv wie nie. Im zweiten Quartal erwarben Zentralbanken netto 289 Tonnen Gold — 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal und der stärkste je gemessene Wert für ein zweites Quartal. Die globale Goldnachfrage erreichte damit im ersten Halbjahr einen Rekordwert von 380 Milliarden Dollar.
Besonders aktiv zeigte sich Anfang des Jahres Polens Notenbank mit Nettokäufen von mehr als 20 Tonnen im Januar und Februar — Warschau verfolgt einen mehrjährigen Plan, die Reserven angesichts der Sicherheitslage in Osteuropa auf 700 Tonnen aufzustocken.
China meldete im Mai den zwanzigsten Monat in Folge mit steigenden Reserven, die offiziellen Bestände liegen bei rund 2.331 Tonnen. Gegenläufig bewegt sich die Türkei: Die Notenbank verkaufte im Januar und Februar 8,1 Tonnen aus ihren Reserven, um die Lira zu stützen und die hohe lokale Goldnachfrage zu dämpfen.
Laut Handelsblatt zeigt eine Umfrage des World Gold Council unter 74 Zentralbanken, dass 45 Prozent innerhalb der nächsten zwölf Monate Gold kaufen wollen — der höchste je in der Erhebung seit 2018 gemessene Anteil. Diese breite Kaufbereitschaft erklärt, warum Rückschläge am Goldmarkt zuletzt regelmäßig schnell aufgekauft wurden.
Physische Nachfrage bröckelt, Angebot wächst
Nicht alle Nachfragesegmente ziehen mit. Die weltweite Goldnachfrage im zweiten Quartal blieb mit 1.268,9 Tonnen inklusive OTC-Geschäften nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr, legte gegenüber dem ersten Quartal aber leicht um 1 Prozent zu — trotz eines Rückgangs des durchschnittlichen LBMA-Preises um 8 Prozent.
Die Schmucknachfrage brach dagegen um 17 Prozent auf 278,2 Tonnen ein, den niedrigsten Quartalswert seit der Pandemie. Hohe Preise und Inflationsdruck schmälern die Kaufkraft der Konsumenten.
Auf der Angebotsseite förderten die Minen im zweiten Quartal 2 Prozent mehr Gold als im Vorjahr — mit 965,6 Tonnen ein Rekord für dieses Quartal. Das Altgold-Recycling sank dagegen um 6 Prozent auf 326,1 Tonnen, da die Preise unterhalb des Rekordquartals den Anreiz zum Verkauf von Schrottgold verringerten.
Ausblick bleibt bullisch
Nach dem jüngsten Rücksetzer auf ein Dreiwochentief hat sich der Goldpreis binnen 30 Tagen um 10 Prozent verteuert. Marktbeobachter verweisen auf die divergierenden Signale: Während der CME FedWatch Tool zuletzt eine auf 66 Prozent gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September einpreiste, sprechen die schwachen Arbeitsmarktdaten eher für geldpolitische Lockerung.
Diese Unsicherheit dürfte die Volatilität am Goldmarkt vorerst hochhalten. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 26 Prozent – ein Beleg dafür, dass die strukturelle Nachfrage der Notenbanken den Markt bislang stärker prägt als kurzfristige Zinsdebatten.
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