Gold: Bruch der 200-Tage-Linie
Starke US-Arbeitsmarktdaten lassen Gold unter die 200-Tage-Linie fallen und beenden Zinssenkungshoffnungen.

- Gold verliert über drei Prozent
- 200-Tage-Linie charttechnisch durchbrochen
- Open Interest auf Tiefststand seit 2009
- US-Inflationsdaten und Fed-Sitzung im Fokus
Ein starker US-Arbeitsmarktbericht hat Gold in wenigen Stunden um mehr als drei Prozent einbrechen lassen. Der Freitagsschluss bei 4.352,90 US-Dollar bedeutet nicht nur den größten Wochenverlust seit Monaten — er markiert auch den Bruch einer charttechnisch entscheidenden Marke.
Arbeitsmarkt begraben Zinssenkungshoffnungen
172.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft im Mai — fast doppelt so viele wie die erwarteten 85.000 bis 88.000. Diese eine Zahl genügte, um die Zinssenkungserwartungen der Märkte faktisch zu pulverisieren. Marktteilnehmer preisen seither sogar das Risiko erneuter Zinserhöhungen ein.
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Für Gold ist das ein doppelter Gegenwind. Steigende Anleiherenditen machen das zinslose Edelmetall weniger attraktiv. Dazu kletterte der US-Dollar-Index deutlich über 100 Punkte und verteuerte Gold für Käufer außerhalb des Dollar-Raums zusätzlich.
200-Tage-Linie fällt — und bleibt vorerst unten
Der Kursrutsch riss Gold durch zwei Schlüsselmarken gleichzeitig: die psychologische Unterstützung bei 4.500 US-Dollar und die 200-Tage-Linie, die aktuell zwischen 4.380 und 4.400 US-Dollar verläuft. In der technischen Analyse gilt ein solcher Bruch als Warnsignal für das Ende des übergeordneten Aufwärtstrends.
Kehrt der Kurs am Montag nicht unmittelbar über diese Zone zurück, rückt die nächste Unterstützung bei 4.280 US-Dollar in den Blick. Der RSI liegt bei 34,4 — nah am überverkauften Bereich, aber noch kein klares Kaufsignal. Auf Sicht von 30 Tagen hat Gold bereits rund sieben Prozent verloren.
Terminmarkt auf dem niedrigsten Stand seit 2009
Besonders alarmierend ist, was am Futures-Markt passiert. Das Open Interest bei Gold-Futures — also die Zahl offener Kontrakte — ist auf den tiefsten Stand seit 2009 gefallen. In der vergangenen Woche allein sank die Kontraktzahl um weitere acht Prozent auf rund 326.000.
Dass das Open Interest trotz des massiven Freitagsabverkaufs kaum anstieg, ist aufschlussreich: Keine nennenswerten Leerverkäufer drängen in den Markt. Stattdessen werden bestehende Long-Positionen liquidiert — spekulatives Kapital verlässt den Markt, ohne dass neue Käufer nachrücken.
Warsh-Debüt und CPI als nächste Belastungsproben
Zwei Termine werden die kommende Woche prägen. Am Mittwoch erscheinen die US-Verbraucherpreise für Mai. Angesichts gestiegener Energiepreise befürchten Analysten eine hartnäckigere Inflation als erhofft — was den Druck auf Gold verlängern würde.
Am 17. Juni tagt erstmals der Offenmarktausschuss unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der als geldpolitischer Falke gilt. Unveränderte Zinsen sind dabei so gut wie sicher eingepreist. Entscheidend wird der sogenannte Dot Plot: Signalisiert Warsh ein strikteres Regime für das zweite Halbjahr 2026, dürfte Gold erneut unter Druck geraten.
Strukturelle Unterstützung liefern weiterhin die Zentralbanken. Allein 2025 akkumulierten sie weltweit 863 Tonnen Gold; China kaufte im April 2026 den 18. Monat in Folge. Ob diese physische Nachfrage den technischen Verkaufsdruck auffängt, zeigt sich bereits an den Unterstützungsmarken der nächsten Handelstage.
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