Gold: China importiert Rekordmenge

Steigende Zinsen und Renditen drücken auf Gold, während Chinas Einfuhren und anhaltende Käufe der Notenbank Unterstützung bieten.

Die Kernpunkte:
  • Spotgold verliert am Tag 0,6 Prozent
  • Fed-Signale erhöhen Erwartungen weiterer Zinsschritte
  • Chinas Goldimporte übersteigen 1.000 Tonnen
  • TD Securities sieht mittelfristig über 5.000 USD

Gold gerät an den Termin- und Spotmärkten unter spürbaren Verkaufsdruck. Der Spotpreis notiert aktuell bei 4.257,18 USD, was einem Tagesminus von 0,6 Prozent entspricht. Damit liegt das Edelmetall rund 24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.

Für Ernüchterung unter Anlegern sorgt vor allem die veränderte Zinslandschaft. Nach einer Phase relativer Stärke dominieren wieder geldpolitische Sorgen das Geschehen. Höhere Finanzierungskosten und ein erstarkender US-Dollar schmälern die Attraktivität von zinslosen Anlageklassen, während Investoren ihre Erwartungen an die weltweiten Notenbanken neu justieren müssen.

Falkenhafte Fed und steigende Renditen

Den Ausschlag für den jüngsten Stimmungsumschwung gaben Signale der US-Notenbank. Fed-Gouverneur Michael Barr betonte gestern, dass weitere Zinsschritte wahrscheinlich nötig seien, um den Teuerungsdruck einzudämmen. Die Notenbank hatte ihren Leitzins erst in der Vorwoche auf ein Band von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. An den Terminmärkten kletterte die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Anhebung Ende Oktober daraufhin auf rund 70 Prozent.

Diese straffe Haltung traf auf einen ohnehin angespannten Markt für Staatsanleihen. Steigende Renditen zwingen Vermögensverwalter dazu, ihre Portfolios umzuschichten. Wenn festverzinsliche Wertpapiere wieder attraktive Erträge abwerfen, geraten zinslose Sachwerte automatisch unter Rechtfertigungsdruck.

Der Abverkauf bei US-Staatsanleihen beschleunigte sich zuletzt massiv. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg zeitweise über 5,1 Prozent und kletterte damit auf den höchsten Stand seit 2007. Zeitgleich sorgten anziehende Energiepreise und solide Wirtschaftsdaten für Befürchtungen, dass die Inflation hartnäckig bleiben könnte.

Rekordimporte aus Asien stützen den Markt

Trotz des Gegenwinds an den westlichen Finanzmärkten besitzt das Edelmetall an anderer Stelle ein solides Fundament. Die physische Nachfrage erweist sich als bemerkenswert widerstandsfähig. Vor allem im asiatischen Raum nutzen Großanleger und Währungshüter tiefere Notierungen für strategische Zukäufe.

Besonders in China greifen Marktteilnehmer in großem Stil zu. Zollstatistiken belegen, dass die Goldimporte des Landes in den ersten acht Monaten des Jahres die Marke von 1.000 Tonnen überschritten haben. Mit einem Gegenwert von 158,8 Milliarden US-Dollar markieren diese Einfuhren einen historischen Höchststand.

Hinter diesem Importboom steht nicht nur das Interesse privater Anleger an Sachwerten. Auch die People’s Bank of China baut ihre Bestände seit fast zwei Jahren ohne Unterbrechung aus. Marktbeobachter werten diese anhaltenden Käufe als fortlaufende Diversifizierung der Währungsreserven abseits des US-Dollars.

Analysten blicken über die Zinsdelle hinweg

Große Analysehäuser halten an ihren konstruktiven Perspektiven fest. TD Securities rechnet mittelfristig mit Kursen von über 5.000 USD, da die strukturelle Nachfrage den temporären Zinsdruck langfristig ausgleichen dürfte.

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