Gold: China kauft 14,93 Tonnen nach

Gold pendelt um 4.000 Dollar, belastet durch steigende Ölpreise und Zinssorgen, gestützt durch anhaltende Notenbank-Käufe.

Die Kernpunkte:
  • Goldkurs seit Wochen um 4.000 Dollar
  • Ölpreis-Sprung auf über 90 Dollar
  • Chinas Zentralbank kauft weiter Gold
  • Analysten uneins über kurzfristige Richtung

Seit vier Wochen pendelt das Edelmetall um die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar pro Unze, ohne sich nachhaltig nach oben oder unten zu lösen. Am Montag notierte Gold bei 4.012,80 US-Dollar und gab um 0,21 Prozent nach. Damit liegt der Kurs weiterhin rund 6,45 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.289,51 US-Dollar – ein Zeichen, dass der kurzfristige Trend nach unten zeigt. Zum 52-Wochen-Tief vom 28. Oktober 2025 bei 3.901,30 US-Dollar beträgt der Abstand dagegen nur noch 2,86 Prozent, was die Nähe zur Unterstützungszone verdeutlicht.

Ölpreis-Schock und Zinssorgen belasten

Der entscheidende Belastungsfaktor der vergangenen Tage kommt vom Ölmarkt. Laut Handelsblatt sprang der Brent-Preis am 20. Juli auf über 90 Dollar, nachdem die USA nach eigenen Angaben eine neunte Angriffswelle gegen Iran geflogen hatten. US-Präsident Donald Trump erklärte laut FXStreet, die Vereinigten Staaten würden den Iran „sehr hart“ treffen, um getöteter Soldaten zu gedenken. Der Iran reagierte demnach mit Vergeltungsschlägen gegen Kuwait, wo eine Entsalzungsanlage und ein Ölfeld beschädigt wurden; zusätzlich meldete die iranische Revolutionsgarde die Explosion zweier Öltanker in der Straße von Hormus. Laut Tagesspiegel verlegten die USA als Reaktion weitere Kampfflugzeuge des Typs F-16 und F-35 in die Region, während seit Kriegsbeginn 17 amerikanische Soldaten gefallen sein sollen.

Steigende Ölpreise nähren die Inflationssorgen und damit paradoxerweise auch die Erwartung steigender Zinsen – ein Umfeld, das kurzfristig gegen Gold spricht, da höhere Zinsen die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall erhöhen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte laut einem Bericht auf 3,16 Prozent, den höchsten Stand seit Ende Mai. In Deutschland zeigte sich der Inflationsdruck laut Statistischem Bundesamt bereits in den Erzeugerpreisen für Juni: Sie legten um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, wobei Mineralölerzeugnisse infolge des Nahost-Konflikts um 23,7 Prozent teurer wurden.

Notenbanken kaufen weiter Gold

Während kurzfristige Faktoren auf den Kurs drücken, bleibt die strukturelle Nachfrage robust. Chinas Zentralbank kaufte laut einem Bericht im Juni weitere 14,93 Tonnen Gold und verlängerte damit ihre Kaufserie auf 20 Monate in Folge. Die Goldreserven der Volksrepublik summieren sich damit auf 2.346 Tonnen, machen aber weiterhin weniger als zehn Prozent der gesamten Devisenreserven aus. Die Europäische Zentralbank bezifferte den Goldanteil an den weltweiten offiziellen Reservewerten Ende 2025 auf 27 Prozent, gegenüber 20 Prozent zuvor – während der Anteil von US-Staatsanleihen im gleichen Zeitraum von 25 auf 22 Prozent zurückging.

Diese Nachfrage stützt auch die mittelfristigen Prognosen großer Häuser. Goldman Sachs hält an seinem Kursziel von 4.900 US-Dollar bis Ende 2026 fest. JPMorgan rechnet mit einem Durchschnittspreis von 4.300 US-Dollar im dritten und 4.500 US-Dollar im vierten Quartal. Beide Institute begründen ihre optimistischen Einschätzungen mit der anhaltenden Kaufbereitschaft der Notenbanken sowie geopolitischen Risikoprämien.

Analysten uneins über nächste Richtung

Kurzfristig ist das Bild gespalten. Ein Teil der befragten Marktbeobachter sieht die Chance auf einen weiteren Rutsch unter 4.000 Dollar, sollte die kritische Unterstützungszone zwischen 3.886 und 3.940 US-Dollar durchbrochen werden – in diesem Szenario wird sogar ein Test der 3.500-Dollar-Marke nicht ausgeschlossen. Auf der anderen Seite verweisen Analysten auf die anhaltenden Notenbankkäufe und die ungelöste Nahost-Krise als Argumente für eine Bodenbildung. Der aktuelle Relative-Stärke-Index von 40,1 signalisiert dabei weder eine überkaufte noch eine stark überverkaufte Lage, sondern spiegelt die Orientierungslosigkeit des Marktes wider.

Für die kommenden Handelstage dürften vor allem neue Signale der US-Notenbank und die Entwicklung des Iran-Konflikts über die Richtung entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember wird an den Terminmärkten mittlerweile deutlich höher eingepreist als noch vor einer Woche – ein Umstand, der Gold kurzfristig zusätzlich belasten könnte, sollte sich der Trend fortsetzen.

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