Gold: China kauft im 20. Monat

Chinas Notenbank erhöht Goldkäufe trotz fallender Preise und treibt die globale Nachfrage auf hohem Niveau.

Die Kernpunkte:
  • Gold fällt unter 4.050 Dollar
  • Ölpreise schüren Inflationsängste
  • China kauft 14,93 Tonnen Gold
  • Angebotswachstum bleibt begrenzt

Ein Wechselbad der Gefühle beim Goldpreis: Am Dienstag legte das Edelmetall um mehr als zwei Prozent zu. Am Mittwoch rutschte der Kurs wieder ab und fiel zeitweise unter die Marke von 4.050 US-Dollar je Feinunze. Der Schlusskurs vom Dienstag lag bei 4.067,50 US-Dollar – auf Monatssicht steht Gold damit rund 6 Prozent im Minus.

Öl treibt Inflationssorgen wieder an

Der Auslöser für den Rücksetzer: steigende Ölpreise. Neue Spannungen zwischen den USA und Iran heizen die Energiepreise an. Das schürt Sorgen vor einer Rückkehr der Inflation und macht die Zinsaussichten der Fed unberechenbarer.

Noch am Dienstag hatte Gold von schwächer als erwarteten US-Inflationsdaten profitiert. Die annualisierte Rate sank im Juni auf 3,5 Prozent, nach 4,2 Prozent im Mai und unter der Prognose von 3,8 Prozent. Die Märkte preisen weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Fed-Zinserhöhung im September ein.

Die Gemengelage bleibt widersprüchlich. Sinkende Inflationsraten dämpfen einerseits die Zinserwartungen. Andererseits treiben geopolitische Spannungen die Energiepreise – und damit die Inflationssorgen – wieder nach oben.

China kauft schneller als je zuvor

Während private Anleger und ETF-Investoren angesichts der Schwankungen zurückhaltend bleiben, kauft eine Käufergruppe unbeirrt weiter: die Notenbanken. China liefert dafür das deutlichste Beispiel.

Die chinesische Zentralbank verlängerte ihre Kaufserie im Juni auf den 20. Monat in Folge. Sie fügte ihren Reserven 480.000 Feinunzen hinzu, umgerechnet 14,93 Tonnen. Das Tempo überrascht: Gegenüber dem Vormonat legte die Kaufmenge um 50 Prozent zu – ausgerechnet in einer Phase, in der Gold nahe den Tiefständen eines historischen Quartalsrückgangs notierte.

Peking treibt damit sein Ziel voran, die Devisenreserven zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Dennoch macht Gold laut World Gold Council noch immer weniger als 10 Prozent von Chinas Reserveportfolio aus. China ist damit kein Einzelfall: Die weltweiten Zentralbankkäufe haben in den vergangenen drei Jahren jeweils die Marke von 1.000 Tonnen überschritten.

Knappes Angebot als Gegengewicht

Auf der Angebotsseite zeichnet sich kaum Entlastung ab. Metals Focus schätzt, dass das globale Goldangebot 2026 nur um etwa 3 Prozent wachsen wird. Minenproduktion und recyceltes Gold legen demnach nur moderat zu.

Diese Kombination aus knappem Angebot und robuster Notenbank-Nachfrage bildet ein Gegengewicht zu den kurzfristigen Belastungsfaktoren. Das zeigt sich auch technisch: Mit einem RSI von 41,9 ist Gold weder überkauft noch überverkauft, notiert aber rund 6,4 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.345 US-Dollar.

Analysten uneins über die Richtung

Die Einschätzungen zur weiteren Entwicklung gehen auseinander. Einige Häuser senkten ihre kurzfristigen Prognosen – begründet mit höheren Realzinsen und einem festeren Dollar.

HSBC bleibt optimistischer. Die Bank erwartet für die zweite Jahreshälfte 2026 eine Handelsspanne zwischen 3.800 und 4.700 US-Dollar. Zum Jahresende soll Gold demnach bei 4.750 US-Dollar stehen, bis Ende 2027 sieht HSBC einen Anstieg auf 5.025 US-Dollar.

Zum aktuellen 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar, erreicht am 29. Januar 2026, fehlen dem Edelmetall damit noch rund 28 Prozent. Kurzfristig bleibt der Kurs zwischen zwei Polen gefangen: geopolitischen Risikoprämien auf der einen, einer möglicherweise restriktiveren Fed-Politik auf der anderen Seite.

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