Gold: CPI am 10. Juni entscheidend
Goldkurs fällt unter 4.400 Dollar. Entscheidende Impulse von US-Inflationsdaten und erster Fed-Pressekonferenz unter Warsh erwartet.

- Gold verliert 4,75 Prozent in einer Woche
- US-Verbraucherpreise am Mittwoch im Fokus
- Erste Pressekonferenz von Fed-Chef Warsh
- Zentralbanken kaufen weiter kräftig Gold
Die kommende Handelswoche wird für den Goldmarkt richtungsweisend. Am Mittwoch steht mit dem US-Verbraucherpreisindex für Mai der wichtigste Datenpunkt an – und das ausgerechnet eine Woche vor dem ersten Fed-Meeting unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Gold notierte am Freitag bei 4.352,90 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 3,3 Prozent an einem Tag. Auf Wochensicht verliert das Edelmetall 4,75 Prozent, auf Monatssicht sogar 7,03 Prozent. Der RSI liegt bei 34,4 – nahe der überverkauften Zone.
CPI und FOMC: Inflationsdaten als Weichensteller
Der Markt preist eine 98,7-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed ihren Leitzinskorridor von 3,50 bis 3,75 Prozent am 17. Juni unverändert lässt. Verankert ist diese Erwartung im April-CPI, der mit 3,8 Prozent den höchsten Stand seit 2023 auswies – getrieben vor allem durch steigende Energiepreise, Brent-Rohöl notiert über 100 US-Dollar je Barrel.
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Liefert der Mai-CPI am 10. Juni eine Überraschung nach oben, dürfte der Druck auf Gold weiter steigen. Zeigt er eine moderatere Teuerung, könnte das Grundlage für eine Erholung sein. Parallel dazu gilt die erste Pressekonferenz von Fed-Chef Warsh am 17. Juni als das bislang wichtigste geldpolitische Ereignis des Jahres. Nicht nur der Zinsentscheid selbst ist relevant, sondern vor allem der Ton: Signalisiert die Fed wachsende Inflationssorgen, stützt das den Dollar und belastet Gold. Räumt sie Wachstumsrisiken mehr Gewicht ein, sinken die Zinserwartungen – ein potenzieller Katalysator für das Edelmetall.
Zentralbanken bleiben treibende Kraft
Trotz des kurzfristigen Abwärtsdrucks ist das fundamentale Fundament des Goldmarktes intakt. Die Zentralbanken starteten mit Nettokäufen von 244 Tonnen im ersten Quartal 2026 in das Jahr – ein Wert oberhalb des Fünfjahresdurchschnitts. Die Barren- und Münznachfrage legte auf 474 Tonnen zu, ein Plus von 42 Prozent und das zweithöchste Quartalsniveau der Geschichte. Zu den Käufern zählen laut World Gold Council unter anderem die Notenbanken Guatemalas, Indonesiens und Malaysias. Die anhaltende Nachfrage wird als Absicherung gegen Entdollarisierung und geopolitische Risiken interpretiert.
Die Lage im Nahen Osten bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Während US-Präsident Trump die Friedensverhandlungen in der Abschlussphase sieht, wies der iranische Außenminister jeden nennenswerten Fortschritt zurück. Die Hisbollah lehnte eine US-vermittelte Waffenstillstandsinitiative ab. Das angespannte geoökonomische Umfeld hatte bereits im ersten Quartal zu erhöhter Volatilität an den Goldmärkten beigetragen.
Charttechnik und Analysteneinschätzungen
Der RSI liegt mit 34,4 klar unter der neutralen 50-Marke und nähert sich überverkauften Niveaus. Ein Ableiten in den Bereich unter 30 könnte technisch eine Erholungsbewegung begünstigen. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 4.639 US-Dollar liegt rund sechs Prozent über dem aktuellen Kurs – der Abstand signalisiert Abwärtsmomentum.
Die institutionellen Prognosen zeigen eine breite Spanne. J.P. Morgan senkte seine durchschnittliche Goldpreisprognose für 2026 von 5.708 auf 5.243 US-Dollar je Feinunze, hält aber am Jahresendziel von rund 6.000 US-Dollar fest. Die Bank erwartet eine Wiederbeschleunigung der Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte. Goldman Sachs bekräftigte nach dem März-Crash – dem größten Monatsverlust seit Juni 2013 mit über zehn Prozent – sein Ziel von 5.400 US-Dollar bis Ende 2026.
Am 12. Juni folgen mit den Inflationserwartungen der Universität Michigan weitere Daten. Bis dahin bleibt die 4.300er-Marke der entscheidende Haltepunkt.
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