Gold: Dollar-Gegenwind?

Europäische Fonds und Zentralbanken kaufen zu, während die Nachfrage nach Barren und Münzen nachlässt und der Dollar den Goldpreis belastet.

Die Kernpunkte:
  • Gold-ETFs verbuchen 2,7 Milliarden Dollar
  • Europäische Fonds führen die Zuflüsse an
  • Barren- und Münznachfrage sinkt um 19 Prozent
  • Zentralbankkäufe im Quartal steigen um 42 Prozent

Gold gerät heute durch den wieder anziehenden US-Dollar unter Druck, obwohl börsengehandelte Goldfonds weiter Kapital anziehen. Reuters zufolge belasten außerdem höhere Ölpreise und Inflationssorgen, weil Anleger dadurch mit länger hohen US-Zinsen rechnen. Die gestern veröffentlichten Zuflusszahlen zeigen zugleich: Hinter dem kurzfristigen Rücksetzer steht eine weiterhin rege Nachfrage nach Goldanlagen über Fonds.

Der Spotpreis liegt zum Tagesschluss bei 4.031,13 USD je Feinunze. Damit gibt Gold einen Teil der Gewinne ab, die nach den US-Zwischenwahlen entstanden waren. Der unmittelbare Rückenwind vom Devisenmarkt hat sich damit abgeschwächt.

Europäische Fonds führen die Zuflüsse an

Nach Angaben des World Gold Council flossen Gold-ETFs im Oktober 2,7 Milliarden US-Dollar zu. Ihre Bestände stiegen um 19 Tonnen auf 4.275 Tonnen.

Europäische Fonds führten die Zuflüsse an. Damit kommt ein wichtiger Nachfrageimpuls aus dem Fondssegment, während andere Käufergruppen zurückhaltender agieren. Für Anleger ist diese unterschiedliche Entwicklung entscheidend: Die Nachfrage nach Gold verläuft je nach Anlageform in verschiedene Richtungen.

Besonders deutlich zeigt sich das bei Barren und Münzen. Deren weltweite Nachfrage sank im dritten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 268 Tonnen.

Laut World Gold Council warteten Privatanleger auf einen klareren Preistrend. Die Zurückhaltung beim direkten Goldkauf steht damit den Zuflüssen bei börsengehandelten Fonds gegenüber. Das relativiert das Bild einer durchgehend starken Investmentnachfrage.

Reuters berichtete am Dienstag, der Verband habe seine Prognose für das Wachstum der Goldinvestmentnachfrage im Gesamtjahr von zuvor 400 Tonnen auf 200 Tonnen gesenkt. Als Grund nannte er die nachlassende Nachfrage nach Barren und Münzen.

Zentralbanken bleiben eine tragende Käufergruppe

Neben den Fonds stützen offizielle Käufer den Goldmarkt. Dabei unterscheidet der World Gold Council zwischen gemeldeten Transaktionen und seiner Schätzung einschließlich nicht gemeldeter Käufe. Diese Unterscheidung ist für die Einordnung der Nachfrage wichtig.

Für das dritte Quartal 2026 schätzte der Verband die Käufe von Zentralbanken und anderen offiziellen Institutionen auf 321 Tonnen. Das entsprach einem Anstieg um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die Schätzung umfasst auch nicht gemeldete Käufe. Zugleich hob der Verband seine Erwartung für die Zentralbanknachfrage im Gesamtjahr an. Damit fällt seine Einschätzung für offizielle Käufer günstiger aus als für das Wachstum der Investmentnachfrage.

Die am Mittwoch veröffentlichte Monatsstatistik wies für September gemeldete Nettozukäufe von 61 Tonnen aus. Das war der höchste Monatswert des Jahres 2026 bis dahin.

Polen und China führten die Käufe an. Zu den weiteren Nettokäufern gehörten unter anderem Usbekistan, Kasachstan und Tschechien. Die Nachfrage verteilt sich damit auf mehrere Länder.

Der Dollar bestimmt den kurzfristigen Kurs

Die jüngste Kursbewegung zeigt dennoch den starken Einfluss der Devisen- und Anleihemärkte. Nach dem Wahlerfolg der Demokraten hatten ein schwächerer Dollar und sinkende US-Staatsanleiherenditen Gold gestützt. Reuters verwies gestern zudem auf veränderte Erwartungen zur US-Finanzpolitik.

Heute wirkt die Dollar-Erholung in die Gegenrichtung. ETF-Zuflüsse und Zentralbankkäufe bilden einen Rückhalt auf der Nachfrageseite; kurzfristig steht dieser jedoch unter Druck, solange Dollar-Stärke und Erwartungen länger hoher US-Zinsen den Handel prägen. Für eine Fortsetzung der Erholung müsste dieser Gegenwind nachlassen.

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