Gold: Dot Plot am 16. Juni entscheidet

Der Goldpreis fiel um fast 25 Prozent, während der Dot Plot der Fed den nächsten Impuls liefern könnte.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis mit deutlichem Wochenverlust
  • Fed-Dot-Plot als entscheidender Faktor
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold
  • Inflationsdaten zeigen gemischtes Bild

Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen fast ein Viertel seines Werts verloren. Was jetzt zählt, ist nicht der nächste Zinsbeschluss der Fed — sondern ein einziges Dokument: der Dot Plot.

Inflation hoch, aber aus dem falschen Grund

Die US-Inflation kletterte im Mai auf 4,2 Prozent im Jahresvergleich — der höchste Wert seit April 2023. Treiber war fast ausschließlich Energie, angeheizt durch den Iran-Konflikt mit einem Preisanstieg von 23,5 Prozent.

Der Kern-VPI erzählt eine andere Geschichte. Er verlangsamte sich von 0,4 auf 0,2 Prozent im Monatsvergleich. Auch die Wohnkosten — historisch die hartnäckigste Kategorie — gaben von 0,6 auf 0,3 Prozent nach. Was erhöht bleibt, ist geopolitisch verursacht. Kein breiter Nachfragedruck.

Für Gold ist diese Unterscheidung entscheidend. Geopolitisch getriebene Inflation lässt die Fed weniger handlungsfähig erscheinen — und macht das Edelmetall attraktiver als Absicherung. Trotzdem drückt der CPI-Schock die Zinserwartungen nach oben. Das Ergebnis: Gold notiert mit einem Wochenverlust von rund 2,6 Prozent bei 4.241 US-Dollar je Unze und liegt damit fast 25 Prozent unter seinem Januarhoch von 5.626 US-Dollar.

Warsh debütiert — der Dot Plot entscheidet

Am 16. und 17. Juni trifft das FOMC unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh zum ersten Mal zusammen. Dass die Zinsen unverändert bleiben, gilt als sicher: Die Märkte preisen eine 97-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Pause ein.

Bewegend wird der Dot Plot. Er zeigt, wohin die Fed-Mitglieder die Zinsen projizieren — und genau das ist offen. Bleibt der Median-Pfad bei einer Pause, dürfte Gold zulegen. Die aktuelle Positionierung preist deutlich mehr Restriktivität ein als nötig. Verschiebt sich der Median hingegen in Richtung einer Zinserhöhung bis Dezember, hält der Druck auf das Edelmetall an.

Warsh gilt als datengetrieben und wenig geneigt, Märkte mit Vorausführung zu lenken. Er entscheidet lieber von Sitzung zu Sitzung. Das macht seine erste Pressekonferenz am Mittwoch schwerer kalkulierbar als die seines Vorgängers.

Hinzu kommt die EZB: Sie hob ihren Einlagesatz um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent an. Ein global restriktiveres Zinsumfeld erhöht die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall.

Zentralbanken kaufen weiter

Auf der Nachfrageseite zeigt sich Stabilität. Weltweit kauften Zentralbanken im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold. Die chinesische Zentralbank erwarb allein im April rund 8 Tonnen — der stärkste Monatszukauf seit Dezember 2024 und der 18. Monat in Folge mit Nettokäufen.

Die strukturelle Logik dahinter: Die Einfrierung russischer Währungsreserven von rund 300 Milliarden Dollar im Jahr 2022 hat das Reservemanagement vieler Staaten dauerhaft verändert. Gold liegt physisch im eigenen Land und entzieht sich fremder Jurisdiktion. Das schafft eine Nachfragebasis, die unabhängig vom Zinszyklus funktioniert.

J.P. Morgan erwartet bis Jahresende einen Anstieg auf 6.000 US-Dollar je Unze, mit 6.300 US-Dollar als möglichem Ziel für 2027. Charttechnisch liegen die nächsten Widerstände bei 4.311 und 4.381 US-Dollar. Wichtige Unterstützungen befinden sich bei 4.098 und 4.023 US-Dollar. Der RSI liegt bei 36 — technisch nahe an überverkauftem Terrain.

Ökonomen sehen im Mai den wahrscheinlichen Höhepunkt der Inflationsrate für 2026, da die Benzinpreise im Juni bereits deutlich nachgaben. Die Weichen für die nächste Kursbewegung bei Gold stellt der Dot Plot am kommenden Mittwoch.

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