Gold: Erholung nach Fed-Schreck
Nach dem Fed-Schritt gewinnt Gold wieder an Wert. Sinkende US-Renditen und eine Pause beim Dollar stützen die Erholung, während Risiken bleiben.

- Goldpreis fällt zunächst auf 4.235 Dollar
- Notenbanken steigern Goldkäufe um 62 Prozent
- Sinkende US-Renditen geben dem Edelmetall Auftrieb
- Höhere Zinsen könnten Erholung erneut bremsen
Fast 100 Dollar Verlust in wenigen Stunden, dann die Kehrtwende: Gold zeigt am Donnerstag, wie schnell sich die Stimmung am Edelmetallmarkt drehen kann. Nach der ersten US-Leitzinserhöhung seit dem Sommer 2023 rutschte die Notierung zeitweise bis auf 4.235 Dollar ab. Am Morgen stand die Feinunze in London wieder bei 4.327 Dollar — ein Plus von etwa anderthalb Prozent gegenüber dem späten Vorabend.
Die Fed hatte den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben und weitere Schritte für dieses Jahr nicht ausgeschlossen. Für Gold ist das grundsätzlich Gegenwind, schließlich wirft das Edelmetall selbst keine Zinsen ab. Der Markt hatte die Entscheidung allerdings weitgehend erwartet — echte Überraschungen bewegen die Kurse stärker als Erwartetes.
Anleiherenditen als Taktgeber
Den Ausschlag für die Erholung gaben sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen. Diese waren nach der Zinsentscheidung zunächst gestiegen, drehten in der Nacht aber wieder nach unten. Ein Stratege der Oversea-Chinese Banking Corp sprach von einer „Überreaktion“ bei den Renditen — der anschließende Rückgang habe Gold gestützt, während das insgesamt weiter hohe Renditeniveau künftig eher belastend wirken dürfte.
Auch der Dollar spielt eine Rolle. Er legte am Donnerstag eine Verschnaufpause ein, was Gold zusätzlich Auftrieb verlieh. Gleichzeitig dürften die hawkische Fed-Rhetorik und erhöhte Anleiherenditen tiefere Dollar-Verluste begrenzen — geopolitische Risiken sprechen laut Marktbeobachtern eher für den Dollar als Fluchtwährung, was das Aufwärtspotenzial für Gold einschränken könnte.
Strukturelle Nachfrage bleibt intakt
Unabhängig von der kurzfristigen Zinsdebatte bleibt die strukturelle Nachfrage nach Gold hoch. Notenbanken kauften im zweiten Quartal 2026 netto rund 289 Tonnen — ein Zuwachs von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen chinesische ETF-Zuflüsse und ein robuster Inlandsmarkt in China.
Auf der Rising Stars Konferenz in Australien hatte sich der Rohstoffinvestor Charlie Aitken zuletzt betont optimistisch geäußert und den bekannten JPMorgan-Satz zitiert: „Gold is money, everything else is credit.“
Angesichts der US-Staatsschulden von über 40 Billionen Dollar bezifferte er ein theoretisches Goldpreisniveau bei einem Goldstandard auf rund 15.000 Dollar — eine Rückkehr zu einem solchen System gilt allerdings als unwahrscheinlich, die Rechnung dient eher als Argument für eine strukturelle Unterbewertung.
Kurzfristig bleibt der Renditemarkt der entscheidende Hebel. Fällt die Rendite zehnjähriger US-Anleihen weiter, dürfte Gold seine Erholung fortsetzen können. Steigen die Zinsen dagegen erneut, könnte der Kurs schnell wieder in Richtung der Marke von 4.235 Dollar zurückfallen.
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