Gold: Erstmals unter 4.000 Dollar

Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise und Inflationserwartungen, was den Goldpreis unter die 4.000-Dollar-Marke drückt.

Die Kernpunkte:
  • Gold fällt unter 4.000 Dollar
  • Ölpreise schüren Inflationsängste
  • Fed-Zinspolitik belastet Edelmetall
  • China und Zentralbanken kaufen weiter

Gold gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Ausgerechnet eine Krise im Nahen Osten schickt den Preis jetzt aber auf Talfahrt. Am Dienstag rutscht die Feinunze erstmals seit Wochen unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar.

Der Spotpreis liegt am Morgen bei 3.996,80 Dollar. Das ist ein Rückgang von 122,60 Dollar gegenüber dem Vortag. Binnen 24 Stunden verliert Gold rund 2 Prozent, in der Sitzung zuvor waren es sogar fast 3 Prozent gewesen.

Ölpreise schüren Inflationssorgen statt Gold zu stützen

Auslöser der Verkaufswelle sind die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus. Normalerweise würde eine solche geopolitische Krise Anleger in Gold treiben. Diesmal passiert das Gegenteil.

Der Grund liegt im Ölpreis. Die Spannungen lassen die Ölnotierungen steigen, das schürt neue Inflationssorgen. Höhere Inflationserwartungen wiederum dämpfen die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank. Genau das belastet Gold, denn das Edelmetall wirft keine Zinsen ab.

Markt stellt sich auf anhaltend hohe Zinsen ein

Der Stimmungswandel an den Märkten ist deutlich sichtbar. Investoren rechnen zunehmend damit, dass die Fed ihre Hochzinspolitik fortsetzt. Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für zinslose Anlagen wie Gold. Verzinste Alternativen wirken dadurch attraktiver.

Diese Entwicklung deutete sich bereits in den Tagen zuvor an. Nach dem starken Anstieg zu Jahresbeginn bewegte sich Gold nur noch knapp über der 4.000-Dollar-Marke. Ein fester US-Dollar, steigende Zinserwartungen und die Ölpreis-Sorgen bauten Druck auf. Am Dienstag verschärften sich diese Kräfte und lösten den Durchbruch nach unten aus.

China und Zentralbanken kaufen weiter

Die kurzfristige Schwäche verdeckt eine robuste langfristige Nachfrage. China bleibt der große Abnehmer am Markt. Die Goldimporte des Landes erreichten im Mai rund 163 Tonnen, den höchsten Stand seit über zwei Jahren.

In den ersten fünf Monaten des Jahres summierten sich Chinas Einfuhren auf etwa 692 Tonnen. Das entspricht einem Plus von rund 76 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch bei den Zentralbanken bleibt der Trend intakt: Laut einer Umfrage des World Gold Council vom Juni will ein Rekordanteil von 45 Prozent der befragten Notenbanken die eigenen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter aufstocken.

Diese Marken beobachten Analysten jetzt

Charttechnisch richtet sich der Blick auf zwei Szenarien. Bleibt der Goldpreis über 4.000 Dollar, sehen Analysten Erholungspotenzial Richtung 4.500 bis 4.800 Dollar. Fällt die Notierung dagegen unter 3.950 Dollar, drohen weitere Rückgänge bis in den Bereich von 3.800 bis 3.500 Dollar.

Als entscheidende Unterstützung gilt die Zone zwischen 4.000 und 4.050 Dollar. Am Terminmarkt liegt der nächste Widerstand bei 4.200 bis 4.230 Dollar.

Der Goldmarkt bleibt damit zweigeteilt. Kurzfristig drücken Dollarstärke und steigende Zinserwartungen den Preis. Langfristig stützen Zentralbanken und asiatische Käufer wie China die Nachfrage weiter.

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