Gold: Fed bremst die Rally

Die US-Notenbank bremst die Goldrally durch eine erwartete Zinspause. Geopolitische Entspannung und charttechnische Hürden belasten zusätzlich.

Die Kernpunkte:
  • Fed belässt Leitzins voraussichtlich unverändert
  • Geopolitische Entspannung dämpft Goldnachfrage
  • Gold kämpft mit charttechnischem Widerstand
  • Dollar-Schwäche stützt Edelmetall leicht

Zwei Tage kräftiger Gewinne, dann eine Pause. Gold tritt auf der Stelle — und das hat einen klaren Grund: Die US-Notenbank Fed gibt am heutigen Mittwoch ihre Zinsentscheidung bekannt, und der Markt hat längst seine Hausaufgaben gemacht.

Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit für eine unveränderte Fed Funds Rate bei über 99 Prozent. Der Leitzins dürfte im Band von 3,50 bis 3,75 Prozent bleiben. Für Gold ist das eine ambivalente Botschaft: Hohe Zinsen machen das zinslose Edelmetall strukturell weniger attraktiv — und die US-Inflation liegt zuletzt bei rund 4 Prozent, was den Handlungsspielraum der Fed weiter einengt.

Naher Osten beruhigt, Goldpreis auch

Der geopolitische Rückenwind der vergangenen Tage lässt nach. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran, das diesen Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll, hat die Märkte beruhigt. Ölpreise fielen deutlich, die Risikoaversion sank. Händler nutzten die Gelegenheit, Gewinne aus den Vortagen mitzunehmen — Gold hatte in den beiden Sessions davor zusammen rund 5 Prozent zugelegt.

Indes stützt der schwächere Dollar den Goldpreis weiterhin leicht. Der Dollar-Index notierte zuletzt bei rund 99,52.

Technisch an der Kippe

Charttechnisch befindet sich Gold in einer heiklen Zone. Der Preis kämpft mit dem 61,8-Prozent-Fibonacci-Retracement bei rund 4.370 Dollar — ein Niveau, an dem sich in Abwärtstrends regelmäßig Rallys erschöpfen. Auf der anderen Seite liegt der 200-Perioden-Durchschnitt bei gut 4.513 Dollar, rund 3,4 Prozent oberhalb des aktuellen Kursniveaus. Kurzfristige Momentum-Indikatoren zeigen zwar aufwärts, die übergeordnete Struktur aus tieferen Hochs und tieferen Tiefs seit Mai bleibt jedoch intakt.

Das strukturelle Fundament bleibt dagegen solide. In einer Umfrage des World Gold Council gaben 54 Prozent der befragten Zentralbanken an, ihre Goldreserven konstant zu halten — und 93 Prozent halten bereits Gold, deutlich mehr als in der Vorjahresumfrage.

Die Fed-Entscheidung am heutigen Nachmittag dürfte kurzfristig den nächsten Impuls setzen. Begleitet Chairman Kevin Warsh — der die erste Sitzung unter seiner Führung leitet — den Zinsentscheid mit einer überraschend restriktiven Rhetorik, dürfte der Druck auf Gold zunehmen. Liefert er hingegen Signale für spätere Lockerungsschritte, könnte der Widerstand bei 4.370 Dollar doch noch fallen.

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