Gold: Fed schweigt, Preis bröckelt
Zentralbankkäufe stützen den Goldmarkt, doch Zinserwartungen und Verkäufe zum Ausgleich von Aktienverlusten drücken den Preis.

- Fed belässt Leitzinsen unverändert
- Gold verliert im Oktober 2,5 Prozent
- Notenbanken kauften im August 79 Tonnen
- Händler rechnen mit Dezember-Zinserhöhung
Die US-Notenbank lässt die Zinsen unverändert, liefert aber keine klare Richtung. Genau das reicht, um Gold weiter zu belasten. Das Edelmetall steuert auf den zweiten Monatsverlust in Folge zu.
Fed ohne Signal, Markt rechnet mit Anhebung
Der Offenmarktausschuss stimmte mit 10 zu 2 für unveränderte Leitzinsen. Der Markt hatte das erwartet. Fed-Chef Kevin Warsh brachte immerhin eine Änderung im Ablauf ins Spiel: Die Zahl der geplanten Zinsentscheidungen könnte ab dem kommenden Herbst von acht auf sechs pro Jahr sinken.
Händler setzen weiter auf eine Zinsanhebung im Dezember, auch weil hohe Energiepreise den Kampf gegen die Inflation erschweren. Ein Commerzbank-Experte verwies vorab darauf, dass der Markt zudem zwei weitere Schritte im kommenden Jahr einpreist. Höhere Zinsen belasten Gold, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft.
Der Spotpreis gab zuletzt um 0,4 Prozent auf rund 4.050 Dollar je Unze nach. Zuvor hatte er drei Sitzungen in Folge leicht zugelegt.
Aktienverluste ziehen Gold mit
Hinzu kommt der Druck vom Aktienmarkt. Der KI-getriebene Kursrutsch der Vorwoche zwang einige Investoren, Gold zu verkaufen, um Verluste an anderer Stelle auszugleichen. Das drückte den Preis auf den tiefsten Stand seit Juli. Im Oktober steht ein Minus von 2,5 Prozent zu Buche.
Gold bleibt damit anfällig für weitere Aktienschwäche. Anleger fragen sich, ob die hohen KI-Investitionen die Cashflows der Konzerne belasten.
Charttechniker warnen zudem vor einem Abrutschen in Richtung 3.500 Dollar. Die Edelmetalle driften auseinander: Gold hält sich vergleichsweise stabil, Silber, Platin und vor allem Palladium zeigen deutlich mehr Schwäche. Palladium nähert sich der Marke von 1.000 Dollar.
Zentralbanken als Stütze
Rückenwind liefern die Notenbanken. Nach Schätzung von Goldman Sachs kauften sie im August 79 Tonnen Gold, fast das Fünffache des durchschnittlichen Monatsvolumens vor 2022. China allein kam auf 25 Tonnen.
Branchenvertreter sehen darin eine feste Preisuntergrenze, womöglich sogar Potenzial für langfristige Kursgewinne. Kurzfristig dominieren jedoch Zinsen und Risikoappetit.
Am Donnerstag steht der PCE-Preisindex für September an, das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß. Fällt er hoch aus, dürfte die Dezember-Anhebung noch stärker eingepreist werden. Am selben Tag entscheidet auch die EZB über ihren Leitzins, wobei dort keine Änderung erwartet wird.
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