Gold: FOMC-Sitzung 28./29. Juli entscheidend
Goldpreis leidet unter restriktiver Fed-Politik und geopolitischen Spannungen. Die anstehende Zinsentscheidung Ende Juli gilt als nächster großer Test für das Edelmetall.

- Goldpreis fällt auf Monatssicht deutlich
- Fed-Vertreter signalisieren weitere Zinserhöhungen
- Notenbanken kaufen trotz Kursschwäche weiter Gold
- Charttechnische Unterstützung bei 3.960 US-Dollar
Gold steckt zwischen zwei Fronten fest. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten treiben die Ölpreise nach oben. Gleichzeitig schlägt die US-Notenbank zunehmend restriktive Töne an. Beides setzt dem zinslosen Edelmetall zu – und Ende Juli steht der nächste große Test an.
Schwacher Wochenausklang
Am Freitag stieg Gold auf 4.021,30 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,03 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Erholungsversuch ändert wenig am übergeordneten Bild. Auf Monatssicht liegt der Goldpreis noch immer 5,98 Prozent im Minus, seit Jahresbeginn beträgt das Minus sogar 7,19 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar aus Ende Januar klafft mittlerweile eine Lücke von 28,53 Prozent. Auslöser der jüngsten Schwäche waren militärische Ereignisse im Nahen Osten. Teheran startete erneute Angriffe auf US-Einrichtungen, nachdem zuvor sechs Nächte in Folge US-Angriffe auf iranische Ziele stattgefunden hatten. Der Verkehr durch die Straße von Hormus geriet dadurch massiv unter Druck.
Fed-Vertreter senden klare Signale
Auch aus der Notenbank kommen restriktive Töne. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan forderte zuletzt öffentlich eine weitere Zinserhöhung. Vize-Chef Philip Jefferson erklärte, er würde eine straffere Politik unterstützen, sollte sich die Inflation kurzfristig nicht verbessern.
Am Terminmarkt zeigt sich diese Tonlage bereits. Investoren preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Die zuletzt veröffentlichten Inflationsdaten liefern kein eindeutiges Bild: Verbraucher- und Erzeugerpreise fielen im Juni, vor allem wegen niedrigerer Energiekosten. Die Importpreise stiegen dagegen unerwartet.
FOMC-Sitzung am 28. und 29. Juli
Die Notenbank tagt am 28. und 29. Juli. Neue Wirtschaftsprojektionen gibt es bei diesem Termin nicht. Die Ergebnisse werden am 29. Juli um 20:00 Uhr MESZ veröffentlicht, die Pressekonferenz beginnt eine halbe Stunde später.
Der zuletzt veröffentlichte Dot Plot sorgte für Aufsehen. Die Fed hatte den Leitzins zum vierten Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen – einstimmig und erstmals unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Erstmals signalisierte der Dot Plot eine mögliche Zinserhöhung statt einer Senkung. Diese Verschiebung gilt als zentraler Belastungsfaktor für Gold.
Charttechnik: Entscheidung an der Widerstandszone
Der jüngste Rückschlag verlief heftig. Gold brach unter die beiden zentralen Unterstützungen bei 4.381 und 4.094 US-Dollar ein. Am großen Zielgebiet um 3.960 US-Dollar gelang der Käuferseite zunächst eine Stabilisierung, gefolgt von einem dynamischen Anstieg über die Marke von 4.094 US-Dollar.
Der RSI notiert aktuell bei 40,6 – ein Wert, der auf eine noch nicht überverkaufte, aber schwache Marktverfassung hindeutet. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.304,16 US-Dollar fehlen weiterhin 6,57 Prozent. Die Widerstandszone darüber bleibt entscheidend. Ein Tagesschluss über 4.400 US-Dollar würde das aktuelle bärische Muster in Frage stellen. Ein Wochenschluss unter der Nackenlinie dagegen würde das Ziel aus der Kopf-Schulter-Formation auslösen.
Notenbanken kaufen weiter
Trotz des kurzfristigen Drucks bleibt die strukturelle Nachfrage intakt. Zentralbanken kauften im ersten Quartal 2026 schätzungsweise 244 Tonnen Gold – mehr als im Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt. China, Polen und weitere Notenbanken diversifizierten ihre Reserven dabei weiter vom US-Dollar weg.
Das Bewertungsmodell des World Gold Council sieht Gold aktuell bei rund 4.100 US-Dollar fair bewertet, mit einer Schwankungsbreite von etwa 5 Prozent. Die Berechnung basiert unter anderem auf der Annahme einer Zinserhöhung bis Oktober 2026.
Zwei Kräfte ringen also um die Richtung: die restriktive Erwartungshaltung vor der Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli auf der einen Seite, die strukturelle Nachfrage der Notenbanken auf der anderen. Welche Seite sich durchsetzt, entscheidet sich frühestens mit der Pressekonferenz von Kevin Warsh am Abend des 29. Juli.
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